Deutlich mehr Psychotherapie über Telefon und Internet. In den ersten Wochen der COVID-19- Ausgangsbeschränkungen erhielten Klienten und Patienten um durchschnittlich 979 Prozent mehr Psychotherapie per Telefon als im Vergleich zu den Monaten vor COVID-19.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. Mai 2020 (18:29)
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Psychotherapie passiert üblicherweise von Angesicht zu Angesicht. Durch Corona war das in den vergangenen Wochen aber praktisch nicht möglich. Es mussten andere Wege gefunden werden. Die meisten Krankenkassen übernahmen erstmals Kosten für Psychotherapie via Telefon und Internet. Das Ergebnis: Die Behandlungszahlen via Telefon stiegen in den ersten Corona-Wochen um 979 Prozent und via Internet um 1.561 Prozent.

Das zeigte eine Online-Umfrage unter über 1.500 Psychotherapeuten von Thomas Probst von der Donau-Universität Krems und dem österreichischen Bundesverband für Psychotherapie.

Viele Patienten und Psychotherapeuten wären früher kritisch gegenüber dieser Formen gewesen. Allerdings würden die Erfahrungen der vergangenen Monate wie auch Forschungsergebnisse anderer Studien zeigen, dass Psychotherapien über das Internet oder Telefon gleich effektiv wie in persönlicher Anwesenheit gehaltene sein können. 

Hoher Bedarf nach Corona

Da in nächster Zeit Psychotherapien nur unter besonderen Auflagen möglich seien werden, sollten die neuen positiven Erfahrungen mit Telefon und Internet in der Psychotherapie auch für die Zukunft gewinnbringend genutzt werden, betont Probst.   „Die große psychische Belastungsreaktion kommt erst, wenn den Menschen klar wird und sie es erleben, dass die zukünftige Realität anders als vor der Pandemie sein wird“, glaubt Peter Stippl, Präsident des Bundesverbands für Psychotherapie. „Ein weiterer Anstieg an Psychotherapien per Telefon bzw. via Internet wird nötig sein, um die erhöhten psychischen Belastungen in der österreichischen Bevölkerung in Zeiten von COVID-19 so schnell wie möglich versorgen zu können“, so Probst.  

Telefon- und Internet-Therapie auch in Zukunft wichtig

Die Chancen, die die neuen Formen der Psychotherapie bieten, sollten laut Stippl berücksichtigt werden. „Wenn über die COVID-19-Krise hinaus Psychotherapien per Telefon oder via Internet kassenfinanziert bleiben, hätte das für viele Patienten erhebliche Vorteile. Beispiele sind Patienten, deren Anreise zu den Psychotherapeuten durch weite Entfernung oder schwierige Verkehrsbedingungen erschwert ist, aber auch Patienten mit körperlichen Beschwerden, für die das Erreichen der Psychotherapiepraxis eine Belastung darstellen kann.“