Gesünder durch Digitalisierung. Könnte man mehr ungenutzte Daten rund um die Gesundheit verwenden, würden Ärzte, Patienten, das Gesundheitssystem und die Wissenschaft davon profitieren.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 10. September 2019 (05:40)
Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
Immer wieder, so Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, treten Parlamentarier und Wissenschaftler in einen Dialog bei Themen, die vielleicht nicht an der Tagesordnung stehen, aber aktuell sind. Wie etwa mit dem Informatiker Christoph Meinel.

Bei einem Schlaganfall muss alles schnell gehen. Notarztwagen. Versorgung im Krankenhaus. Die Rettungskette funktioniert. Doch, was ist davor?

„Krebs, Diabetes, Demenzerkrankungen, Schlaganfall, Herzinfarkt – wir müssen bei diesen Krankheiten viel früher ansetzen“, ist Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka überzeugt. In der Prävention. Welche Maßnahmen hier aber am besten helfen, dazu braucht es Daten.

Gesammelt werden Daten zwar jede Menge. Etwa über Gesundheitsapps am Smartphone, bei Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten usw. Viele dieser Daten aber bleiben ungenutzt.

Ein Mehrwert für Ärzte und Patienten

Dabei können Daten, wenn sie verarbeitet werden, zu wichtigen Informationen führen. „Es entsteht ein Mehrwert für Gesundheitsberufe, Steuerungssysteme, Gesundheitsplanung und Forschung“, so Sobotka. Man kann etwa herausfinden, welche Behandlung unter welchen Umständen am besten funktioniert. Belastende, aber unnötige Therapien bei bestimmten Patienten können vermieden werden.

In den Daten können Muster entdeckt werden, wie zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen Demenz und Bluthochdruck, den die Wissenschaft weiter untersuchen kann. Die Daten können aber auch Gesundheitsförderungsmaßnahmen identifizieren, die besser wirken als andere. Gezielt eingesetzt können so auch Pflegefälle hintangehalten werden.

"Regeln und Verständnis" notwendig

Damit Daten nicht weiterhin ungenutzt bleiben, sind neue Konzepte gefragt. „Hier braucht es Regeln und Verständnis“, so Christoph Meinel, wissenschaftlicher Direktor des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering. Warum Verständnis? Um in Europa Daten nutzen zu können, muss der Zweck angegeben werden.

Oft aber wird erst im Laufe der Forschung klar, welcher Zweck sich herauskristallisiert, welche Muster sich zeigen. Aus seiner Sicht wird die gesamte Gesellschaft langfristig ihren Umgang mit Daten verändern müssen – aber das braucht Zeit.

Angst vor "gläsernem Patienten"

Obwohl gerade bei Gesundheitsapps oft wenig darüber nachgedacht wird, was mit den persönlichen Gesundheitsdaten passiert, ist die Angst vorm gläsernen Patienten im Gesundheitssystem sehr groß.

Besonders wichtig: „Der Bürger muss die Gewissheit haben, dass er Herr über seine Daten ist“, betont Sobotka. Sollten irgendwann in Zukunft also Gesundheitsdaten für die Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, muss der Patient das Recht haben, sich zum Beispiel – wie es grundsätzlich auch bei ELGA geregelt ist – sich rausstreichen zu lassen, wenn er das nicht will.