Eichtinger setzt auf Masern-Impfpflicht . In Niederösterreich wurden heuer schon zehn Fälle von Masern gemeldet.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 16. August 2019 (17:35)
APA (dpa)
Verpflichtende Masern-Impfung?

77 Masernfälle wurden vergangenes Jahr in Österreich gemeldet. Heuer sind es bereits 139. „In diesem Jahr sind bereits zehn Personen in Niederösterreich an Masern erkrankt“, so NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger. 

Aber auch weltweit steigen die Zahlen. Bis Ende Juli wurden in 182 Ländern nach vorläufigen Zahlen fast 365.000 Masernfälle registriert, fast drei Mal so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und mehr als im Gesamtjahr 2018, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete. Besonders gestiegen seien die Zahlen laut Apa in der WHO-Afrikaregion. Und zwar um 900 Prozent. In der WHO-Europa-Region (dazu zählen auch Russland, Türkei, Israel, Usbekistan und Aserbaidschan) stieg sie um 120 Prozent.

Impfpflicht gefordert

Niederösterreich poche darauf, die Impfung gegen Masern in die Liste der verbindlichen Impfungen beim Mutter-Kind-Pass aufzunehmen, betont Eichtinger. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (zwei Dosen) soll in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen werden und Voraussetzung dafür sein, das Kinderbetreuungsgeldes in voller Höhe zu bekommen. „Die Gesundheit unserer Kinder darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Wer sein Kind gegen Masern nicht impfen lässt, riskiert so die Gesundheit des Kindes und den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes.“

Marschik
Martin Eichtinger

Bei der Impfung geht es nicht nur darum, sich selbst zu schützen. „Wir müssen besonders jene Menschen schützen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen wie zum Beispiel werdende Mütter“, so Eichtinger. „Die Durchimpfungsrate in Niederösterreich ist hoch“, sagt er, „aber nur bei einer österreichweiten Verpflichtung können die Masern bei uns endgültig ausgerottet werden.“ Die Durchimpfungsrate bei Vierjährigen sei seit dem Jahr 2016 von 89 auf 84 Prozent gesunken.

Für eine ausreichende Immunität der Bevölkerung hinsichtlich Masern ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen erforderlich. Denn erst nach zwei schriftlich bestätigten Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln oder wenn mittels Antikörperbestimmung nachgewiesen ist, dass ein ausreichender Schutz im Blut vorhanden ist, ist ein ausreichender Schutz gegeben, verrät das Sozialministerium. Übrigens: „Fehlende Impfungen können und sollen in jedem Lebensalter nachgeholt werden“, wird empfohlen. Der Impfstoff sei für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen sowie im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenfrei erhältlich.

Bei Reisen mit Masernfällen

Aufgrund vermehrter Masernausbrüche europaweit empfiehlt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), dass man bei Reisen in Länder oder Regionen mit bekannten Ausbrüchen, vorab die Immunität überprüfen und sich gegebenenfalls impfen lassen sollte. Vergangenes Jahr übrigens gab es in Europa die meisten Masernfälle in Griechenland, Frankreich, Italien, Rumänien und Großbritannien registriert.

Masern als Gefahr

Warum Masern so problematisch sind? Die Masernerkrankung schwäche, so das Sozialministerium, die Abwehrkräfte des Körpers dermaßen, dass über mehrere Jahre hinweg das Risiko, an einer anderen Infektionskrankheit zu sterben, erhöht ist. Und: „Es gibt keine Behandlung der Masernvirus-Infektion selbst, nur die Symptome können gelindert werden.“ Die Folgen der Erkrankung können schwerwiegend sein. Bei jedem Fünften können Komplikationen, wie Bronchitis, Mittelohr- und/oder Lungenentzündung, auftreten, bei ein bis zwei von 1.000 Erkrankten kann eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung auftreten. Und: Selten kann Jahre später ein Gehirnzerfall auftreten, der immer tödlich verläuft (subakute sklerosierende Panenzephalitis).

Woran man Masern erkennt? Bei Masern komme es acht bis zehn Tage nach der Infektion (höchstens 21 Tage danach) zu allgemeinen Beschwerden wie Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung, begleitet vom typischen Ausschlag (rote, grobflächige Flecken). Dabei sind die Erkrankten vier Tage vor bis vier Tage nach Auftreten des Ausschlags hoch ansteckend.

Die Übertragung erfolgt mittels Tröpfcheninfektion. Schon ein kurzer Kontakt über eine Entfernung von wenigen Metern genügt, um das Virus von Mensch zu Mensch zu übertragen, informiert www.gesundheit.gv.at. Eintrittspforten seien die Schleimhäute des Atmungstraktes und der Augen.