Heinz Haberfeld: "Mehr Kooperation". Der Präsident der NÖ Apothekerkammer Heinz Haberfeld über Mitsprache, Medikamente und neue Gesetze.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 27. Oktober 2014 (11:15)
NOEN, Foto: NÖN
Heinz Haberfeld ist Präsident der NÖ Apothekerkammer.

NÖN: Stichwort Gesundheitsreform. Was ist Ihnen hierbei besonders wichtig?
Heinz Haberfeld: Es ist wichtig, dass die Gesundheitsberufe bei Reformen einbezogen werden. Denn wir kennen die Anliegen der Patientinnen und Patienten aus unserer täglichen Arbeit sehr genau. Über die NÖ Gesundheitsplattform können wir unsere Argumente einbringen und erfahren, welche Vorhaben geplant sind.

Welche Anliegen haben Sie noch zur Gesundheitsreform?
Die Apothekerschaft sieht sich als erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen. Aus diesem Grund ist es uns besonders wichtig, die Primärversorgung für die Bevölkerung zu fördern. Eine Idee dazu sind Erstversorgungszentren, wo Patienten unter einem Dach von mehreren Disziplinen betreut werden.

Solche Häuser, wo verschiedene Gesundheitsberufe unter einem Dach zusammenarbeiten, gibt es übrigens bereits jetzt: etwa in Rannersdorf, Ybbs, Perchtoldsdorf und Wr. Neustadt. Die Apotheken übernehmen dort eine zentrale Rolle, auch aufgrund ihrer ausgedehnten Öffnungszeiten und Nachtdienste.

Was ist eigentlich mit ELGA?
Mit 1. 7. 2016 soll ELGA für niedergelassene Ärzte und Apotheken verbindlich sein. Bis dahin müssen Apotheken mit dem GIN-Anschluss ausgestattet werden, damit die E-Card gesteckt und Daten über ärztliche Verordnungen übermittelt werden können.

„Datenabgleich“ findet übrigens schon statt. In Baden haben wir mit Wahlärzten und der NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) ein Pilotprojekt gestartet. Bisher mussten Kunden ihre Rezepte vom Wahlarzt einschicken, damit sie sie bezahlt bekommen. Im Rahmen des Pilotprojekts können Apotheker direkt in der Apotheke überprüfen, ob der Patient bei der NÖGKK versichert ist, und können die Rezepte am Monatsende mit allen anderen einreichen.

Was bringt die nahe Zukunft?
Auch die traditionellen Berufe wie die Apotheker stellen Leistungen auf das digitale Zeitalter um. Wenn die persönliche Betreuung und Beratung in der Apotheke auch am besten im direkten Gespräch stattfindet, so bieten auch wir zunehmend unterstützend elektronische Leistungen für die Kunden an. Ein Beispiel ist unsere Apo-App, die laufend erweitert wird und 2015 um das Modul „Impfungen“ ausgebaut wird.

Die Kunden können sich über die kostenlose Apo-App direkt informieren, welche Apotheke Dienst hat, und mit einem Click auf das gesamte Warenverzeichnis einer Apotheke mit rund 80.000 Artikeln zugreifen. Oder der Apothekenruf 1455, über den die Kunden rasch und einfach alle pharmazeutischen Fragen telefonisch beantwortet bekommen.

Und noch etwas ändert sich?
Ja, nächstes Jahr wird in Österreich auch der Internet- und Versandhandel mit rezeptfreien Medikamenten erlaubt werden. Wir sind darüber nicht sehr erfreut, weil das Internet die größte Plattform der Medikamentenfälscher ist und wir erneut mit einer Zunahme von gefälschten Medikamenten in Österreich rechnen. Alleine heuer im Herbst wurden von Interpol 300.000 gefälschte Medikamente mitten in Wien sichergestellt.

Das Problem für den Konsumenten ist, dass zwischen seriösen und unseriösen Internetseiten schwer zu unterscheiden ist. Wir haben nun ein Projekt entwickelt, das sich speziell an internetaffine Kunden wendet: Auf www.apodirekt.at kann sich der User seine Medikamente im Internet aussuchen, abholen muss er sie aber in der Apotheke. Das hat den Vorteil, dass er dort Beratung in Anspruch nehmen kann und – wenn er das Produkt dann vielleicht doch nicht will – es nicht kaufen muss.