Rasch reagieren bei Schlaganfall. Bei einem Schlaganfall geht es um jede Sekunde. Die Kampagne „Schnelle Hilfe bei Schlaganfall“ will an allen Punkten der Rettungskette ansetzen, um die Versorgung noch weiter zu verbessern.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:22)
Ein Test, um herauszufinden, ob es sich um einen Schlaganfall handelt, ist: Der Patient streckt seine Arme nach vorne und dreht die Handflächen nach oben. Hat er damit Probleme, kann das auf einen Schlaganfall hinweisen.
ÖRK/Markus Hechenberger

4.000 Niederösterreicher werden jährlich zu Schlaganfall-Patienten. Jeder Zweite davon ist von bleibenden Beeinträchtigungen betroffen. Wenn aber schnell gehandelt wird, können Folgeschäden dank neuester Behandlungsmethoden minimiert oder sogar gänzlich ausgeschlossen werden. „Kaum Behandlungen im Akutversorgungs-Bereich versprechen so drastisch gute Ergebnisse wie neue Methoden in der Schlaganfall-Behandlung“, zeigt sich Karl Matz, der Vorsitzende der Schlaganfall-Gesellschaft Österreich, enthusiastisch. Entscheidend aber ist, wie viel Zeit bis zur Entfernung des Blutgerinnsels vergeht.

Bei einem Schlaganfall verstopft ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn und reduziert die Sauerstoffzufuhr. Das Gerinnsel kann durch eine Infusion aufgelöst werden. Das sollte am besten innerhalb der ersten 90 Minuten erfolgen. Zusätzlich kann es Sinn machen, vor allem, wenn das Gerinnsel größer ist, dieses durch einen Katheter zu entfernen.

Doch: „Trotz der guten Behandlungsmöglichkeiten werden nur 14 Prozent der Patienten in Österreich damit versorgt“, erklärt Matz. In Niederösterreich sei die Behandlungs-Wahrscheinlichkeit noch etwas höher, was auf eine gute Versorgung durch viele sogenannte „Stroke-Units“ (Schlaganfall-Akutbehandlungseinheiten) zurückzuführen ist.

Im Zuge der Kampagne „Schnelle Hilfe bei Schlaganfall“ wird an allen Punkten der Rettungskette angesetzt. Zum Beispiel bei der Person, die die Rettung verständigt. Ob es sich um einen Schlaganfall handelt, kann dieser mit dem FAST-System feststellen.

Werden die ersten Anzeichen für einen Schlaganfall erkannt, sollte keine Zeit mehr verloren werden: „Einmal darüber schlafen“ ist keine Option.

Wichtig ist, dass mit dem Rettungswagen das Krankenhaus angefahren wird, das die Behandlungsmethoden bietet, die der jeweilige Patient braucht. Im internationalen Vergleich liegt die Versorgungsstruktur Niederösterreichs im Spitzenfeld. Dennoch will man noch effizienter werden. Und so wird derzeit erforscht, welchen Einfluss es hat, wenn die Sanitäter die Schwere des Schlaganfalls beurteilen dürfen.

In der Weiterbildung der NÖ-Sanitäter wurde ein Schwerpunkt auf das Thema Schlaganfall gelegt. NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger: „Gemeinsam mit der FH St. Pölten, Vertretern des Roten Kreuzes NÖ und des Arbeitersamariterbundes NÖ, unter fachlicher Begleitung der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft, wurde ein Online-Tool entwickelt, das in den unterschiedlichen Phasen des Schlaganfalls die optimale Versorgung aufweist.“ Mit Stand September 2019 wurden bereits 6.000 Sanitäter geschult.

Bewusstsein bilden

Die NÖ Gebietskrankenkasse setzt im Rahmen der Kampagne auf zwei Bereiche: die Schulung der Profis (Sanitäter …) und die von Privatpersonen. In niederschwelligen Info-Ecken in den Service-Centern in St. Pölten und in Baden kommen Personen einfach mit dem Thema Schlaganfall in Berührung. „Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde: Indem wir das Bewusstsein der Menschen für die Symptome stärken, erhöhen wir auch die Genesungschancen der Betroffenen“, so Generaldirektor-Stellvertreterin Petra Zuser.

„Damit es aber gar nicht erst zum Notfall kommen muss, setzt die NÖ Gebietskrankenkasse auf ein vielfältiges Präventionsprogramm.“ Dazu zählen eine Vorsorgeuntersuchung, Ernährungs- und Bewegungsworkshops – immerhin kann ein gesunder Lebensstil den Blutdruck und damit das Schlaganfallrisiko senken.

Auch Landesrat und NÖGUS-Vorsitzender Martin Eichtinger betont: „Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und die Bevölkerung aufzuklären sowie bestmöglich zu unterstützen.“