"Fake News": Gefahr durch falsche Infos. In der Burg Perchtoldsdorf diskutierten beim EUFEP internationale Forscher, Gesundheitsexperten und Journalisten über Fake News im Gesundheitsbereich.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 22. Januar 2020 (03:37)
Auf der Suche nach Gesundheitsinformationen treffen Menschen nicht immer nur auf evidenzbasierte, also wissenschaftlich belegte, Informationen.
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Um gute Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen zu können, braucht man verlässliche Informationen. „Im Netz kursieren aber viele Unwahrheiten und medizinisch nicht belegte Daten“, erläutert NÖGUS-Vorsitzender, Landesrat Martin Eichtinger beim Europäischen Forum für evidenzbasierte Prävention (EUFEP) in Perchtoldsdorf. Dennoch sei man schnell verleitet, sich an Dr. Google zu wenden, so Perchtoldsdorfs Bürgermeister Martin Schuster.

Das Problem: „Fake News können zur Gesundheitsgefahr werden“, warnt Gerald Gartlehner, Leiter des Kongresses und des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der Donau-Uni Krems. Und zur finanziellen Gefahr, ergänzt Nicola Kuhnt von der deutschen Plattform Medwatch. Immerhin kommt es auch vor, dass teure Wundermittel gekauft werden, die nicht helfen.

"Oft kommt es nicht auf den Inhalt an"

Dennoch verbreiten sich unverlässliche Informationen immer wieder. Und das teils mit schweren Folgen. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren ließen sich 70 Prozent der Mädchen in Japan zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs gegen HPV impfen. Dann aber erschien das Video von einem Mädchen mit neurologischen Problemen. Die Impfrate sank auf ein Prozent. Und das, obwohl, so erzählt Riko Muranaka, man keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und den Symptomen herausfinden konnte und sich herausstellte, dass derartige Symptome von Mädchen schon vor Einführung der Impfung aufgetreten waren.

Wissenschaftler, Journalisten und Gesundheitsexperten diskutierten über Fake News.
Florian Schulte

Ein weiteres Problem: „Fake News verbreiten sich manchmal noch mehr als wissenschaftliche Informationen“, betont Stefan Nehrer, Dekan der Donau-Uni Krems. „Oft kommt es nicht auf den Inhalt, sondern aufs Kommunikationskonzept an“, meint Patientenanwalt Gerald Bachinger. Und da sind die Verbreiter von unverlässlichen Informationen gegenüber Wissenschaftlern oft im Vorteil. Denn: „Es ist rhetorisch leichter, wenn man sich nicht auf Fakten beziehen muss“, so Philipp Schmid von der Universität Erfurt. Man kann seine Botschaften kurz und knackig und sehr emotional formulieren. Und: „Emotionale Nachrichten sind effektiver als lange, erläuternde Texte von Wissenschaftlern“, meint Emilie Karafillakis von der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Fake News spielt die vernetzte Welt. Zwar sagen viele Menschen, dass sie dem Internet nicht vertrauen, beeinflusst werden sie dadurch aber dennoch, sagt Karafillakis. Dazu kommt: Sucht man im Internet nach Informationen, erscheinen häufig negative Berichte zuerst. In Gruppen treffen Menschen mit ähnlichen Wertvorstellungen zusammen, für Meldungen von Mitgliedern, denen sie vertrauen, sind sie besonders empfänglich. Zu bedenken ist zudem: „Man muss kein Experte sein, um auf Social Media ein Experte zu sein“, so Karafillakis.

Bei der Eröffnung: Martin Schuster - Landtagsabgeordneter und Bürgermeister der Marktgemeinde Perchtoldsdorf, Elfriede Riesinger - NÖGUS-Geschäftsführerin, und  Martin Eichtinger - NÖGUS-Vorsitzender und Landesrat.
Florian Schulte