Kugelbauch macht Männer krank

Zu viel, zu spät, zu einseitig: Nicht nur Essen und Alkohol schmälern die Lebensspanne der niederösterreichischen Männer um 5 Jahre.

Erstellt am 26. November 2021 | 05:36
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Im Monat November trommelt die weltweite Bewegung „Movember“ für Männergesundheit und Gesundheitsvorsorge. Viele Männer lassen sich Schnurrbärte wachsen, um die Aktion „mitzutragen“.
Foto: Shutterstock/Studio Romantic

40 Prozent der Männer sind „kugelrund“, aber nicht zwingend „pumperlgsund“. Tendenz steigend. Ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkohol und zu wenig Bewegung wirken sich negativ auf ihre Lebenserwartung aus: In NÖ werden Männer im Schnitt 78 Jahre alt, Frauen werden mit 83 Jahren um fünf Jahre älter.

„Männer trinken häufiger Alkohol als Frauen, essen weniger Obst und Gemüse, dafür mehr Fleisch und Wurst. Sie sind stärker übergewichtig und rauchen mehr. Auch bei Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes sowie Lungen- und Darmkrebs haben sie die Nase vorn“, sagt ÖGK-Chefarzt Andreas Krauter.

Dazu kommt, dass Männer sich weniger mit Gesundheitsfragen auseinandersetzen und später bzw. auch seltener zum Arzt gehen als Frauen, weiß Gerald Timmel vom Gesundheitsportal DocFinder. Er sieht hier dringenden Handlungsbedarf - auch noch im Jahr 2021. Typische Männer-Erkrankungen wie Hoden-, Prostata- oder Darmkrebs könnten durch eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung, wie sie die ÖGK einmal pro Jahr anbietet, frühzeitig entdeckt werden.

Um mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, startete 2003 die weltweite Bewegung „Movember“, eine Kampagne für Männergesundheit und Gesundheitsvorsorge. Als Symbol der Identifikation mit der Kampagne und dem Anliegen lassen sich viele Männer im November Schnurrbärte wachsen.

Eine Leberkässemmel ist eigentlich ein Mittagessen.“ JOHANN GRASSL Diätologe und Dozent FH St. Pölten

Ein fundamentaler Gesundheitsfaktor ist auch, wie, was und wie viel „mann“ isst. „Österreicher verstehen unter ‚etwas Kleines essen‘ nicht den Verzehr eines Apfel oder Joghurts, sondern einer Leberkässemmel. Das ist eigentlich ein Mittagessen“, sagt Diätologe Johann Grassl. Schnell große Portionen am Abend zu essen ist nicht der „Goldstandard“ der Ernährung.

Gepaart mit zu wenig Bewegung wirkt schlechte Ernährung als Krankmacher und führt zu Fettleber, Diabetes Mellitus, Bluthochdruck und erhöhter Harnsäure. „Das alles führt zum Herzinfarkt und Schlaganfall“, warnt Grassl.

Seit Jahren nehmen die Übergewichtigen und Adipösen auch an Zahl zu. Ihre Kugelbäuche können Männer dabei regelrecht krank machen: „Das Bauchfett funktioniert wie ein endokrines Organ: Es produziert Hormone, die vor allem Entzündungen verursachen und den Zuckerspiegel und Stoffwechsel negativ beeinflussen“, sagt Grassl.

Er rät, das Essen zu genießen und keinen Dogmen zu folgen „Am besten seltener Fleisch essen und fünf verschiedene Farben und kleinere Portionen am Teller haben“, empfiehlt Grassl.