Mit Bildung gegen den Ärztemangel

Die drohende Pensionierungswelle der Baby-Boomer Generation in den nächsten 10 Jahren wird den Bedarf nach neuen Kassen- und Wahlärzten in der Allgemeinmedizin massiv erhöhen. Höchste Zeit also, die jüngeren Generationen aus Niederösterreich für den Arztberuf langfristig zu begeistern und neue Anreize zu schaffen. Manfred Wieser, Studiengangsleiter für Humanmedizin an der Karl Landsteiner Universität, gibt Einblicke in die Maßnahmen gegen den Ärztemangel.

Erstellt am 06. Januar 2022 | 15:05
Lesezeit: 3 Min
Medizinistudium in Niederösterreich
Viele Einrichtungen wie die Karl Landsteiner Universität bieten angehenden Ärztinnen und Ärzten eine moderne medizinische Ausbildung an.
Foto: Alexander Moser

Verdoppelung der Studienplätze, Aufwertung der Allgemeinmedizin oder die Vergabe von Landarztstipendien. Dies sind nur einige Punkte, die Ende 2020 im 8 Punkte-Plan „für sichere Gesundheit im ländlichen Raum“ von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vorgestellt wurden. Das Ziel ist, den Arztberuf wieder attraktiver zu gestalten und jungen Interessenten auch einen Ausbildungsplatz anbieten zu können.

Die Studienplätze an den Medizinunis sind heiß begehrt, den Traum vom Arztberuf können sich aber nur wenige erfüllen. Doch mehr Studienplätze allein anzubieten, reicht nicht aus, wenn viele Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Abschluss ins Ausland abwandern. Es müssen also neue Lösungen kreiert werden, um junge Medizinerinnen und Mediziner für eine Arbeitsstelle in Österreich zu motivieren.

Moderne Medizinische Ausbildung in Niederösterreich

Manfred Wieser im Interview mit der NÖN
Manfred Wieser ist Vizerektor für Lehre und Studiengangsleiter Humanmedizin an der KL Privatuniversität.
Foto: Alexander Moser

Die Karl Landsteiner (KL) Privatuniversität in Krems ist eine der wenigen Ausbildungsstätten für junge Medizinerinnen und Mediziner in Niederösterreich. Welchen Stellenwert sie für das größte Bundesland hat zeigt sich darin, dass von den derzeit 659 Studierenden knapp die Hälfte aus Niederösterreich kommen. 114 Studierende wurden in diesem Studienjahr neu aufgenommen.

Zum Vergleich: Die MedUni Wien bietet jährlich über 600 interessierten Personen einen Studienplatz an. „Unser Ziel ist es, dass wir 120 Absolventen pro Jahr im Endausbau haben“, erläutert Manfred Wieser den langfristigen Plan, der 2013 mit der Aufnahme von 28 Studierenden begann. Ein Großteil jener, die ihr Studium an der KL Universität abschließen, arbeiten später auch in den Universitätskliniken in St. Pölten, Krems oder Tulln. Dies zeigt, dass das Angebot der Hochschule für Personen aus Niederösterreich durchaus attraktiv ist.

Maßnahmen gegen den Ärztemangel

Für niederösterreichische Personen gibt es etliche Anreizsysteme

Wieser betont außerdem, dass starke Anreize gesetzt werden, um angehende Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich zu halten. Denn neben der Mitarbeit in den Landeskliniken, bietet sich für Studierende auch die Möglichkeit den niedergelassenen Bereich kennenzulernen. „Hier bieten wir allen Studierenden eben die Möglichkeit, dass sie Praktika für zumindest vier Wochen in einer Ordination eines Arztes oder Ärztin für Allgemeinmedizin (Hausarztpraxis) in Niederösterreich absolvieren“.

Zusätzlich wurde die Initiative „Landpartie“ ins Leben gerufen, die Studierende nutzen können, um in Ordinationen in ländlichen Gebieten zu arbeiten. „Dadurch können sie sich ein besseres Bild machen was es heißt Ärztin oder Arzt abseits des Ballungsraums zu sein und hier auch Vorteile, die sich dadurch ergeben, kennenlernen“, fügt Wieser hinzu.

Alle Wege offen

Ein Medizinstudium dauert an der KL Privatuni insgesamt sechs Jahre. Welche Wege die Absolventinnen und Absolventen danach einschlagen ist unterschiedlich. Viele gehen in die Facharztausbildung und arbeiten bereits in den Landeskliniken oder werden als Lehrende tätig. Wohin sich der Trend entwickelt, lässt sich für Wieser derzeit nur schwer einschätzen „weil die Ausbildung danach noch etliche Jahre dauert bis man dann als Arzt oder Ärztin tätig sein kann. Da sind alle unsere Studierenden noch dabei.“

Trotz der zahlreichen Maßnahmen und Initiativen aus unterschiedlichen Bereichen, wird die Debatte um das Thema Ärztemangel in Zukunft nicht abreißen. Ärztekammer, ÖGK und Hochschulen stehen in regem Austausch, um neue Konzepte zu entwickeln. Nicht immer wird dabei eine Einigung erzielt. Für die Zukunft ist es wichtig, dass von allen Seiten einheitliche Lösungen erarbeitet werden, um eine flächendeckende medizinische Versorgung in Niederösterreich sicherzustellen.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.