Angebot für Demenz-Betroffene trotzt Corona-Krise . Ab Beginn des Jahres wurde das Demenz-Service flächendeckend in Niederösterreich ausgerollt. Die Beratung für Erkrankte und Angehörige trotzt auch der Krise. Am Mittwoch wurden in St. Pölten weitere Pläne zum Ausbau der Demenz-Strategie präsentiert sowie eine erste Bilanz gezogen.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 16. September 2020 (12:06)
Andreas Schneider, Petra Zuser und Martin Eichtinger bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
Victoria Schmidt

22.000 Menschen in Niederösterreich leiden an Demenz, rund 80 Prozent davon werden Zuhause und von Familienangehörigen betreut. Darauf machte Martin Eichtinger, ÖVP-Landesrat und Vorsitzender des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) anlässlich des bevorstehenden Welt-Alzheimertages (21. September) aufmerksam. Er erinnerte daran, dass sich die Zahl an Demenz-Erkrankungen Schätzungen zufolge bis 2050 verdoppeln wird. 

Daher wurde bereits 2018 die niederösterreichische Demenz-Beratung ins Leben gerufen. Die Bezirke Krems, Lilienfeld, St. Pölten und Tulln starteten vor zwei Jahren als Pilotregion „NÖ Mitte“, bevor heuer der flächendeckende Ausbau in NÖ folgte. Im bisherigen Jahr 2020 wurden bereits 700 Einzelberatungen von Expertinnen und Experten des Demenz-Services durchgeführt. 

Die Basis der Beratung ist eine Hotline, die auch anonym angerufen werden kann. Die Anruferinnen und Anrufer werden dann zu den entsprechenden Service-Centern der Gebietskrankenkasse (ÖGK-NÖ) weitergeleitet. In allen 24 Bezirken sind die Service-Center mit sogenannten Demenz-Infopoints ausgestattet, wo Betroffene zu einer Art Sprechstunde kommen können. Zudem ist es möglich, von zuhause Beratungstermine zu vereinbaren - auch in der aktuellen Corona-Situation. Termine werden verstärkt online koordiniert. 

Gezielte Information für Betroffene

Damit soll Betroffenen geholfen werden, die vielfältigen Angebote leichter zu durchschauen. Außerdem wird bewusst auf einen "niederschwelligen Zugang zu den Informationen" Wert gelegt, wie der Leiter des Demenz-Service, Andreas Schneider bei einer Pressekonferenz am Mittwoch betonte.

Petra Zuser, die Leiterin der ÖGK-Landesstelle, unterstrich das: "Wenn jemand von Demenz betroffen ist, wird das ganze Leben auf den Kopf gestellt. Da kann nicht früh genug geholfen werden und da kann nie genug Hilfe sein".  Sie hob aber auch hervor, dass sich die Beratung auch gezielt die Demenz-Vorsorge in den Fokus stelle. Vorträge und - wegen Corona derzeit eingeschränkte - Veranstaltungen zur mentalen Gesundheit stünden daher regelmäßig am Programm der ÖGK-Landesstelle. Schneider hakte ein: Demenz verändert die Persönlichkeit. Wir trachten danach, bei Betroffenen so früh wie möglich eine Umfeld-Diagnose zu machen. Wer eine neue Sprache erlernt, schützt das Gehirn vor Alzheimer und Demenz.“ 

Insgesamt ist das Ziel des Demenz-Service Betroffenen und den Familien eine bestmögliche Hilfe anzubieten und sie in ihrer Tagesarbeit zu entlasten. Dafür haben das Land Niederösterreich und die NÖ Gesundheitskasse in der Vergangenheit insgesamt 654.000 Euro in die Hand genommen. Das Service soll aber laufend erweitert werden, um das Ziel eines patientenorientierten und flächendeckenden Demenz-Angebotes zu erreichen. 

Ausbau wird mehr Betreuungsplätze fordern

"Ja, dazu werden wir in Zukunft auch mehr Betreuungsplätze brauchen", räumte Schneider am Mittwoch ein, auch wenn das Ziel bleibe, so viele betroffene Menschen wie möglich in der häuslichen Betreuung zu versorgen. Zudem verfolgt Schneider mit der gezielten Information zum Thema Demenz ein weiteres zentrales Anliegen: "Demenz wird in der Gesellschaft immer noch als stigmatisierende Erkrankung wahrgenommen. Wir wollen dieses Stigma herausnehmen". 

Die kostenlose Demenz-Hotline unter 0800 700 300 bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen an. Das Service steht von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr zur Verfügung. Kostenlose Einzelberatungen sind auch zu Hause möglich. Aufgrund von Corona wurde dazu ein digitaler Weg mit technischen Hilfsmitteln wie Skype oder WhatsApp eingeschlagen.

Mehr Informationen unter https://www.demenzservicenoe.at/