Klosterfasten bietet Auszeit für die Seele . Um Schokolade oder Alkohol geht es beim Klosterfasten nicht. Um den Körper schon. Um den Geist auch. Und damit beide im wahrsten Sinn „zur Ruhe“ kommen können, braucht es Zeit. Und einen besonderen Ort – wie hinter Niederösterreichs Klostermauern.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 06. März 2019 (02:26)
Ein Ort der Auszeit: das Gästehaus des Waldviertler Klosters Geras. Dort, bei den Chorherren, können Gäste schon seit 1989 fasten. Die Idee bzw. die Initiative zum so genannten Klosterfasten kam vom damaligen Abt Joachim Angerer.
Alexander Graffi

„Solange man’s nicht probiert hat, ist das schwer zu verstehen. Bei meinem ersten Fasten war ich selber überrascht!“ Gibt Alexander Graffi lachend zu. Und zwar darüber, „dass ich Bäume hätte ausreißen können vor Energie“.

Denn: Das Fasten, das sei „eine Zeit für sich“. Und die Zeit sei auch etwas, das man „unbedingt“ braucht beim Fasten. Nebenbei geht das nicht. In drei Tagen, sozusagen: in einem Kurztrip zur Auszeit geht das auch nicht. „Der Körper“, erklärt Alexander Graffi, „braucht zwei, drei Tage, bis er sich darauf einstellt“. Der Geist brauche mindestens genauso lang. Dann seien viele Fastenkurse aber auch schon wieder vorbei. „Bei mir gibt es nur zehn Tage – oder mehr.“

„Fasten kann man nicht nebenbei!“ Alexander Graffi, langjähriger Fastenbegleiter und Gästehaus-Pächter im Stift Geras

In denen wird, am Freitagabend, gemeinsam gestartet („die Gruppe ist dabei auch ein angenehmes Hilfsmittel“). Am Samstag beginnt das Fasten dann mit Glaubersalz, eine Woche später wird es wieder gebrochen und mit einem gesunden Sonntagsfrühstück beendet. Dazwischen, am Mittwoch, ist Stilletag. „Damit man auch im Kopf langsamer wird.“ Jeden Vormittag wird gewandert („gerne auch im schönen Thayatal oder direkt rund ums Kloster“), jeden Nachmittag ist frei, für Spaziergänge, Nachmittagsschläfchen, für Leberwickel oder für Massagen. „Viel Freiraum“ ist dem ausgebildeten Fastengruppenbegleiter, der seit 2002 erst in Pernegg, seit 2016 in Geras das Klosterfasten betreut, wichtig.

20 Termine sind es, die er im Jahr leitet, mit Gruppen zwischen zehn und 15 Personen. Die Gruppe helfe auch, vor allem am Anfang, „Ehrgeiz“, beim Wandern zum Beispiel, ist dagegen „ganz schlecht“. Auch in Sachen Handy empfiehlt der Fastenleiter, „dass man’s weglässt – ich sammle sie aber auch nicht ein“.

Entscheidend ist aber, abgesehen vom Verzicht, auch die Vorbereitung. Für die kommt schon in der Woche vor dem Fastentermin eine Empfehlung, Fleisch oder Alkohol wegzulassen. Und: die Nachbereitung. „Das unterschätzen viele“, meint Alexander Graffi. „Die meisten glauben, sie fahren heim, und dann ist’s vorbei.“ In Wirklichkeit brauche es noch einmal so viel Zeit wie das Fasten selbst.

Und: Es brauche den passenden Ort. „Das Fasten passt super zum Kloster. Das Kloster an sich ist ja schon ein Rückzugsort. Und wir haben hier, in Geras im Gästehaus, noch mal einen Rückzug vom Rückzug.“ Und daneben noch ein aktives Kloster, in dem man dreimal täglich am Chorgebet teilnehmen kann – wenn man will …