Hilfswerk: "Pflegereform dringend notwendig"

Auch in Niederösterreich steigt der Personalmangel in der Pflege stetig an. Großflächige öffentliche Investitionen, bessere Finanzierung der Psychotherapie und Erleichterungen in der Ausbildung werden gefordert. Es gebe Wartelisten in der Mobilen Pflege und Psychotherapie.

Erstellt am 07. Oktober 2021 | 15:59
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Hilfswerk-Nö Präsidentin Michaela Hinterholzer und Geschäftsführer Christoph Gleirscher
Foto: Nön

"Es wird immer einen Mangel an Pflegepersonal geben. Auf den haben wir uns einzustellen." Die Präsidentin des Hilfswerks Niederösterreich Michaela Hinterholzer sieht dringenden Bedarf an einer weitreichenden Pflegereform. Im Zuge ihres 10-jährigen Jubiläums als Präsidentin wirft sie einen Blick in die weitere Zukunft der Pflege.

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10-jährigen Jubiläum der Präsidentin Michaela Hinterholzer.
Hilfswerk Niederösterreich

"Bis 2050 brauchen wir dreieinhalb mal so viel Pflegepersonal, allein wir hätten zur Zeit 200 offene Stellen zu besetzen", so Hinterholzer. Aufgrund des rasant ansteigenden Bedarfs rechnet man jedoch bereits jetzt mit einer weiteren Verschlechterung der Personalsituation.

"Wäre einfach umzusetzen"

Gefordert wird eine vollumfassende und vor allem rasch umgesetzt Pflegereform. Die Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen würde jedoch bereits Erleichterung schaffen: "Die finanzielle Situation ist eine Sache. Aber gewisse gesetzliche Änderungen wären trotzdem einfach umzusetzen."

Konkret drängt das Hilfswerk auf einfachere Wege in der Pflegeausbildung. Es gäbe beispielsweise viele Schulen in Niederösterreich mit Sozialschwerpunkt, ein einfacherer Einstieg in den Pflegeberuf danach wäre wünschenswert. Gefordert werden auch berufsbegleitende Programme für Wiedereinsteiger sowie eine Aufstockung der Ausbildungsplätze. 

Im OECD-Vergleich gebe Österreich pro Kopf wenig Geld für die Pflege aus. Und was die lang angekündigte Pflegereform angeht, passiere einfach nichts, sagt Hilfswerk NÖ Geschäftsführer Gleirscher. Der Gesundheitsminister sei hier fachlich in der Verantwortung und die Länder faktisch, weil das Thema Pflege Länderkompetenz ist.

Prekäre Lage in der Psychotherapie

Besonders im Bereich der Psychotherapie ortet das Hilfswerk Nö eine prekäre Situation. "Der Bereich ist massiv unterfinanziert, mit jeder geleisteten Therapiestunde machen wir derzeit Verlust", sagt Gleirscher. Zu wenig kassenfinanzierte Plätze und ein steigender Bedarf von psychotherapeutischer Versorgung würden zu Wartelisten von bis zu einem halben Jahr führen.

Niederösterreich stellt derzeit einen Kostenersatz für die Psychotherapie von 59 Euro zur Verfügung, während in den westlichen Bundesländern 80 Euro bereitgestellt werden. Ein Angleich der niederösterreichischen Förderung sei spätestens seit dem Anstieg der psychischen Belastung in der Corona-Pandemie dringend notwendig.