„Ein bisschen Normalität“. Seit Februar gibt es die Familien-Lotsin der Kinder-Krebs-Elterninitiative und des St. Anna Kinderspitals. Auf Initiative einer betroffenen Familie. Finanziert durch Spenden.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 24. November 2014 (12:59)
Sarah Rinner (2. v. r.) begleitet krebskranke Kinder und Jugendliche und deren Familien zu Hause.
NOEN, Foto: Filmausschnitt »Projekt Familien-Lotse«
„Die Krebserkrankung eines Kindes oder eines Jugendlichen erschüttert massiv das gesamte Familiensystem“, weiß Sarah Rinner. Die Psychologin hat jahrelang im St. Anna Kinderspital gearbeitet. Mittlerweile begleitet sie als Familien-Lotsin betroffene Familien zu Hause.

Behandlung sehr intensiv und belastend

Die Prognosen für Krebs im Kindesalter stehen mittlerweile sehr gut. Allerdings: „Die Behandlung ist sehr intensiv und belastend“, so die gebürtige Kremserin. Die Betreuung des kranken Kindes erfordert oft, dass ein Elternteil vorübergehend die Arbeit aufgeben muss. Es kann passieren, dass Eltern Geschwisterkindern nicht so viel Aufmerksamkeit schenken können wie sonst …

Solange das Kind noch stationär im Spital ist, fühlen sich Familien gut eingebettet und es bleibt kaum Zeit nachzudenken. Kommt es aber nach Hause – zum Beispiel zwischen Behandlungsblöcken oder weil es ambulant behandelt wird – werden die Auswirkungen deutlicher. Wie zum Beispiel, dass das Kind, weil es ein geschwächtes Immunsystem hat, nicht in die Schule gehen kann. Und: Mitschüler, Verwandte, Freunde wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Zuversicht, Entlastung und Stabilisierung

Für Sarah Rinner hingegen ist das nichts Neues. Sie kennt die Situation. Eltern, die sonst ihren Kindern Zuversicht vermitteln müssen, können ihr sagen, was sie beschäftigt, von ihren Ängsten und Erfahrungen sprechen. „Es ist eine Entlastung, eine Stabilisierung – und das ganz unaufgeregt“, beschreibt die Eichgrabenerin. „Eine Aufgabe von mir ist es, die Familie dabei zu unterstützen, ein bisschen Normalität zu leben.“

Immerhin betreut sie Familien – übrigens im Umkreis von etwas mehr als einer Stunde zum St. Anna-Kinderspital – „während der akuten Behandlung und im Übergang zurück ins normale Leben“. Dabei geht es auch um Vernetzung vor Ort, je nachdem, welche Unterstützung die Familie braucht.
Apropos Unterstützung, um das spendenfinanzierte Projekt zu unterstützen, ist im Kremser Wollgeschäft Woll.Werk im Rahmen des Kundenprojekts „Grüne Blätter“ ein Wandbehang entstanden, der vor Ort zu besichtigen ist und verkauft werden soll. Der Reinerlös soll dem Projekt „Kinder-Lotse“ zugute kommen.

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NOEN, Foto: NÖN
Regina Binder und Elisabeth Reinberg vor dem Wandbehang.
Infos:  www.familien-lotse.at , http://woll.werk.das-besondere.at