Spitzenmedizin in NÖ: Roboter entfernt Harnblase. Viele von Niederösterreichs Krankenhäusern haben sich spezialisiert, zum Beispiel auf minimalinvasive Operationen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 21. Juli 2020 (06:42)
LGA-Direktor Markus Klamminger, Primar Friedrich Längle, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Primar Johann Hofbauer bei einem Treffen von Spitzenmedizinern in Wiener Neustadt.
NLK/Filzwieser

Harnblasen werden am Landesklinikum Wiener Neustadt schon seit Jahren entfernt und – aus Teilen des Darms – neu geschaffen. Früher stand dazu nur der Mensch im Operationssaal, mittlerweile ist auch ein Roboter mit von der Partie. „Die Entfernung der Harnblase – der schwierigste urologische Eingriff – wird nun zur Gänze mit dem Da-Vinci-OP-Roboter durchgeführt“, erläutert Johann Hofbauer, Leiter der Urologie am Landesklinikum Wiener Neustadt. Damit sei die Urologie Wiener Neustadt in Österreich derzeit federführend.

Welchen Vorteil der Operationsroboter, den es hier seit fünf Jahren gibt, hat? „Die Vorteile sind groß, der Eingriff ist extrem minimalinvasiv, der Blutverlust ist gering, die Rekonvaleszenz halbiert sich“, so Hofbauer.

Auf Eingriffe ohne große Schnitte setzt man in vielen Situationen. Ein weiteres Beispiel: „50 bis 60 Prozent der Dickdarmoperationen werden laparoskopisch durchgeführt“, so Friedrich Längle, Leiter der Chirurgie. Also über eine kleine Öffnung und mithilfe von kleinen, optischen Instrumenten, die zum Ziel des Eingriffs vordringen. Der internationale Durchschnitt läge im Vergleich dazu bei 30 Prozent.

„In der Medizin müssen wir immer am Puls des schlagenden Herzens sein“, sagt er. Unerlässlich dazu sei die Wissenschaft. Wesentlich sei auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen.

Kleine Schnitte statt große Wunden

Die Bedeutung der Wissenschaft betont auch Elisabeth Stubenberger, die Leiterin der Allgemein- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Krems. Auch hier setzt man auf minimalinvasive Techniken, die zu kürzeren Liegezeiten, weniger Schmerzen und einem früheren Wiedereinstieg ins Berufsleben führen. So könne man etwa knopflochchirurgisch Lungenkarzinome mit drei bis vier Zentimeter großen Schnitten seitlich am Brustkorb entfernen. Oder auch Tumore des Mittelfellraumes hinter dem Brustbein mit zwei, drei kleinen Schnitten – wo früher die Durchtrennung des gesamten Brustbeins notwendig war.

„Wir haben in unserem Bundesland Expertise, auf die wir stolz sind“, betont Markus Klamminger, Direktor für Medizin und Pflege der Landesgesundheitsagentur. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf: „Niederösterreich steht für Spitzenmedizin in allen Regionen und Spitzenpersonal, das hochkomplex und hochspezialisiert arbeitet und operiert.“

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Zentrum für metabolisch-bariatrische Chirurgie in Hollabrunn, wo mit etwa 300 Eingriffen jährlich so viele Patienten mit krankhaftem Übergewicht behandelt werden wie an keinem anderen Institut in Österreich. Oder auch die Augenheilkunde in Horn. Hier hat man – bedingt durch Corona – begonnen, wo es möglich ist, den Grauen Star (Katarakt) auf beiden Augen gleichzeitig zu operieren. Dadurch müssen Patienten seltener ins Spital.

Und in Scheibbs setzt man seit 2013 auf das Rapid Recovery Programm. Damit Patienten mit künstlichem Hüft- oder Kniegelenkersatz schneller als beim herkömmlichen Ablauf wieder mobil werden. Dazu gibt es für alle Patienten eine Schulung, zu der sie eine Begleitperson, einen Coach mitnehmen können, und wo sie alle beteiligten Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten usw. kennenlernen und alle wichtigen Informationen erfahren.