Spitalswelt erhält neue Strukturen. Schritt für Schritt erhalten die Landeskliniken neue Schwerpunkte. Grundversorgung bleibt in allen Standorten.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 12. Mai 2014 (00:05)
NOEN, Franz Baldauf
Foto: Baldauf

Die EU-Kandidatin der NEOS, Angelika Mlinar, bewies jüngst in der ORF-Pressestunde, wie stark das Vorurteil über eine ineffiziente NÖ Spitalslandschaft in Wien verankert ist.

Alle 27 Landeskliniken-Standorte bleiben erhalten

Ihr Seitenhieb galt den beiden Standorten Baden und Mödling, die trotz ihrer räumlichen Nähe neu errichtet worden sind. Wie oberflächlich und letztlich falsch diese Kritik ist, zeigt der Strukturwandel, dem sich derzeit die Kliniken unterziehen. Ohne große Ankündigungen wird sukzessive umgebaut. Ein äußerst schwieriger Prozess.

Die Grundlinien sind klar. Alle 27 Standorte der Landeskliniken bleiben erhalten. Mit St. Pölten und Wiener Neustadt gibt es zwei Zentral-Kliniken, mit Amstetten, Baden/Mödling, Horn, Krems und Mistelbach fünf Schwerpunkt-Landeskliniken.

Der Rest sind regionale Standort-Krankenhäuser. Wobei alle Standorte eine Grundversorgung und dazu noch medizinische Schwerpunkte anbieten. Insgesamt wird in Niederösterreich die Spitalslandschaft in fünf Gesundheitsregionen eingeteilt, die für sich fast alle Gesundheitsbereiche vorweisen.

„Alles ist offen, fair und transparent kommuniziert worden.“
Landesrat Karl Wilfing über Umbau der Spitalsstrukturen

Die Zielrichtung ist klar: Es muss in diesen Regionen und im Land vernetzter und effizienter gearbeitet werden. Am weitesten fortgeschritten ist diese Umstrukturierung im südlichen Niederösterreich, der Thermenregion (siehe Infobox unten). Da sind die beiden umstrittenen Standorte Baden und Mödling zu einem Landesklinikum verschmolzen worden, Doppelgleisigkeiten wurden entflechtet.

So finden sich die Geburtshilfe und die Frauenheilkunde konzentriert in Mödling. Wiener Neustadt gibt die Orthopädie an Neunkirchen ab und ist nur noch für orthopädische Akutfälle zuständig. Dazu werden neue tagesklinische Einrichtungen geschaffen, die jene Kliniken betreuen, in denen die Spezialisten vorhanden sind. Auch wenn die Tagesklinik an einem anderen Standort eingerichtet wird.

Diese Prozesse, die nach der Landtagswahl noch forciert worden sind, bedürfen vieler Diskussionen. In den übrigen Gesundheitsregionen laufen natürlich ebenfalls bereits Gespräche. Spitals-Landesrat Karl Wilfing über die Erfahrungen in der Thermenregion: Man müsse mit allen entscheidenden Personen in den Regionen offen reden. „Alles ist fair, offen und transparent kommuniziert worden“, so Wilfing.

Zentraler Einkauf sparte bisher 180 Millionen

Abgesehen von der medizinischen Komponente, dass mit Schwerpunktsetzungen die Qualität steigt, muss dieses Programm natürlich auch helfen, die Kosten zu senken. Ein ständiger Prozess, der eigentlich schon mit der Übernahme aller Spitäler in die Hand des Landes begonnen hatte. Seither werden etwa 95 Prozent des Produkteinkaufsvolumens zentral gesteuert und verwaltet.

Allein im Jahr 2013 gab es durch die Standardisierung von Herzschrittmachern und Defibrillatoren Einsparungen von 9,3 Millionen Euro. Insgesamt rechnet man damit, dass durch den zentralen Einkauf bisher rund 180 Millionen Euro eingespart worden sind.

Der nächste Schritt wurde nun in Wiener Neustadt präsentiert: Ein Logistikzentrum, von wo aus die Kliniken im südlichen NÖ mit Medikamenten, medizinischen Produkten etc. beliefert werden. Das erspart Lagerflächen in den Spitälern, wo nur noch ausreichend Medikamente für Notfälle aufbewahrt werden. Ein weiteres Logistikzentrum kommt nach St. Pölten, ein drittes soll Wald- und Weinviertel versorgen.

Maßnahmen gegen einen Ärztemangel

Ein Sorgenkind in der Umstrukturierung der Spitalslandschaft ist die Gefahr des Ärztemangels. Frühzeitig Ärztenachwuchs für die NÖ Landeskliniken zu gewinnen, ist „eine der größten Herausforderungen“, so Landesrat Karl Wilfing.

Deswegen wurde 2012 die Initiative „Niederösterreich studiert Medizin“ ins Leben gerufen. Schüler in Maturaklassen werden über das Medizinstudium und den Arztberuf informiert, ein zehntägiger Vorbereitungskurs zum Aufnahmetest für das Medizinstudium inklusive Testsimulation wird in Kooperation mit der Firma Mera Bildungsholding angeboten, wobei das Land einen Teil der Kurskosten fördert.

Ab dem Studienjahr 2014/15 ist für die Studierenden der Medizinischen Universitäten erstmalig ein „klinisch praktisches Jahr“ im Ausmaß von 48 Wochen vorgesehen. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Krems wird die Tätigkeit der Turnusärzte evaluiert und attraktiver gemacht. In Krems wurde dazu die Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften errichtet, wobei es für Studenten aus NÖ spezielle Stipendien gibt.

Und am Donnerstag wird im NÖ Landtag darüber diskutiert, ob es nicht für alle Medizin-Studenten, die sich für den Einsatz in NÖ verpflichten, eigene Stipendien geben soll.


Gesundheitsprojekt Thermenregion

Im südlichen NÖ ist man mit der Neustrukturierung der Spitalslandschaft am weitesten vorangeschritten. Hier einige Schwerpunkte:

  • Zentrales Landesklinikum Wiener Neustadt: Gründung einer 3. Abteilung für Innere Medizin mit Schwerpunkt Onkologie. Umwandlung der Abteilung für Strahlentherapie in ein Institut. Neu gibt es Tageskliniken für Psychiatrie und Kinderpsychiatrie in Verbindung mit dem Klinikum Neunkirchen und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Hinterbrühl. Die Ambulanz soll noch heuer starten, die Tagesklinik 2015. Übernahme der unfallchirurgischen Leistungen von Neunkirchen, Erweiterung der neurologischen Versorgung.

  • Landesklinikum Neunkirchen: Derzeit läuft der Neubau, Fertigstellung 2016. Aufbau des Schwerpunkts Orthopädie. Dazu wird die orthopädische Abteilung in Wiener Neustadt 2016 geschlossen. Dort bleibt nur die Akut-Orthopädie.

  • Landesklinikum Hochegg: Pflegeheim wird in Neurologie-Station umgewandelt. Neue Isoliereinheit in der Pulmologie. Errichtung einer stationären Palliativeinheit. Start ist 2015.

  • Landesklinikum Baden/Mödling: Bei beiden laufen die Maßnahmen zur Inbetriebnahme. Akut-Orthopädie in Baden, Schwerpunkt Orthopädie in Mödling. Mutter-Kind-Zentrum (Frauenheilkunde, Geburtshilfe) in Mödling konzentriert. Augen-Tagesklinik in Mödling.