Gelsen: Der Mythos vom süßen Blut. In den vergangenen Wochen waren wieder Massen unterwegs. Bei Gelsenplagen sollte man lange Ärmeln tragen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 26. Juni 2019 (10:21)
namtipStudio/Shutterstock.com
Vor allem nach Überschwemmungen können Gelsen zur Plage werden. Foto: namtipStudio/Shutterstock.com

Ein Paar. Irgendwo in Niederösterreich.

Frau: „Schatz, ich bin total zerstochen!“

Mann: „Komisch, ich habe gar nichts. Das liegt sicher an deinem süßen Blut!“

Daran aber, erläutert Gelsenexperte Bernhard Seidel, liegt es nicht. „Vermutlich wurden beide gleich häufig gebissen.“ Manche Menschen aber reagieren stärker darauf. In diesem Fall die Frau mit jeder Menge roter, angeschwollener Punkte, verteilt über beide Beine. Und der Eindruck kann entstehen, dass die Gelsen manche Menschen stärker angreifen als andere. Diese Dübel, so verrät er, seien aber – im Gegensatz etwa zu einem Bienenstich bei Insektengiftallergikern – nicht problematisch. Problematischer sei, dass Gelsen auch ernst zu nehmende Krankheiten übertragen können. Das passiere sehr selten, aber kann vorkommen. Die Symptome können einer Sommergrippe ähneln. Besonders gefährdet sind hier vor allem Kinder, Schwangere, Senioren und Menschen mit Grunderkrankung. Gesunde Menschen können aber auch erkranken, ohne es zu bemerken.

Wer das Risiko dafür reduzieren möchte, der kann dafür sorgen, weniger häufig gestochen zu werden. Wie das geht?

  • Im Urlaub machen oft Moskitonetze Sinn, die beispielsweise über dem Bett hängen usw. Zuhause kann man sich ein Insektenschutzgitter im Fenster installieren. Ein solches hat den Vorteil, dass auch andere ungewollte Insekten nicht reinkommen.
  • Wer abends draußen unterwegs ist – in den vergangenen Wochen war beispielsweise rund um Tulln sehr viel los – oder auf der Terrasse sitzt, sollte lange Ärmeln und lange Hosen tragen, am besten auch Socken und festes Schuhwerk anstelle von Flip-Flops. Dabei muss der Stoff ja nicht schwer und eng anliegend sein, sondern kann auch leicht und luftig sein – nur eben nicht so grob, dass Insekten durchkommen.
  • Wer abends ein Konzert oder Festival besucht, kann sich auch überlegen, leichte Handschuhe zu tragen – für die Hände, die dann meist was zum Trinken halten und damit ungeschützt sind.

Zu Mitteln, die vor Insekten schützen sollen, meint Seidel, dass manche davon kaum wirken, andere zwar schon, aber bei diesen sei die Frage, ob man wirklich will, sie auf die eigene Haut aufzutragen.

Gelsen gibt und gab es schon immer. Massenplagen wie in den vergangenen Wochen jedoch, so der Ökologe aus Persenbeug, allerdings müssen in diesem Ausmaß nicht sein und sind ein Indikator dafür, dass etwas nicht passt. Bei der Veränderungen von Flüssen, Bächen und Landschaften wurden, so Seidel, in den vergangenen Jahrzehnten die Gelsen kaum berücksichtigt. Die Folge ist, dass sich Lebensräume verändern und neue, andere Gelsen-Arten an manchen Orten stark ausbreiten können.

Wissen über Gelsen kann helfen

Bei der Menge an Gelsen kann ein einzelner Mensch kaum etwas ausrichten. Da braucht es das Mitdenken an Gelsen bei zukünftigen Plänen, die Erforschung der Gelsen, Studien usw. und mehr Wissen über Gelsen. Denn: Wer weiß, wie Gelsen funktionieren, kann besser damit umgehen. Hitze übrigens macht auch Gelsen zu schaffen. Gelsen, wie die, die massenhaft durch Überschwemmungen unterwegs waren, sind ohnehin kurzlebig, die Hitze setzt den großen Mengen besonders zu. Darüber hinaus beginnt mit dem Start der Schulferien auch häufig eine Zeit, in der Gelsen seltener quälen. Wobei, erinnert sich Seidel, es 2007 auch schon drei Hochwasser im Sommer an der Donau gab, die in Folge von April bis August gleich für drei Plagewellen sorgten.

Gelsen im Garten

„Im Naturgarten finden Gelsen zahlreiche natürliche Gegenspieler vor“, verrät Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“.

  • Gelsenlarven sind wichtiges Futter für Teichlebewesen, in naturnahen Teichen reduzieren Letztere die Gelsenbrut sehr effektiv.
  • In Schlafräumen sollte man Lichtquellen vermeiden.
  • Regentonnen (und andere Wasserbehälter) sollte man mit Insektenschutzgittern oder einem Deckel abdecken.
  • Für Beleuchtung von Sitzplätzen gelbe Lampen verwenden.
  • Schalen mit Essig, Zitronen- und Lavendelöl aufstellen.
  • Gelsen meiden den Geruch von Tomatenstauden – diese vor Fenster oder auf Terrasse bzw. Balkon stellen.
  • Viele Gelsenmittel im Handel enthalten bedenkliche Wirkstoffe. Auch Gelsen-stecker geben Insektizide an die Luft ab und sind daher auch nicht empfehlenswert.