Auf der Warteliste. 988 Menschen stehen in Österreich zurzeit auf der Transplantationsliste und warten auf neue Organe.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 03. November 2014 (12:19)
Gernot Hohenwarter steht auf der Warteliste für Herz und Lunge. "Ich bin überzeugt davon, dass ich der Typ von Mensch bin, der das schaffen wird."
NOEN, Christine Haiderer

Er darf nicht fliegen, nicht sporteln und eigentlich auch nicht über tausend Meter Seehöhe kommen. Dennoch: „Du darfst nie den Humor verlieren“, ist Gernot Hohenwarter überzeugt.

Nach der Geburt war sein Gesicht blauer als das von anderen Babys. Die Ärzte entdeckten, dass er nur eine Herzklappe hat, die für zwei arbeitet. Auch bei einer Notoperation ein paar Jahre später standen die Chancen nicht gut. Das größte Problem: die geringe Sauerstoffsättigung.

Bei gesunden Menschen, so erzählt Hohenwarter, hat diese einen Wert von 98. Bei ihm liegt dieser durchschnittlich bei 81 oder 82, an guten Tagen bei 87 bis 88. „Es kommt aufs Wohlbefinden an.“ Geht es ihm gut, liegen sie höher. Steht er unter Stress – wie etwa in der Zeit, in der er mehrere Jobs gleichzeitig hatte – sind sie schlechter.

„Ich hab’ zu mir gesagt: War’s das jetzt?“

In der Schulzeit hatte er schon fast verdrängt, dass seine Gesundheit gefährdeter war als die von anderen. Vergangenes Jahr aber bemerkte er, dass sich sein Körper immer schwieriger von alltäglichen Dingen erholt. Und eines Tages im Frühling ist am Schreibtisch zusammengebrochen. „Ich hab’ zu mir gesagt: War’s das jetzt?“

Wasser in der Lunge. Ein aufgeblähtes Gesicht. Null Leistungsfähigkeit. Durch Medikamente ging es kurze Zeit besser, dann aber wieder schlechter , erinnert sich Hohenwarter. Doch: „Ich war öfter im Krankenhaus, als ich gearbeitet habe.“ Ende des Jahres beschlossen die Ärzte, einen Defibrillator einzusetzen.

Das Multifunktionsgerät kontrolliert ständig die Herzpumpenfrequenz und zeichnet es auf, wenn es Abweichungen gibt. Es fühlt sich an wie eine kleine Hörspielkassette unter der Haut, verrät er. Und sie beschlossen, ihn auf die Transplantationsliste für Herz und Lunge zu geben.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Bei einem Rehabilitationsaufenthalt begegnete er anderen Herzpatienten, die mit Mundschutz und Sauerstoffwagen unterwegs waren und er entschied: Das muss anders gehen.

„Wenn du dich auf deinen eigenen Körper fokussierst, geht das“, davon ist er überzeugt. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Auch wenn nicht jeden Tag Sonnenschein ist.

Und es hat funktioniert. Bei einer Kontrolle im März meinte sein Arzt erstaunt? „Was haben Sie getan? Die Werte haben sich ums Doppelte verbessert.“

Überlebenschance liegt bei 50:50

Dazu beigetragen hat sicher auch die Unterstützung durch Familie, Freunde, Ärzte und viele anderen, wie etwa den Bürgermeister von Purkersdorf oder auch das Büro des Landeshauptmanns.

Auf den Körper achten muss er weiterhin. Unter anderem im Rahmen einer Therapie zum Muskelaufbau, bei Gymnastik und Massage. „Ich muss meinen Körper darauf vorbereiten, dass irgendwann der Tag X kommt.“ Der Tag, an dem er eine neue Lunge und ein neues Herz braucht.

Dann braucht es einen Spender, der wie er gelebt hat, der genauso viel Gewicht hat, wie er. Damit eine Operation möglich ist. „Die Wahrscheinlichkeit dabei zu überleben, liegt bei 50:50.“ Lunge und Herz müssen anspringen. Aber: „Ich bin überzeugt davon, dass ich der Typ von Mensch bin, der das schaffen wird.“