Gesünder leben lernen in der Gruppe. Um auf Dauer gesünder zu leben, ist es hilfreich, gemeinsam mit anderen die Sache anzugehen, gemeinsam mit anderen den Kochlöffel zu schwingen und gemeinsam mit anderen zu schwitzen, wie im Tut-gut-Programm „Vorsorge aktiv“.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 26. Juni 2019 (01:33)
Haiderer
Sandra Pfeffer: „Es gibt theoretische Inputs, Einkaufstrainings und Kocheinheiten.“

Auf dem Tisch liegen eine Dose rote Bohnen, etwas Öl, eine rote Zwiebel, Tomatenmark und ein Paradeiser. Dahinter steht Sandra Pfeffer. Sie ist Diätologin und verrät, wie man aus diesen Zutaten einen Bohnenaufstrich zaubern kann. Zwiebeln und Paradeiser in kleine Würfel schneiden, alle Zutaten vermengen und mit Petersilie, Minze, Zitronensaft, Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer abschmecken.

Im Rahmen des Programms „Vorsorge aktiv“ wird gemeinsam gekocht. Teilnehmer lernen jede Menge Rezepte kennen, erfahren mehr darüber, was ausgewogene Ernährung ausmacht, und erhalten viel Hintergrundwissen. Wie zum Beispiel: „Bis man satt ist, dauert es 20 Minuten“, so Pfeffer. Oder: „Regelmäßige Mahlzeiten sind die halbe Miete.“ Es gibt Genussübungen und Verkostungen und auch Einkaufstrainings im Supermarkt.

Für mehr Lebensqualität

Das Programm von Tut gut richtet sich seit 2008 an Menschen mit Übergewicht und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel ist es, den Lebensstil nachhaltig zu ändern. Denn: Der Mensch wird älter. Doch: „Die Frage ist, wie wir alt werden“, so Landesrat Martin Eichtinger.

Neun Monate lang dreht sich alles ums Essen, Bewegen und um mentale Gesundheit. Und das gemeinsam mit anderen Teilnehmern aus der Umgebung. Wer mitmachen möchte, braucht einen Check beim Arzt. Übrigens: Zur 10-Jahr-Feier vergangenes Jahr zählte es bereits mehr als 7.000 Teilnehmer in über 200 Gemeinden in Niederösterreich.

Motivation zum Dranbleiben

Der Kurs kostet 99 Euro. Dazu kommt die Kaution von 100 Euro. Die aber kriegt man zurück, wenn man mindestens 60 Prozent der Zeit dabei war. Ein guter Grund dabei zu bleiben, also.

Aber auch das Gemeinsame spielt beim Dranbleiben eine wichtige Rolle. Das gemeinsame Kochen, das gemeinsame Bewegen. Gemeinsam wird es leichter. Und: Man motiviert sich gegenseitig, bei den Einheiten auch wirklich immer aufzutauchen.

Besonders wichtig: „Ziele sollen nie von anderen vorgegeben werden, sondern eigene sein“, betont Klinische und Gesundheitspsychologin Irene Burian.

Eigene Einheiten beschäftigen sich mit mentaler Gesundheit. Diese kann dabei helfen, dranzubleiben, dabei helfen, dass man sich mit dem eigenen, inneren Schweinehund auseinandersetzt und mit sich selbst.

Bewegung und Motivation

Jeder Alltag ist individuell. Für manche ist ihre Arbeit eine Belastung, andere machen sich selbst Druck … Es geht auch darum, Strategien zu entwickeln, etwa wie man mit Stress umgehen kann. Manche brauchen dazu Sport, anderen gelingt dies gut, wenn sie beispielsweise im Auto zur Musik laut mitgrölen.

Und dann gibt es da natürlich auch noch den Sport. Ebenfalls wichtig für den neuen Lebensstil. „Alle sinnvollen Wege, Gewicht zu verlieren, beruhen auf dem gleichen Prinzip: abwechslungsreiche und leichtere Kost als bisher – zusammen mit ausreichend Bewegung und Motivation“, informiert die „Vorsorge aktiv“-Mappe.

Beginnen kann man mit einer kleinen Einheit von 15 Minuten. Generell aber werden pro Woche 150 Minuten Bewegung empfohlen – wenn man sich gerade noch unterhalten kann – oder 75 Minuten, wenn der Sport schon so anstrengend ist, dass man das nicht mehr kann. Wichtig ist auch Krafttraining für jene Muskeln, die dazu neigen, abzuschwächen, und Dehnübungen für jene Muskeln, die dazu neigen, sich zu verkürzen.

Was die Sportart betrifft, sollte es übrigens eine sein, die Spaß macht. Manche „Vorsorge aktiv“-Gruppen gehen walken, andere schwimmen oder in den Turnsaal der Schule. Eine Gruppe war auch schon einmal klettern.

Bewegung lässt sich übrigens auch gut in den Büroalltag einbauen. Zum Beispiel kann man Bewegungspausen machen, zum Drucker gehen oder auch zu einem Kollegen – anstatt ihm eine Mail zu schicken. Man kann die Sitzmöglichkeit wechseln. Vom Bürosessel auf den Sitzball bis hin zum Hocker.