Häuser digital planen: Virtuell und doch natürlich

Erstellt am 10. Juni 2022 | 04:07
Lesezeit: 4 Min
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Holz und Grün: Gartenansicht eines Entwurfs von Karl Grubers Architekturbüro 4juu Architekten. Dabei greifen Außen- und Innenräume mit komponierten Sichtbeziehungen ineinander. 
Foto: 4juu Architekten
Bei Architekt Karl Gruber dürfen Auftraggeber schon in der Planungsphase durch ihre Häuser schreiten. Dabei helfen 3D-Modelle, die an Programme aus der Spielindustrie angelehnt sind.
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Schon als kleiner Bub Anfang der 1970er-Jahre im Waldviertel wusste Karl Gruber, dass er einmal bauen möchte. Geprägt haben ihn dabei die Wälder seiner Heimat, aufgewachsen auf einem Bauernhof bezeichnet er seine Kindheit als romantisch.

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Experimentiert gern, plant mit virtuellen Realitäten und wünscht sich, „dass das Bauen einfach(er) wird“: Architekt Karl Gruber. Sein Architekturbüro hat der im Waldviertel Aufgewachsene in Horn, seinen Wohnsitz in einem Bauernhof.
Foto: Dieter Schewig

Noch heute lebt er mit seiner Frau und den drei Kindern auf einem Bauernhof. Trotz eigenem Architekturbüro im nahen Horn mit einem breiten Auftragsspektrum haben für Gruber die Themen Freizeit und Regeneration eine große Bedeutung. Beides findet er in seinem Zuhause.

Vielleicht ist es diese Lebensqualität gepaart mit den selbstgebauten Waldhütten seiner Bubentage, die ihn bei seinen Planungen auch die Umgebung miteinbeziehen lassen: „Bevor ich einen Auftrag annehme, möchte ich das Grundstück erst einmal sehen. Auch wenn es weiter weg ist. Wie ist die Situation vor Ort. Was gilt es zu beachten. Das ist das Grundelement unserer Entwürfe.“ Karl Gruber nennt es auch „das Grundstück spüren“.

Gelernt hat er diesen Zugang, als er nach seinem Studium in Australien arbeitete und merkte, dass er mit seinem österreichischen Wissen dort nicht weiterkam. „Ich nehme mir Zeit, um die Qualitäten des Ortes zu lesen. Dabei entdecke ich vielleicht einen alten Baum oder eine alte Steinmauer, die in meine Planungen aufgenommen werden. Bereits draußen zeichne ich eine erste Skizze auf durchsichtigem Papier“, verrät der Horner Architekt. Für das Erstgespräch mit seinen zukünftigen Auftraggebern nimmt er sich gut drei Stunden Zeit, um die Familie, die späteren Bewohner und ihre Wünsche kennenzulernen.

Hinschauen, hinhören und hineinspüren also – doch Gruber ist keiner, der in der Natur verharrt oder gar verloren geht. Gespickt mit all diesen Informationen erstellt er ein 3D-Modell des Gebäudes.

Ein begehbares Haus als 3D-Modell

„Wir arbeiten seit rund vier Jahren mit dieser hervorragenden Technik. Das Programm dafür stammt aus der Spielindustrie. Von außen kann man sich ein Haus dank der Planung oft gut vorstellen, aber nicht von innen“, so Gruber.

Mittels 3D-Brille wird das Haus, das ja eigentlich nur in den Köpfen und am Papier existiert, betreten und Oberflächen werden erlebbar gemacht. Auch beim Fenster kann man hinausschauen, im Garten das Grün und die Bäume sehen.

Die Angebote werden bei Architekt Karl Gruber paketweise geschnürt. Darin enthalten sind neben den umfangreichen Gesprächen der klassische Plan, aber auch Bilder und ein Film des Ganzen. Eindrücke davon vermittelt das Team von 4JUU auch auf einem eigenen Youtube-Kanal.

Der Name des Architekturbüros von Karl Gruber ist Programm, denn geplant wird zugeschnitten auf die jeweilige Zielgruppe. Die Bandbreite ist groß und umfasst nicht nur Einfamilienhäuser, sondern unter anderem auch den sozialen Wohnbau, Hotels oder ein Pfadfinderheim. Bei Letzterem durfte Karl Gruber selbst wieder ein bisschen zum Kind werden.

„Gemeinsam mit den Buben und Mädchen haben wir eine Eiche umgeschnitten, geschält und aufgestellt. Wir haben den Eichenstämmen wie bei Jeans einen used look verpasst“, erzählt Gruber. Sein derzeit am weitesten entferntes Projekt liegt in Brac in Kroatien. Bei diesem Ferienhaus am Meer greift er auch die Tradition der Steinarchitektur auf.

Es sind diese Feinheiten, die die geplanten Gebäude des Waldviertlers nicht wie einen Fremdkörper in der Landschaft erscheinen lassen. Natur und Haus gehen eine Partnerschaft ein, verbinden sich zu einem harmonischen Ganzen.

Damit es im Endeffekt so aussieht, wie es gedacht und geplant war, arbeitet der Architekt schon seit vielen Jahren mit bewährten Handwerkern zusammen.

Bauen und arbeiten mit Freunden

„Wir bauen mit Freunden. Sie kennen mich schon, und wir gehen freundlich miteinander um. Bei Bedarf passen wir Details an. Ich bin offen für die Meinung und die Erfahrung anderer am Bau Beteiligten. Beim Bauen muss ich nicht auf meiner Konstruktion beharren, wenn etwas nicht umsetzbar ist.“

Für die Zukunft wünscht er sich, dass Bauen trotz zunehmender Technik einfach wird. „Diese Einfachheit sieht man bei historischen Bauten“, lenkt Gruber den Blick auf Altbewährtes.

Er selbst experimentiert auch gerne, wie zum Beispiel mit dem Einsatz von Betonkernaktivierung in Verbindung mit Solar, wie er sie schon bei mehreren Projekten eingesetzt hat. Eine Möglichkeit, der Abhängigkeit von Gas zu begegnen.

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