"Waldbaden" im eigenen Garten. Bäume bieten Schatten und kühlen im Sommer. Ihre Vorzüge genießen kann man nicht nur im Wald, sondern auch im Garten.

Von NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 08. Oktober 2019 (16:48)
Vova Shevchuk/Shutterstock.com
Bevor man einen Baum pflanzt, sollte man genau überlegen, wo er stehen soll, ob in Zukunft Äste zum Nachbarn hängen könnten, ob die Baumanordnung an den Waldrand erinnert usw

Durch den Wald spazieren, die Atmosphäre genießen, die Waldluft einatmen, beobachten und entspannen … Waldbaden liegt immer mehr im Trend. Die Natur und vor allem Bäume erleben kann man auch im eigenen Garten.

Manche Gärten locken mit bunten Blumenbeeten, dazwischen ein gepflegter Rasen und klare Abgrenzungen, manche Gärten laden zum Spielen und Naschen ein und in manchen Gärten hat man das Gefühl, sich am Waldrand zu befinden. Wer das möchte, kann zum Beispiel Bäume im hinteren Bereich des Gartens setzen.

Davor kommen verschiedene mittelhohe Sträucher und Stauden, wie etwa Lupinen, Fleischbeeren usw. Und: Unter Esche, Rotbuche, Feldahorn, Traubenkirsche, Roter Hartriegel & Co. können auch Bodendecker, Zwiebel- und Knollenpflanzen ihren Platz finden. „Lassen Sie diese Pflanzen ruhig verwildern und sich untereinander vermischen, das verstärkt den Waldeindruck“, rät wohnnet.at. Wer einen nährstoffreichen, sehr feuchten Boden hat, könne Baumarten wie Eberesche auswählen.

Um eine Balance zwischen den dunklen, schattigen Bereichen des Gartens und den sonnigen Plätzen zu schaffen, kann man durch helle Farben die sonnigen Plätze noch sonniger machen. Helle Farben wie etwa Sandstein eignen sich etwa bei den Platten für die Wege oder die Terrasse, helles Holz wiederum für die Laube, den Pavillon oder die Sitzmöbel. Hier kann auch eine Terrasse oder ein Naturbadeteich errichtet werden.

Plätze zum Sitzen und Genießen kann man aber natürlich auch im Schatten schaffen.

Gerade im Sommer, wenn es sehr heiß ist, kann man hier von den Bäumen besonders profitieren. „Bäume spenden Schatten, befeuchten und kühlen bei Hitze die Umgebung“, verrät die Broschüre „Bäume für den Hausgarten“ von der Initiative „Natur im Garten“. „Im Schatten eines grünen Riesen kann die gefühlte Temperatur sogar 10 Grad niedriger als die Umgebungstemperatur liegen.“ Bäume können aber noch viel mehr. Sie filtern auch jede Menge Staub und Schadstoffe, befestigen Hänge, durch die Photosynthese produzieren sie Sauerstoff sowie Holz, Blätter und Früchte. Darüber hinaus sind sie Lebensraum für unzählige Lebewesen, bilden Nischen und Strukturen und geben Beständigkeit. Damit sind sie auch für die Biodiversität von großer Bedeutung.

Gut überlegen, wo er hinsoll

Worauf man bei der Baumauswahl achten sollte?
Standort. „Lassen Sie sich Zeit mit der Baumauswahl. Anders als beim Staudenbeet, das über die Jahre hinweg immer wieder verändert werden kann, ist die getroffene Baumwahl eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte“, weiß Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“. Bei der Wahl des richtigen Standortes sollte man bedenken, ob künftig Äste zum Nachbarn oder auf eine öffentliche Flächen hängen könnten.

Höhe. Bei der Planung eines Hausbaumes sollte man von Anfang an die endgültige Wuchshöhe, Wuchsform und Kronenbreite berücksichtigen. Natur im Garten empfiehlt in einem Hausgarten nur Baumarten zu verwenden, die zu der Gruppe der Kleinbäume gezählt werden und nur zwei bis zehn Meter hoch werden. Zwölf bis 15 Meter hohe Bäume sollten nur in sehr großen Gärten stehen. Falls der Garten schon fast zu klein für einen Baum ist, können vielleicht Kletterpflanzen ein wenig helfen.

Früchte. Was man auch bedenken sollte, ist, dass es dauert, bis ein Baum wächst. Und: Auch bis er Früchte trägt. „Obstbäume, vor allem Halb- oder Hochstämme der inzwischen wieder begehrten alten Obstsorten, brauchen mitunter fast ein Jahrzehnt, bis sie Früchte tragen und gute Ernten liefern.“

Alter. Man sollte auch bedenken, wie alt Bäume werden können. Birken, Pappeln und Weiden haben laut Natur im Garten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 100 Jahren, Buchen und manche Obstraritäten wie der Speierling oder die Elsbeere können mehrere Jahrhunderte alt werden. Am ältesten von den heimischen Laubbäumen können Eiche und Linde werden.

Sorten. „Wählen Sie für Ihren Garten bevorzugt heimische Baumarten, bzw. Zuchtformen heimischer Arten oder Zierbäume, die einen hohen ökologischen Wert haben. Denn diese bieten der heimischen Tierwelt Lebensraum und Nahrung“, so Batakovic.
Ist der passende Standort gefunden, kann man mit dem Ausheben des Pflanzloches beginnen. Das übrigens sollte mindestens doppelt so breit und tief wie der Wurzelballen sein. Den Untergrund spatentief lockern. Die Muttererde mit einem Drittel reifem Kompost, bei schweren Böden zusätzlich mit Quarzsand, mischen. Dann werden die Wurzeln an- und dabei auch verletzte Wurzelteile abgeschnitten. Ein unverzinktes Wühlmausgitter hält ungebetene Gäste fern, rät „Natur im Garten“. Um den Baum zu stabilisieren, werden vorab drei Holzpflöcke fest in den gewachsenen Untergrund getrieben.

Der Baum sollte so tief gepflanzt werden, wie er zuvor in der Baumschule stand. Die Erde wird unter leichtem Rütteln in das Pflanzloch gefüllt. Dabei beachten, dass sich das Substrat später noch ein wenig setzen wird. Anschließend wird die Erde mit den Füßen leicht angedrückt, ein Gießrand geformt und durchdringend gegossen. Zuletzt wird der Baum mittels 8er-Schleife mit Kokosstricken oder Hanfstricken über die Pflöcke stabilisiert und mit einer Schilfmatte oder einem Baumanstrich als Stammschutz versehen.

Einpflanzen im Herbst oder im Frühling

Die beste Pflanzzeit für Jungbäume ist der Herbst. „Gepflanzt wird an frostfreien Tagen, solange der Boden nicht gefroren ist.“ Landet der Baum schon im Herbst in der Erde, setzt die Wurzelbildung noch vor dem Winter ein und die Pflanzen zeigen dadurch im Frühjahr einen Wachstumsvorsprung.

Bäume können aber auch erst im Frühling gepflanzt werden – zumindest, solang die Bäume noch nicht ausgetrieben haben. Containerpflanzen können – wenn sie passend gepflegt, regelmäßig gegossen und gemulcht werden, immer gepflanzt werden.