Niederösterreich

Erstellt am 05. Dezember 2018, 03:10

von Michaela Fleck

Frisch, grün, heimisch. „Mit Herz“ und mit Schleife kümmern sich Niederösterreichs 215 Christbaumbauern seit bald einem Vierteljahrhundert um den Baum fürs Fest. Den gibt’s jetzt ab Hof. Oder bei einem von Nieder- österreichs Christbaummärkten.

Vorne blau-gelb und hinten rot-weiß-rot ist die Schleife der ARGE niederösterreichischer Christbaumbauern.Die haben nicht nur einenumtriebigen Obmann,sondern auch eine lächelnde Königin, nämlich Jennifer Fröhlich aus der Christbaumwelt in Maria Taferl. Die findet sich, wie alle heimischenProduzenten mit Schleife, auch auf der Homepage vonwww.weihnachtsbaum.at – mit Kulturadressen,Verkaufsstandorten undFamiliengeschichte(n).  |  s: Franz Gleiß

Er hat große und kleine. Dicke und dünne. Dunkle und helle. Grüne und blaue. Vor allem aber hat er gesunde. Mit „starken Wurzeln“. Und frischen Trieben.

„Ich hab’“, sagt Franz Raith, „ein sehr gutes Gefühl!“ Auch wenn die Saison gerade erst angefangen hat. „Die Leute freuen sich heuer mehr als letztes Jahr. Und die Bäume, die sind heuer top!“ Die Bäume sind Franz Raiths Geschäft. Genauer: die Christbäume. Seit 42 Jahren pflanzt der Waldviertler Tannen und Fichten. Hat heute acht Hektar und neun Mitarbeiter. Und einen Verein hinter sich.

1995 hat er den gegründet. Mit 240 Mitgliedern. Und einem Ziel: Qualität. Für die steht auch die Schleife, die die Bäume der aktuell rund 215 ARGE-Bauern um den Hals haben. „Da bin ich auch sehr streng“, sagt der Vereinsobmann. Wobei: „Die Menschen spüren das, ob man etwas mit Herz macht oder mit Kalkül.“ Bei ihm ist es eindeutig das Herz. Der Rodingersdorfer hat schon Schweine und Rinder gefüttert. Und Landmaschinen verkauft. Aber: „Das“, sagt Franz Raith, „ist das schönste Gewerbe!“

Rund 10.000 Bäume zieht er im Jahr groß, vom Samen, der aus Russland, der Türkei oder dem Kaukasus kommt, über das Aussäen, umschulen und ernten in der Baumschule (nach etwa vier Jahren) bis zum Schneiden in der Baumkultur (nach durchschnittlich zehn Jahren). „Bei uns haben sie ja ihre Jugend“, meint der Christbaumbauer über seine Nordmanntannen, die ja bis zu 100 Jahre alt werden können. Die sind mit 90 Prozent aller verkauften Bäume noch immer die beliebtesten. Und die sind auch die ertragreichsten („wenn ich 100 Blaufichten setze, kann ich nur 10 bis 20 verkaufen. Bei 100 Nordmanntannen kann ich 60 bis 80 verkaufen“).

Eine seiner Nordmanntannen hat er gerade verschickt. Mit dem Flugzeug. 3,50 Meter hoch („größer darf sie nicht sein“), 17 Jahre jung, schön gewachsen, dunkelgrün. Und viel bewundert. Denn die Tanne schmückt diese Woche noch Europas Parlament – und das, nachdem Niederösterreichs damalige EU-Abgeordnete 1998 einen Plastikbaum in Brüssel entdeckt hatte, schon zum 21. Mal. „Das“, sagt Franz Raith, „hat bei uns schon Tradition.“

Genauso wie das Schlägern nach den Mondphasen („heuer war das zwischen 12. und 15. November“), das In-Form-Bringen der Triebe („Kinder formt man ja auch“) oder die angemessenen Preise („ein 2,5-Meter-Baum hat vor 30 Jahren 600 Schilling gekostet, heute kostet er 50 bis 60 Euro“). Oder: das Herzblut. „Die Menschen spüren das, ob man das mit Herz oder mit Kalkül macht.“

Sprach’s und muss schon wieder hinaus, zwei Zwei-Meter-Bäume holen. Wie sein eigener Christbaum aussieht? „Wir kriegen eine schlanke Tanne, die nicht perfekt ist, mit schlechtem Wipfel, da hängt dann ein Engerl, und einem Loch, da steht das Kripperl. Der steht bei uns im Wintergarten …“

www.christbaumhof-raith.at

www.weihnachtsbaum.at