Energie trifft auf Architektur. Die Firma „ertex solartechnik GmbH“ mit Sitz in Amstetten hat sich darauf spezialisiert, energieeffizientes Bauen mit Ästhetik zu vereinen. Und so werden Photovoltaikanlagen in unterschiedlichste Gebäude, Dächer, Balkone oder auch Kunstinstallationen integriert.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 03. Juni 2018 (02:57)
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ertex solar

Über den Giraffen in Schönbrunn, auf Kreuzfahrtschiffen, auf Lärmschutzwänden oder einfach am Dach ... überall sind Photovoltaikanlagen zu finden. Das Unternehmen „ertex solartechnik GmbH“ hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, Solartechnik so harmonisch wie möglich in Gebäudearchitektur zu integrieren.

„Mittlerweile hat man Projekte in fast allen europäischen Ländern“, sagt Dieter Moor, Geschäftsführer und im Unternehmen für Marketing und Vertrieb zuständig. Der Schwerpunkt liege aber auf den Ländern Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien.

Dieter Moor ist Geschäftsführer der Firma „ertex solartechnik GmbH“ und seit 2005 für die Firma tätig.
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„ertex solartechnik GmbH“ ist eine Tochterfima der niederösterreichischen Ertl Gruppe, die in Österreich, Tschechien und Slowenien Glasproduktionsstandorte betreibt. So wird die Erfahrung, die die Gruppe im Glasbau besitzt, mit Photovoltaik verbunden. Und in Folge wird mit Bauherren und Architekten zusammengearbeitet, um Photovoltaikanlagen in Gebäude zu integrieren.

Geschehen zum Beispiel im neuen Giraffenhaus im Tiergarten Schönbrunn, wo seit letztem Jahr zwei Giraffen aus dem Zoo Rotterdam unter einem transparenten Sonnendach leben. Alles Gute kommt bekanntlich von oben. Die Sonnenstrahlen, die auf das Giraffengehege im Wiener Tiergarten Schönbrunn treffen, spenden nicht nur Wärme. Sie werden künftig direkt von der neuen PV-Dachanlage (Photovoltaik) in Strom umgewandelt.

Die Solarzellen am Glasdach des neuen Giraffenhauses im Tiergarten Schönbrunn, das mit Photovoltaikmodulen ausgestattet ist, sind so angeordnet, dass sie die Blätter einer Schirmakazie darstellen.
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Solarzellen simulieren Blätter der Akazie

Da die Tiere sich von der Schirmakazie ernähren, wurde der tragende Teil des Photovoltaikdaches dieser Pflanze nachempfunden. Auf etwa 240 Quadratmetern sind die Solarzellen so angeordnet, dass sie optisch die Blätter des Baumes darstellen. Und sie sind innerhalb der Module frei platziert, was eine Besonderheit darstellt.

Einerseits gibt es Kunden, denen wichtig ist, dass man sieht, dass PH-Module am Gebäude angebracht sind. Moor gibt das Beispiel eines Supermarkts in Deutschland. Dort sehe man schon im Eingangsbereich die typischen „Photovoltaikkasterl“. „Das hat dann natürlich auch einen Marketingeffekt“, so Moor. Es gäbe aber auch Architekten, die wollen, dass man nichts mehr von dem PH-Muster sehen kann, auch wenn man das Modul direkt vor der Nase hat. „Da scheiden sich momentan die Geister, aber das ist eben so. „Energy meets architecture“, sagt Moor.

Photovoltaik ebenso auf Kunstwerken verbaut

Neben den Gebäuden, in die von „ertex solar“ schon Photovoltaik integriert wurde, gibt es auch Kunstwerke, die man mit den Solarzellen ausgestattet hat. So etwa das sogenannte „The Brain“ (siehe Foto oben): Ein Gebilde, das aussieht wie ein Gehirn und für den Vorplatz der Firma AVL List in Graz angefertigt wurde.

Auch auf Kreuzfahrtschiffen oder Elektrobooten wurden schon Paneele verbaut. Diese fungieren dann nicht nur zum Energiesparen, sondern beschatten auch.

Fassade reflektiert ein Farbenspiel auf den See

Ein weiteres Projekt ist das Stiftungsgebäude am Lac Louché in Lens in der Schweiz. Die Kunstwerke, die sich im Inneren befinden, werden durch die Photovoltaikfassade geschützt. Die Fassade besteht aus Isolierglas-PV mit semitransparenten Zellen und Silverglas in der Front. So ist es möglich, dass sich die Landschaft spiegelt. Integrierte LEDs, die für das Farbenspiel verantwortlich sind, spiegeln sich in der Nacht wiederum im See.

Die Kunstwerke im Stiftungsgebäude am Lac Louché in Lens, Schweiz, werden durch die bunte Solar-Fassade geschützt.
Rainer Sohlbank

Was diese semitransparenten Zellen betrifft, wurde vonseiten der Firma „ertex solar“ viel geforscht. So konnte man im Rahmen der Weltleitmesse BAU in München eine Weltneuheit präsentieren: neue monokristalline Silizium-Laser-Zellen. Diese stellen eine kostengünstigere und architektonisch attraktivere Alternative für Gebäudeintegration semitransparenter Solarzellen dar.

Damit müssen nicht wie bisher Zellen extra angefertigt werden. Die konventionellen Solarzellen, die aus monokristallinem Silizium bestehen, können laut „ertex solar“ mehr als 20 Prozent des einfallenden Lichts in Strom umwandeln.

„Die Zellen werden von uns mit in Design, Größe und Form frei wählbaren Löchern versehen. Es klingt simpel, ist es eigentlich auch, und hat dazu noch zahlreiche Vorteile gegenüber den bisherigen Lösungen für semitransparente Photovoltaik“, erklärt Dieter Moor. Mit dieser Methodik würde es gelingen, dass semitransparente Zellen erschwinglich werden, sie effizienter und architektonisch interessanter sind.

Von Teresa Sturm/NÖN-Sonderjournal-Redaktion