Mit diesen Gieß-Tipps bis zu 50 Prozent Wasser sparen. Fehlende Niederschläge erhöhen nicht nur die Waldbrandgefahr und setzen der Landwirtschaft zu, auch private Gärten und öffentliche Grünräume leiden unter den trockenen Bedingungen.

Von Redaktion noen.at und Redaktion bvz.at. Erstellt am 20. April 2020 (12:27)
Bald kann es losgehen mit der Gartenarbeit. Dann wird geschnitten, gelockert, gesät – und natürlich gegossen.
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 „Laut Aufzeichnungen der ZAMG hatte Niederösterreich im März um 38 Prozent weniger Niederschläge als gewohnt. In Verbindung mit dem schneearmen Winter sind unsere Böden entsprechend ausgetrocknet. Nutzen sie daher die hilfreichen Gieß-Tipps von ‚Natur im Garten‘ und sparen sie die Hälfte an Wasser“, so Landesrat Martin Eichtinger.

Wasserverwendung statt Verschwendun

„Wasser ist für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen essentiell. ,Natur im Garten‘ hat die besten Tipps gesammelt, damit die Wasserverwendung im Garten nicht zur Wasserverschwendung wird. Denn Wasser ist das wertvollste aller Lebensmittel für Mensch und Natur“, so Katja Batakovic, Expertin bei Natur im Garten und weiter:

 „Kurzfristig helfen das richtige Gießen oder das Mulchen von Beeten. Mittel- und langfristig helfen das Pflanzen von standortangepassten Pflanzen und das Fördern von gesunden Böden den Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern, damit ihr Garten auch bei wenig Niederschlag gedeiht.“  

„Richtig gießen“ ist das Um und Auf im Garten

Die meisten Gärten werden zu viel und zu häufig gegossen. Die Gesamtwurzelmasse ist oft größer als die Masse der oberirdischen Pflanzenteile. „Gießen Sie Ihre Pflanzen möglichst in der Früh ausgiebig und gezielt im Wurzelbereich“, so Katja Batakovic, Fachliche Leiterin von „Natur im Garten". 

Die oberen Zentimeter Boden sollten regelmäßig abtrocknen, denn ein ständig feuchter Boden verleitet die Wurzeln nicht dazu in die Tiefe zu wachsen. Ständige  Feuchtigkeit macht die Pflanzen „faul“, als Folge bilden diese nur Flachwurzeln aus. Ein hoher Anteil an flachen Wurzeln bedeutet eine höhere Trockenheitsempfindlichkeit und Abhängigkeit von Bewässerungen. Wird der Boden durchdringend, aber selten bewässert, wachsen sie dagegen auch in tiefere Schichten.

Eine dünne Mulchschicht schützt die Bodenoberfläche vor Sonnenstrahlen und prasselnden Regentropfen. Wenn Blätter, Blüten und Früchte mitgegossen werden, verdunstet das Wasser rasch und zudem droht „Sonnenbrand“. Spätestens bis zum Abend sollten die Pflanzen wieder abtrocknen, um nicht Pilz- und Schneckenbefall zu fördern.

Einen Sonderfall stellt die Rasenpflege dar: zwar sind auch hier ausreichende Wassergaben wichtig, diese dafür aber in größeren Intervallen. 20 Liter pro Quadratmeter reicht auf Rasenflächen für zwei bis drei Wochen – vorausgesetzt sind gute und gesunde Böden. Englischer Rasen benötigt im Vergleich zu Kräuter- oder Schotterrasen ein Vielfaches an Wasser.

Sammelbecken für nachhaltiges Wassermanagement

Weil Trockenperioden und steigende Temperaturen den Bedarf an Bewässerung erhöhen, sollte Regenwasser aufgefangen und gespeichert werden.

Damit der Vorrat über mehrere Monate reicht, kann in - auch miteinander gekoppelten - Regenfässern und Zisternen das wertvolle Wasser leicht gesammelt werden, welches dem Garten in Trockenperioden zur Verfügung steht. Bei Regenrinnen ist auf Überlaufklappen und Laubfang zu achten, bei größeren Systemen zusätzlich auf den Zulauf über Grob- und Feinfilter. Eine luftdurchlässige Abdeckung mit einer Gardine beugt Laubeintrag vor, hält lästige Gelsen fern und lässt keine Tiere hineinfallen.

Praktische Details, wie ein bodennaher Hahn, erleichtern bei Regentonnen das Befüllen der Gießkannen und das Ablassen vor dem Winter. Entnehmen kann man das gespeicherte Wasser auch über solarbetriebene Tauchpumpen. Eine Entnahmestelle nahe bei Beeten macht das Leben leichter, denn Hitze und Trockenphasen gehen mit erhöhtem Gießaufwand einher.

Intelligente Bewässerungssysteme

Bewässerungssysteme machen insbesondere Sinn, wenn durch Zeitmangel das Gießen zu kurz kommt. Es gibt unterschiedlichste Systeme, die zum Teil eine Regenwassernutzung einschließen: von der Tröpfchenbewässerung über gezielte Einzelpflanzenversorgung bis hin zu computergesteuerten Regnern oder Sprühanlagen für die Flächenberegnung. Sie sollten aber nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ arbeiten. Ein Bewässerungssystem mit Tropfschläuchen gibt Wasser gezielt im Wurzelbereich ab. Vollautomatische Anlagen verfügen über Feuchtigkeitsfühler und sparen so bis zu 50% Wasser ein.

Mulchschicht ist Verdunstungsschutz

Das Mulchen schützt Bodenleben und -struktur vor allzu starkem Austrocknen und verhindert das Abschwemmen wertvollen Bodens bei Starkregen. Besonders sandige Erde muss vermehrt gegossen und sollte am besten gemulcht werden. Die Einarbeitung von Kompost erhöht die Speicherkapazität. Diese Abdeckung aus organischen Pflanzenresten oder mineralischem Kies hilft allen Pflanzenschätzen, weil es die Gießmengen im Garten verringert. Reine Kiesgärten, in denen nur wenige Gräser Platz finden, erhitzen sich dagegen stark.

Um Wasser im Garten zu halten, ist eine Versickerungsmöglichkeit auf Wegen und Plätzen wichtig. Gegenüber geschlossenen asphaltierten bzw. betonierten Flächen, auf denen das kostbare Nass rasch aus dem Garten abtransportiert wird, sind Wege oder Terrassen mit begrünten Fugen oder Kiesflächen im Sinne eines nachhaltigen Regenwassermanagements von Vorteil.

Standortgerechte Pflanzen sind stressresistenter

Langfristig bieten naturnahe Gärten mit standortgerechter Bepflanzung Abhilfe. Regional angepasste Pflanzen, die Kälte genauso wie Hitze oder Trockenheit aushalten und mit Starkniederschlägen umgehen können, bieten zukünftig die Möglichkeiten für eine ausgeglichene Kreislaufwirtschaft mit unserer Natur. „Gegen Trockenheit haben manche Pflanzenarten Anpassungen wie haarige oder wasserspeichernde dicke Blätter entwickelt, die mit einer Wachsschicht versehen sind. Als Beispiele sind Wollziest oder Sedum (Fetthenne) zu nennen. Feine gefiederte Blätter, wie zum Beispiel die von Jasmin oder Blauregen, kommen dagegen mit windigen Standorten besser zurecht als große flächige Blätter“, so Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“.

Boden als Wassersspeicher

Eine hohe Bodenqualität fördert die Speichermöglichkeit der Erde. Besonders wichtig ist es den Boden als Wasserspeicher aufzubauen. Durch einen vermehrten Humusaufbau kann er wie ein Schwamm wirken. Apropos Schwamm: Wenn sich ein Gewitterregen anbahnt, sollte der Boden kurz zuvor gewässert werden, denn dann rinnt das Wasser nicht oberflächlich ab, sondern kann gut in den Boden einsickern. Auf Balkon und Terrasse verringern unter anderem größere Töpfe und eine Anstau- und oder Tröpfchenbewässerung den Gießstress an warmen Tagen.

Die Ernte im Gemüsegarten

Sämtliche Frühlingspflanzen waren heuer um zwei bis drei Wochen früher dran als in einem durchschnittlichen Jahr. Das frühe Austreiben macht Pflanzen derzeit anfällig für Frostschäden. Bei Obstgehölzen sollte gerade in der Phase der Fruchtausbildung auf eine gute Wasserversorgung geachtet werden.

Im Gemüsegarten ist beim Gießen auch der Entwicklungsstand der Kulturen wesentlich. Jungpflanzen müssen gleichmäßig versorgt werden und so kommt gerade junges Gemüse  kaum ohne Bewässerung aus. Frühgemüse wie Erbsen, Frühkarotten, Spargel oder Puffbohne brauchen noch vor Mai und Juni das meiste Wasser. Früh gesäte Sommerkulturen mit Pfahlwurzeln wie Artischocke, Bohne, Karotte, Knollensellerie, Kohlgemüse (außer Kohlrabi), Mangold, Melanzani, Pastinake, Wurzelpetersilie, Porree, Rettich, Rote Rübe, Schwarzwurzel oder Speiserübe kommen mit sommerlichen Trockenperioden besser zurecht.

Weil auch der typische Herbst mittlerweile länger dauert, verlängert sich die Erntezeit und viele typische Herbstkulturen von Salat-, Kohl- und Wurzelgemüse können heute bis weit in den Winter geerntet werden. Sie werden ebenso wie Asiasalate, Chinakohl, Radicchio, Vogerlsalat oder Zuckerhut im Spätsommer ausgesät und auch Rettich und Spinat können noch angebaut werden und geerntet werden.

„Bleib zu Hause, bleib im Garten“

Die Expertinnen und Experten von „Natur im Garten“ bieten aktuell ein umfangreiches Gartenwissen auf der Homepage, in Webinaren und Blog Beiträgen.

• Ein tägliches Webinar um 16 Uhr bzw. ab dem 27. April um 18 Uhr: Expertinnen und Experten von „Natur im Garten“ bieten Ihnen live praktische Tipps für Ihren Garten und zur  ökologischen Pflege.

• Laufend kurze Gartentipps und neue Videos auf den Social Media Kanälen von „Natur im Garten“

• Blog-Beiträge von anerkannten Ökologie-Profis, um den Garten fit zu machen. In den Rubriken „Tu es“, „Da schau her“ und „Entdecke den Garten“ geben Expertinnen Einblick in die Zusammenhänge und Kreisläufe der Natur. Gespickt mit praktischen Tipps wird die Welt von Fauna und Flora von neuen Blickwinkeln betrachtet.