Vertikale Gärten für mehr Lebensqualität in Städten. Grüne Fassaden bei Wohnhäusern sind nicht nur optische Hingucker, sondern können auch die Lebensqualität der Bewohner stark verbessern.

Von Sophie Kronberger und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 15. Oktober 2019 (10:17)
Olga Kashubin/Shutterstock.com

Die vertikale Vegetation, wie sie genannt wird, ist in Städten noch sehr selten zu beobachten, doch es tut sich etwas. Immer mehr Fassaden werden begrünt – und das hat seine Gründe.

Kühl und wärmedämmend

Ein ins Auge stechender Vorteil ist die optische Ansprechbarkeit. Laut des Wiener Wohnbauträgers EBG sind Wohnungen mit Begrünung deutlich schneller vergriffen als solche ohne. Aber sie sind natürlich nicht nur deswegen bei Bewohnern beliebt. Gründe Fassaden kühlen im Sommer die Außenwände und wirken im Winter wärmedämmend. Dadurch können die Betriebskosten des Gebäudes deutlich verringert werden. Zudem können begrünte Fassaden die Folgen der zunehmenden baulichen Verdichtung und des Klimawandels mindern. Die Luftqualität kann sich für die Bewohner stark verbessern, da die Pflanzen Schadstoffe aus der Luft filtern.

Fassaden lassen sich grundsätzlich auf zwei Arten begrünen: bodengebunden und fassadengebunden. Die bodengebundene Begrünung ist, was die Pflege und Beständigkeit betrifft, oft günstiger. Ohne große Probleme können die bodengebundenen Fassaden bei bestehenden Gebäuden angewendet werden. Ein Beispiel dafür ist das Kulturzentrum WUK in Wien, wo seit vielen Jahren Wilder Wein wächst. Der Wilde Wein haftet sich an die Oberfläche von Gebäuden, ohne dass spezielle Vorrichtungen notwendig sind.

Manchmal ist jedoch kein Boden vorhanden, da Gebäude auch an Grundgrenzen stehen können und beispielsweise direkt an öffentliche Räume anschließen. Bei solchen Fällen ist die fassadengebundene Begrünung viel sinnvoller. Bei wenig Platz kann besonders mit Kletterpflanzen ein eindrucksvoller vertikaler Garten erzielt werden. Vor der Begrünung sollte aber genau geprüft werden, wie viel Platz die ausgesuchte Kletterpflanze zur Verfügung hat. Auch wenn die Pflanze anfangs klein ausschaut, gibt es starkwüchsige Arten wie etwa Efeu, Wilder Wein oder Glyzinie, die rasant wachsen. Daher sollte darauf geachtet werden, dass diese Arten genügend Fassadenfläche haben, um sich entfalten zu können. Ansonsten müssen die Pflanzen jährlich zurückgeschnitten werden.

Evannovostro/Shutterstock.com
Zahlreiche Pflanzen wie Efeu, Wilder Wein, Schlingknöterich und Glyzinie eignen sich ideal für einen vertikalen Garten. Je nachdem, wie die baulichen Gegebenheiten des Gebäudes sind, müssen die Pflanzenarten angepasst werden.

Wie Fassadenbegrünung funktioniert, hat die Stadt Wien in einem eigenen Leitfaden genau erläutert, der auch die bautechnischen und vegetationstechnischen Grundlagen zu fassaden- und bodengebundener Fassadenbegrünung enthält. Mit diesem Leitfaden können sich Architekten, Bauherren oder auch interessierte Privatpersonen genaustens informieren, wie Fassadenbegrünung funktionieren kann. In diesem Leitfaden werden auch Praxisbeispiele vorgestellt, wo Fassadenbegrünung bereits hervorragend funktioniert. Beim Gebäude der Magistratsabteilung 48 im fünften Bezirk in Wien findet sich mit 800 Quadratmetern eine der größten begrünten Fassaden Europas. Hier wurde mit Gräsern und Kräutern gearbeitet. Besonderheiten der Anlage sind eine Bewässerungsanlage und die Betreuung durch Experten der Universität für Bodenkultur Wien. Das Bezirksamt Margareten zeigt, dass auch eine bodengebundene Begrünung eindrucksvoll aussehen kann. Durch ein Rankgerüst aus Stahlseilen und Stahltrögen mit integrierten Bewässerungsanlagen wurden die Pflanzen wie etwa Glyzinie hochgezogen.

Im Leitfaden der Stadt Wien wird betont, welche Maßnahmen gesetzt werden können, um die Bausubstanz, also die Fassaden, bei der Begrünung nicht zu beschädigen. Die Fassade muss vor der Begrünung in Ordnung gebracht werden, es dürfen keine Risse vorhanden sein, da sonst die Pflanzen diese vergrößern könnten. Die Fassade muss daher regelmäßig kontrolliert werden, um schweren Schäden vorzubeugen. So kann die neu gewonnene Lebensqualität ohne unliebsame Überraschungen oder Renovierungen genossen werden.
www.wohnnet.at; www.wien.gv.at

moomusician/Shutterstock.com