Zimmermeister Adi Strigl über ökologischen Hausbau. Zimmermeister Adi Strigl aus Lunz am See weiß, was ökologisches Bauen alles beinhaltet. Im Interview erzählt er von atmungsaktiven Wänden, Nullenergiehäusern und Innovationen.

Von Sophie Kronberger und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 03. November 2019 (03:34)
Holzbau Strigl
Zimmermeister Adi Strigl plant mit seinem Team umweltfreundliche Passiv- und Niedrigenergiehäuser.

NÖN: Sie sind ja nicht nur Gründer von Holzbau Strigl, sondern auch Geschäftsführer von EcoConcept. Was sind die Aufgaben beider Firmen in Bezug auf ökologisches Bauen?
Adi Strigl: Das Planungsbüro Ecoconcept deckt nicht nur ingenieurmäßige Aufgaben in energetischen, statischen und ökobilanzierenden Berechnungen ab, sondern schafft auch die Brücke vom Architekten zum Handwerk und Ausführung. Das jeweilige Projekt wird von der ersten Stunde an fachübergreifend entwickelt.
Die Holzbau Strigl GmbH übernimmt die Umsetzung und Errichtung eines zeitgemäßen, aber auch traditionellen Holzbaues bzw. auch sämtliche Aufgaben des Zimmermann-Handwerkes.

Was macht Holz als ökologischen Baustoff für Sie so ideal?
Strigl: Holz ist nicht nur ein gesundes und gut wärmedämmendes Material, sondern ist auch in der Energiebilanz vom Rohstoff über die Nutzung als Baustoff über Generationen bis hin zur Entsorgung die richtige Wahl, um ressourcenschonend und energiesparend zu bauen.
Der Entwerfende kann beim Baustoff Holz in Verbindung mit Stahl wesentlich freier vorgehen als bei Stahlbeton oder Ziegelbauweise. Kein anderer Baustoff ist klimafreundlicher als der Baustoff Holz.

Wie schafft man sich einen gesunden Wohnraum?
Strigl: Indem man, wie so oft, auf Altbewährtes vertraut und doch ein gewisses Maß an Innovation und Technik zulässt. Der Wohnraum wird für die Bewohner dann ideal, wenn atmungsaktive Außenwände mit Lehm oder Kalkzementputz in Verbindung mit innovativer Haustechnik angewendet werden.

Wie kann es funktionieren, den Energiebedarf eines Hauses so gering wie möglich zu halten? Schon bei der Errichtung des Hauses, aber auch wenn das Haus schon steht?
Strigl: Ob Neubau oder Aufstockung: Energieeinsparung durch gut gedämmte Wände, Decken und Dachbauteile steht an erster Stelle. Die Sanierung alter Holzbauten ist grundsätzlich immer eine Überlegung wert. Holz als Baustoff ist auch nach Jahrhunderten leicht zu bearbeiten, zu tauschen, verstärken und wärmetechnisch aufzurüsten. Eine gründliche Begutachtung und Analyse über den Zustand des Gebäudes ist jedoch dringend anzuraten.

Was macht das von Ihnen entworfene und gebaute Passivhaus Eisenstraße zu einem absoluten Vorzeigehaus?
Strigl: Das Passivhaus Eisenstraße ist fast ausschließlich mit ökologischen Baustoffen errichtet, Holz spielt dabei eine tragende Rolle. Das Haus erzeugt über ein Kalenderjahr gesehen mehr Energie als es durch die Beheizung, Klimatisierung und Warmwasseraufbereitung braucht. Als Vorzeigeprojekt in der Region wurde es auch in die NÖ Landesausstellung 2015 integriert und stand in dieser Zeit den Besuchern offen.

Wie schaut die Zukunft des Hausbaus in Zeiten der Klimakrise aus? Gibt es etwas, was immer wichtiger in der Planung und Konstruktion wird und in ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken ist?
Strigl: Unser Betrieb besteht aus einem sehr engagierten und erfahrenen Team von Zimmerern und Technikern, die viel dazu beitragen, um neue Ideen und Technologien im Holzbau in die Praxis umzusetzen. Die Technik und die Konstruktion für Niedrigst- und Null-Energiehäuser gibt es und ist real. Es braucht umweltbewusste und verantwortungsvolle Bauherren, die Häuser bauen und beauftragen, welche keine Heizkosten verursachen. So schont man die Umwelt eindeutig am besten.