Sumpfkalk feiert sein Comeback. Sumpfkalk gilt als totaler Allrounder in der Immobilienbranche. Neben seiner Funktion als Bindemittel für Putz und Mauermörtel, ist der Kalk auch ideal als Wandfarbe.

Von NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 02. November 2019 (03:23)
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Sumpfkalk ist einer der ältesten Baustoffe überhaupt. Heute feiert er dank ökologischer Bauweise und Nachhaltigkeitsdenken ein Comeback.

Vom Namen her würde man vielleicht vermuten, dass der sogenannte Sumpfkalk etwas mit den Sümpfen zu tun hat. Doch dem ist nicht so: Der Name stammt von einer alten Technik des Einsumpfens von Kalk in einer Grube, nachdem der Branntkalk mit Wasserüberschuss abgelöscht wurde.

Und Sumpfkalk zu gewinnen, hat sich schon früher ausgezahlt. Das Material gilt als feuchtigkeitsregulierend, atmungsaktiv, geruchsneutral und bindet Schadstoffe aus der Luft. Zudem lädt sich der Kalk nicht statisch auf, was ihn staubfrei bleiben lässt. Durch den äußerst hohen ph-Wert entsteht auch kein Schimmel.

Seit zwei Jahrtausenden wird Sumpfkalk bereits schon verwendet. Einserseits wird er häufig als Bindemittel für Putz und Mauermörtel verwendet, aber auch als reine, mineralische Wandfarbe.

Ein pures Naturprodukt ohne Synthetik

Sumpfkalk bleibt frei von synthetischen Zuschlägen – sowohl im Herstellungsprozess als auch in der Endzusammensetzung. Den Kalk hebt es besonders von anderen Bindemitteln ab, dass man dabei keine zusätzlichen Stoffe gegen Schimmelbefall braucht. Der Sumpfkalk bringt diese Eigenschaften bereits alle mit.

Aber um mit dem Stoff arbeiten zu können, braucht man einiges an Wissen. Sumpfkalk ist etwa stark alkalisch und darf daher weder in Gewässer noch Böden gelangen. Kalkfarbe ist nach dem Abbinden aber ohnehin kaum wasserlöslich, daher geht beim Auswaschen keine Gefahr aus.
Damit das Problem der Wasserlöslichkeit keines mehr ist, gibt es die „Carbonatisierung“. Putze oder Mörtel, die mit Sumpfkalk gebunden worden sind, versteinern durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft und werden so wasserunlöslich und sehr haltbar. Feuchtigkeit begünstigt diesen Vorgang.

Auch negative Seiten hat der Sumpfkalk. Er ist sehr empfindlich, was Verfärbungen durch Eisen und Sulfate betrifft. Im bodennahen Bereich können daher leicht Stockflecken entstehen. Wenn der Kalk auf gipshaltigen Untergründen aufgetragen wird, kann das unschön enden.

Außerdem ist es bei Kalk typisch, dass dieser sehr schnell austrocknet. Daher kann er auf Flächen mit direkter Sonneneinstrahlung eigentlich nicht verwendet werden. Weiters darf bei der Abbindezeit die Temperatur nicht unter vier Grad fallen. Das ist Mitgrund, warum das Material im gewerblichen Bauwesen so gut wie gar nicht mehr verwendet wird.
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