Wie der Klimawandel das Ende der Fichten-Monokulturen einläutet

Vor Niederösterreich macht die globale Erwärmung nicht Halt. Denn sie bereitet dem Fichtenborkenkäfer günstige Umstände, um sich zu vermehren, und das bedroht die heimischen Wälder sehr.

Erstellt am 16. Dezember 2021 | 16:04
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Felix Montecuccoli, Präsident der Österreichischen Land- und Forstbetriebe
Foto: Land- und Forstbetriebe Österreich

Felix Montecuccoli ist Präsident der Österreichischen Land- und Forstbetriebe. Er beschreibt wie sich der Klimawandel bereits jetzt auf den Heimischen Wald auswirkt und wie sich der Lebens- und Wirtschaftsraum Wald in Zukunft verändern wird. Für die Fichten-Monokulturen die in vielen heimischen Wäldern dominant sind, scheint jedenfalls das Aus bevorzustehen.

Laut dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Abteilung Forstwirtschaft gibt es in Österreich in etwa vier Millionen Hektar Wald. Davon befinden sich rund 20 Prozent in Niederösterreich. Dieser kann in drei große Waldgebiete eingeteilt werden: Das Waldviertel inklusive Donauraum, die Voralpen und die Bucklige Welt. Auf jedes dieser Gebiete wirkt sich der Klimawandel unterschiedlich aus. Doch eines haben sie gemeinsam, der Einfluss der globalen Erwärmung ist bereits jetzt deutlich erkennbar.

„Besonders betroffen sind Waldviertel und Donauregion. Hier hat es im Durchschnitt bereits um zwei Grad mehr als noch vor einigen Jahren“, so Felix Montecuccoli. Die Form der Niederschläge verändert sich ebenfalls und es regnet insgesamt weniger. Dafür fallen einzelne Regenschauer meist sehr stark aus. Diese Veränderung ist für das Austrocknen der Waldböden verantwortlich und erleichtert es Borkenkäfern sich schneller zu vermehren. Dem Waldgebiet Voralpen machen längere Trockenperioden ebenfalls zu schaffen. In höheren Lagen nimmt die Windstärke laufend zu, wodurch es vermehrt zu Sturmschäden kommt. „In der Buckligen Welt sind die Auswirkungen der Klimaerwärmung am wenigsten zu spüren. Hier regnet es regelmäßig und genug“, erklärt der Präsident der Österreichischen Land- und Forstbetriebe.

Der Fichtenwald dominiert

Der niederösterreichische Wald besteht überwiegend aus Nadelbäumen. Am häufigsten zu finden ist die Fichte. Sie wächst schnell und kann später sehr vielseitig als Bau-, Möbel- oder Brennholz verwendet werden. Dieser Baum benötigt jedoch sehr viel Wasser, daher fühlt er sich in langen Trockenperioden nicht besonders wohl.

„Die langen, trockenen Sommer und die niederschlagsarmen Winter der Jahre 2018 bis 2020 bereiteten dem Fichtenborkenkäfer sehr günstige Umstände“, sagt Felix Montecuccoli, „er kann sich einfach öfter vermehren“. Gegen einige wenige Borkenkäfer kann sich eine gesunde Fichte mit dem eigenen Baumharz wehren. Durch die trockenen Bedingungen befallen jedoch immer mehr Käfer den Baum und der Kampf gegen den Schädling ist verloren.

Da der Klimawandel keine Landesgrenzen kennt, ist nicht nur Niederösterreich von langen, trockenen Sommern betroffen. Die Probleme erstrecken sich über ganz Österreich, auch Tschechien und das deutsche Mittelgebirge sind stark betroffen. In Mitteleuropa wurde in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich viel Schadholz entfernt, um der Schädlingsverbreitung Einhalt zu gebieten. Dies hatte ein weiteres Problem zur Folge: Der Holzpreis sank dramatisch. Im Jahr 2014 war ein Festmeter Holz circa 100 Euro wert. Im Jahr 2020 hingegen nur noch etwa 80 Euro, so das Landwirtschaftsministerium. Viele Forstbetriebe verdienten durch den Holzverkauf nur sehr wenig Geld. Oft reichte es nicht aus, um notwendige Pflegemaßnahmen zu finanzieren. Das Fällen von kranken Bäumen oder Bäumen mit schlechter Holzqualität ist zeitaufwändig und dadurch sehr teuer. Im Jahr 2021 erholte sich der Holzpreis wieder und die österreichische Forstwirtschaft atmet auf. Laut Landwirtschaftsministerium beträgt der Festmeterpreis zurzeit rund 110 Euro.

Der Wald erholt sich

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war es im Kalenderjahr 2021 in Niederösterreich etwas kühler als in den Jahren davor. Es regnete mehr und vor allem in konstanteren Mengen. Dies ergab aus forstwirtschaftlicher Sicht zwei Situationen: Die einen können wieder Holz ernten und verkaufen, da sich Wald und Holzpreis erholen, für andere war der Schaden der letzten Jahre zu groß. Sie besitzen zwar noch Grund und Boden, aber auf diesem befindet sich kein Wald mehr. Sie sind für die nächsten 30 bis 40 Jahre mit dem Aufforsten neuer Wälder beschäftigt und abhängig von Geldern aus öffentlicher Hand. „Hiervon ist vor allem das Waldviertel und der Donauraum betroffen“, erklärt Felix Montecuccoli.

Die herausfordernden vergangenen Jahre wurden nicht ignoriert, stattdessen werden Lehren daraus gezogen. „Den niederösterreichischen Waldbauern ist bewusst, wie wichtig Artenvielfalt ist“, betont der Forstexperte mit. Weiter erklärt er, dass dies auch in der forstwirtschaftlichen Planung berücksichtigt wird und dass die Fichtenwald-Monokulturen ausgedient haben. Ziel sei es in den Wäldern drei bis vier verschiedene Baumarten zu mischen. Den Mischwäldern gelingt es besser sich an die Klimaerwärmung anzupassen. „Der Wald der Zukunft muss bunter werden“, ist sich Felix Montecuccoli sicher, „damit er weiterhin ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist und eine forstwirtschaftliche Bedeutung hat“.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.