Alarmanlagen: Mit viel Lärm gegen das Böse. Alarmanlagen halten Einbrecher ab. Doch sollte man sich selbst noch durchs Haus trauen. Und beim Einbau am besten auf Experten vertrauen, sagt Andreas Bandion, Leiter der Kriminalprävention in NÖ, im Gespräch mit Gila Wohlmann.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 23. Mai 2018 (04:19)
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Wer keine Alarmanlage hat, läuft leichter Gefahr, Opfer eines Wohnungs- oder Wohnhauseinbruches zu werden.

Sich zu Hause absolut sicher fühlen, das Eigenheim gut bewacht wissen: Das wird für Bürger immer wichtiger. Viele Einbruchsopfer bestätigen, dass nicht der Coup, sondern das Gefühl, dass jemand Fremder sich im persönlichen Lebensbereich aufgehalten hat, oft schwerer wiegt als der Wert des gestohlenen Gutes oder etwaige materielle Sachschäden am Objekt.

„Das subjektive Sicherheitsgefühl der Einbruchsopfer ist dann immens gestört“, weiß der Leiter der Kriminalprävention des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Andreas Bandion. Beim Blick auf die NÖ Kriminalstatistik von 2017 ist die Zahl der Anzeigen um 6,1 Prozent auf 71.452 gesunken. Die Aufklärungsquote kletterte um 3,6 Prozentpunkte auf den Höchstwert von 50,8 Prozent nach oben.

Erfreulich: Auch Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser sind leicht rückläufig, doch mit 2.432 Fällen noch immer ein großer Schwerpunkt der Polizeiarbeit. Einbruchhemmende Maßnahmen seitens der Bürger sind ebenso unumgänglich, eine Alarmanlage ist daher für viele das Mittel der Wahl.

Polizei bietet kostenlose Präventionsberatung

„Das richtige System zu finden, ist nicht leicht und muss individuell an das Objekt und die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden“, weiß Bandion und verweist auf die kostenlose Präventionsberatung der Polizei. „Wir kommen zum Objekt, das es zu sichern gilt, schauen uns an, welche Möglichkeiten, beginnend beim Bewegungsmelder über Fenstergitter bis hin eben zur Alarmanlage gesetzt werden können, aber wir machen keine Produktwerbung“, so Bandion. Was jeder, der eine Alarmanlage kaufen will, vorab wissen sollte: „Diese meldet nur, das etwas vorgefallen ist, stellt aber keinen Garant dar, dass es zu keinem Einbruch kommt!“

Dennoch haben Alarmanlagen eine abschreckende Wirkung auf Täter. Das belegen laut Bandion auch Studien. 60 Prozent der Täter lassen die Finger vom Objekt, wenn es eine Alarmanlage gibt, der Rest probiert, lässt aber ab, wenn diese losgeht. Eine Alarmanlage zu umgehen oder zu überwinden, ist meist für einen Täter nicht leicht und verzögert auch die Zugriffszeit beim Coup. Der Prozentsatz, wo Alarmanlagen erfolgreich überwunden worden sind, „ist schwindend gering“, weiß der Polizist. „Von Alarmanlagenattrappen halte ich überhaupt nichts“, stellt er überdies fest, denn die Kriminellen würden diese sehr wohl erkennen.

Wovon er absolut abrät, ist, eine Alarmanlage irgendwo zu bestellen und selbst zu installieren. „Das muss ein geprüftes System sein und die Installation durch einen konzessionierten Fachmann erfolgen, wenn man eine einwandfrei funktionierende Alarmanlage haben möchte“, rät er. Wichtig sei es, ein hochwertiges Produkt, das der OVE-Richtlinie „R 2“ entspricht, zu wählen. Die Marke „Eigenbau“, wenn nicht ordnungsgemäß installiert, ist oft fehleranfällig und kann Sicherheitsmängel aufweisen. Auch mit Versicherungen könnte es im Schadensfalle dann Probleme geben.

Achtung: Ein Fehlalarm kann kosten

Prinzipiell müsse man aber sowieso, auch bei geprüften Alarmanlagen, vorsichtig sein, wenn Versicherungen dadurch mit Prämiennachlässen locken. „Diese zahlt dann nur, wenn die Alarmanlage ordnungsgemäß eingeschaltet wurde und der Nachlass bezieht sich oft lediglich auf den Bereich Einbruchsschutz und nicht auf die ganze Haushaltsversicherung“, rät er, sich ordentlich zu informieren.

Wer eine Alarmanlage neu bekommt, sollte sich, bevor er diese „scharf“ macht und mit der Polizei verbinden lässt, genau mit der Handhabung vertraut machen. „Man kann sich diese in den ersten Wochen aufs Handy schalten lassen“, rät er, denn ein Fehlalarm kann kosten.

LPD NÖ
Präventionsbeamter Andreas Bandion rät: "Eine Alarmanlage darf nicht zu kompliziert sein!"

Rund 100 Euro sind fällig, wenn man nicht mit der Polizei verbunden ist und die Exekutive nur wegen der Sirene ausrückt, rund 130 Euro, wenn man direkt mit dieser verbunden ist, oder sogar an die 180 Euro, wenn die Polizei ausrückt, den Haus- oder Wohnungsbesitzer oder sonst wen Zutrittsberechtigten nicht ausfündig machen kann.

Österreich ist auch eines der wenigen Länder, wo man diese überhaupt noch gratis mit der Exekutive verbinden lassen kann. In anderen Ländern geht dies nur über private Sicherheitsdienste, und das ist dann eben fix kostenpflichtig, eine Möglichkeit, die es aber auch in Österreich über private Wachdienste gibt, wenn man dies der Vernetzung mit der Exekutive vorzieht. „All diese Für und Wider sollte man genau bedenken“, sagt er.

Bei Videokameras muss auf den Datenschutz geachtet werden

Macht es Sinn, die Alarmanlage auch über den Außenbereich wie Garten oder Carport auszudehnen? „Eine Freilandsicherung würde die Anschaffungskosten unverhältnismäßig steigern. Hier machen Bewegungsmelder, eine Videokamera auf Eigengrund oder eine über das Smartphone verbundene Gegensprachanlage mehr Sinn. Dann sehe ich auch, was los ist, wenn ich nicht zu Hause bin“, führt er aus.

Eine übliche Alarmanlage schützt nur das Gebäude. Bei Videokameras gilt es, auf den Datenschutz zu achten. Bandion: „Den öffentlichen Gehsteig filmen oder Nachbars Garten ist natürlich nicht erlaubt“.

Außerdem dürfe man sich von den Videoauswertungen auch nicht zu viel erwarten. „Eine gute Zusatzunterstützung, aber wenn ein Täter vermummt ist, liefern die Bilder nur bedingt Infos“, so Bandion.

Gut zu wissen: Das Land NÖ fördert die Anschaffungskosten einer Alarmanlage. Zum Zeitpunkt der Antragstellung darf der Einbau/die Inbetriebnahme nicht länger als sechs Monate zurückliegen (Mehr Informationen: www.noe.gv.at). Bandion meint, dass man bei einer guten Alarmanlage mit rund 3.000 Euro Anschaffungskosten rechnen muss und betont: „Sie darf nie zu kompliziert sein, damit man sie nicht selber auslöst!“

Gila Wohlmann/NÖN-Sonderjournal-Redaktion