Weltwassertag 2015. Von hoher Kindersterblichkeit bis zum quellfrischen Trinkwasser – ein Querschnitt über die Entwicklung der Wasserversorgung in NÖ

Erstellt am 22. März 2015 (00:05)
NOEN, EVN - Raimo Rumpler
Naturfilteranlage
Niederösterreich darf sich glücklich schätzen. Im landesweiten Durchschnitt gesehen, gibt es mehr als genug Trinkwasser. Pro Jahr stehen rund 880 Millionen Kubikmeter zur Verfügung und nur 260 Millionen davon werden auch tatsächlich genutzt. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch in den Haushalten beträgt etwa 120 Liter pro Tag. Nur drei Prozent des Wasserdargebots werden in Österreich tatsächlich für die Trinkwasserversorgung genutzt.  Diese Zahlen sind seit vielen Jahren weitgehend konstant.

Der große Wasserreichtum ist ungleich verteilt

Trotz der großen Vorkommen gibt es in Niederösterreich Gebiete, die nicht vom Wasserreichtum profitieren können. 80 Prozent des Trinkwassers befinden sich auf 20 Prozent der Landesfläche. 

So konnte es etwa im nördlichen Weinviertel noch in den 1950er-Jahren lebensbedrohlich sein, Wasser aus den Hausbrunnen zu trinken. Das zeigten die vielen Typhusfälle und die damit verbundene hohe Kindersterblichkeitsrate.  

Bis in die 1960er-Jahre blieb die Trinkwassersituation in vielen Gebieten kritisch.  Um dieses gewaltige Defizit zu beheben, wurde schließlich vor über 50 Jahren die NÖSIWAG (Niederösterreichische Siedlungswasserbau Gesellschaft), heute EVN Wasser GmbH, gegründet. 

Erschließung neuer Quellen und Bau großer Ringleitungen

Als wesentlich erwiesen sich damals die Erschließung neuer Quellen und der Bau großer Ringleitungen, die hochwertiges Trinkwasser in die benachteiligten Regionen beförderten.
 
„Eine Aufbauleistung von unschätzbarem Wert. Heute ist es uns selbst in Extremsituationen – wie etwa bei starker Trockenheit – möglich, die Bevölkerung in Niederösterreich mit gesundem und frischem Wasser zu versorgen“, versichert der technische Geschäftsführer von EVN Wasser, Dipl.-Ing. Franz Dinhobl.

Von der Quantität zur Qualität: Weiches Wasser durch Naturfilteranlagen 

EVN Wasser investiert in den nächsten drei Jahren über 50 Mio. Euro in bestehende und neue Anlagen und Netze. Rund 10 Mio. Euro werden davon in die Errichtung von drei Naturfilteranlagen investiert, um die Versorgung des nördlichen und östlichen Weinviertel mit weichem Wasser sicherzustellen.  Durch die Verwendung von sehr feinen und ökologischen Membranen können die Härtegrade deutlich gesenkt werden - rein mechanisch und ohne den Einsatz von Chemikalien.
  
So ist nur dreizehn Monate nach Baubeginn die Naturfilteranlage Drösing Ende 2014 planmäßig in Betrieb gegangen. Die Wasserhärte wurde stufenweise reduziert und beträgt seit Februar 2015 in Teilen des nordöstlichen Weinviertels nunmehr 10° dH (deutsche Härte). Zum Vergleich: Bisher wies das Wasser einen Härtegehalt zwischen 24 und 30 °dH auf. Durch den geringeren Härtegrad kann zukünftig bei vielen Geräten auf Kalkschutzmittel verzichtet werden.

„Durch die Naturfilteranlagen kann dem weit verbreiteten Wunsch nach niedrigen Wasserhärten flächendeckend nachgekommen werden“, freut sich der kaufmännische Geschäftsführer von EVN Wasser, Mag. Raimund Paschinger.Weitere Naturfilteranlagen werden in Obersiebenbrunn und Zwentendorf/Zaya errichtet. Ab Sommer 2016 beliefert EVN Wasser rund 80 % Ihrer Kundinnen und Kunden mit Trinkwasser in Quellwasserqualität kleiner 14° dH.

EVN Wasser

EVN Wasser ist als 100 %-ige Tochtergesellschaft des Landesenergieversorgers EVN für die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich zuständig. Das Unternehmen ist das zweitgrößte Wasserversorgungsunternehmen in Österreich und versorgt heute vor allem den nordöstlichen Teil des Landesgebietes. 26 Millionen Kubikmeter Wasser fließen pro Jahr durch das 1.500 Kilometer lange Leitungsnetz.
 
Bereits 38 niederösterreichische Gemeinden mit insgesamt 100 Katastralgemeinden haben EVN Wasser ihr Vertrauen als Betreiber der Ortsnetze geschenkt. EVN Wasser versorgt damit bereits über 87.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher direkt. Für rund 504.000 Einwohner ist EVN Wasser der Trinkwasserlieferant in 677 teil- oder vollversorgten Katastralgemeinden