Warum ihr nie verärgert ins Auto steigen solltet. "Die Kombination aus viel Verkehr und wenig Platz führt zwangsläufig bei fast allen Verkehrsteilnehmern zu Emotionen", weiß ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 12. April 2019 (15:14)
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Einschränkungen oder Behinderungen können vielfältig sein und reichen von Baustellen, Staus und ungünstigen Ampelschaltungen über Fahrspurverengungen und rücksichtslose Verkehrsteilnehmer bis hin zu wenigen freien Parkplätzen. Aber auch fordernde Mitfahrer oder Stress im Job können Emotionen in der Mobilität begünstigen. Bei mindestens 85 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden sind Emotionen im Spiel.

"Starke Emotionen – positive wie negative – haben im Straßenverkehr allerdings keinen großen Nutzen und lenken vom Verkehrsgeschehen ab", erklärt die Expertin des Mobilitätsclubs. "Sie beeinflussen das Fahrverhalten, können zu unüberlegten Handlungen verleiten und so gefährliche Situationen herbeiführen."

So wirken sich Emotionen auf die Fahrweise aus

"Freude, Trauer, Angst, Wut und Überraschung bilden die Grundlagen aus denen ein bestimmter Gefühlsmix entsteht, der uns so manche Verkehrssituation als angenehm oder unangenehm empfinden lässt", erläutert die Verkehrspsychologin. Großes Glücksgefühl oder Euphorie verleiten eher zu leichtsinnigem Verhalten, genauso wie sich auch aufgestaute Frustration oft in einer schnellen und riskanten Fahrweise entlädt. "Der Straßenverkehr eignet sich jedoch keinesfalls, um Spannungen abzubauen", stellt Seidenberger klar. "Gefahren und Risiken können in solchen Zuständen schlechter wahrgenommen und unangepasste Verhaltensreaktionen gesetzt werden. Frustration und Ärger sollten daher niemals an anderen Verkehrsteilnehmern ausgelassen werden."

 So kann man seine Emotionen besser kontrollieren

In erster Linie ist es entscheidend, rasch seine aufkeimenden Emotionen und – mitunter auch berechtigten – Ärger zu erkennen. So kann man geeignete Strategien entwickeln, um diese zu verarbeiten ohne sich oder andere zu gefährden. "Manchmal sind es lediglich subjektive Fehlinterpretationen von Zeichen oder Gesten anderer Verkehrsteilnehmer, die uns blind vor Wut machen", erklärt die ÖAMTC-Expertin. "Eine gedankliche Beruhigung, wie zum Beispiel 'runter vom Gas' in Kombination mit einer Neubewertung der Situation, kann in unangenehmen Situation Entlastung bringen und Beschimpfungen, Streitereien oder gar Verletzungen vermeiden."

Der professionelle Umgang mit Emotionen ist neben dem Regelwissen und Fahrkönnen der wirkungsvollste Eigenschutz im Straßenverkehr. "Daher immer rechtzeitig die Emotionsbremse ziehen", appelliert die Verkehrspsychologin des Mobilitätsclubs an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer. "Starke Emotionen haben auf der Straße nichts verloren."