Gemeinsam gegen die Ignoranz der Mächtigen

Fridays For Future ist auch in Niederösterreich eine starke Bewegung. Aus diesem Grund sprach die NÖN mit der Mödlinger Klimaaktivistin Melanie (22) über derzeit laufende Projekte sowie bisherige Erfolge in Sachen Klimaschutz.

Erstellt am 16. Dezember 2021 | 16:04
Lesezeit: 4 Min

Von Greta Thunbergs Klimaaktion angesprochen fühlt sich auch Melanie (22) aus dem Bezirk Mödling. Neben ihrem Medizinstudium besetzt sie erfolgreich Baustellen und ist aktives Mitglied bei der Fridays For Future Regionalgruppe Mödling (FFF Regionalgruppe Mödling). Sie spricht alarmierende Worte:

„Niederösterreich ist, so wie ganz Österreich, immer noch viel zu weit hinten im Klimaschutz.“

Sie plädiert auch, dass Niederösterreich als größtes Bundesland Österreichs schließlich einiges zu einem klimaneutralen Staat beitragen könne. Die Corona-Krise hat das Klima-Thema bis zur Verkündung des Lobautunnel-Baustopps zwar ein wenig aus den Medien verdrängt, doch die FFF-Bewegung hat keineswegs aufgehört. Im Mai 2020 haben etwa Aktivist*innen eine Woche lang vor dem Kanzleramt in Wien campiert, um die Forderung für den Corona-Klima-Deal deutlich zu machen.

Fridays For Future in Niederösterreich

Dass FFF regional in Niederösterreich Fuß fassen konnte, ist mitunter Melanie zu verdanken. Bereits 2019 marschierte sie bei jeglichen Demonstrationen mit. Sie organisierte sogar eine Klimademo in ihrem Heimatort im Bezirk Mödling. Im Herbst 2020 gründete sie im Rahmen einer „dein-Ort-Aktion“ gemeinsam mit vier anderen Leuten offiziell die FFF Regionalgruppe Mödling. Im September 2021 hat das erste Mal ein Großstreik mit mehreren Tausend Menschen in St. Pölten stattgefunden, die NÖN berichtete. „Dieser war äußerst wichtig, da viele Regionalgruppen aus ganz Niederösterreich zusammengekommen sind, die sonst für Streiks nach Wien gefahren sind“, so Melanie.

Der Klimawandel in (Nieder)Österreich

Österreich hat 2015 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Tatsächlich ist dieses aber rechtlich nicht bindend, sondern steht nur für die freiwillige Umsetzung der einzelnen Staaten. Dem KlimaStatusBericht Österreich zufolge war 2018 das wärmste Jahr im Tiefland Österreich seit Messbeginn im Jahr 1768. Laut Klimarückblick Niederösterreich traten 13 der 14 wärmsten Jahre aus fast 140 Jahren nach 2000 ein. 

Auf die Frage, welche Errungenschaften in Niederösterreich auf FFF zurückzuführen sind, antwortet Melanie zuversichtlich: „Was zu einem großen Teil auf die Klimabewegung zurückzuführen ist, ist die Einführung des Klimatickets, gegen das sich Niederösterreich ja bis zuletzt gewehrt hat.“ Gleichzeitig betont sie aber auch, dass einzelne Durchbrüche nicht reichen und es schließlich einen systemischen Ansatz benötige, von dem Österreich zurzeit noch weit entfernt ist.

Widerstand leisten

„Gegen eine Fülle an Projekten, die in Niederösterreich geplant sind – hierzu zählen die Ostumfahrung in Wiener Neustadt, die Sankt-Pöltner-Umfahrung S 34 sowie die Stadtstraße und mit ihr die Lobauautobahn, leistet die FFF-Bewegung gemeinsam mit Bürger*inneninitiativen Widerstand“, erzählt Melanie. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Baustellenbesetzung in Wien, die seit 30. August 2021 bei Wind und Wetter durchgezogen wurde und für viel medialen Wirbel gesorgt hat. Die Besetzer*innen können also das Ende der Lobautunnel-Pläne, verkündet durch Umweltministerin Leonore Gewessler am 1. Dezember 2021, als Erfolg verbuchen.

„Aber auch FFF Mödling hat Ziele. So soll etwa die Entfernung des Radweges verhindert werden“, betont Melanie.

Gemeinsam in Richtung klimabewusste Zukunft

Zusammen mit den Allianzen von FFF, das sind beispielsweise die Parents und Grandparents For Future, wird weiterhin versucht, bei Demonstrationen lautstark auf die Umweltproblematik aufmerksam zu machen. „Viele Menschen verstehen die Tragweite der Klimakrise schlichtweg immer noch nicht“, so beteuert es Melanie.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.