Queer am Arbeitsplatz: Diskriminierung im Job - was tun?

Personen der LGBTQI+ Community erleben immer wieder Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Über die aktuelle Situation, die gesetzliche Grundlage und was man als betroffene Person in Niederösterreich tun kann:

Erstellt am 10. Januar 2022 | 14:04
Lesezeit: 3 Min
Pride St. Pölten 2021
Foto: Sozialistische Jugend

Aktuelle Situation

Im Rahmen einer Studie des SORA Institut im Auftrag der Arbeiterkammer wurde die Arbeitssituation von LSBTI (lesbische Frauen, schwule Männer, bi-sexuelle Frauen und Männer, Trans*Personen und intersexuelle Menschen) Personen in Österreich untersucht. Laut Schätzungen arbeiten in Österreich zwischen 200.000 und 300.000 Beschäftigte, die mindestens einer der genannten Kategorien angehören. Dabei gab jede fünfte befragte Person an die sexuelle Orientierung bzw. Geschlechtsidentität in der Arbeit zu verheimlichen. Rund ein Viertel der Befragten sprechen in der Arbeit bewusst über die eigene sexuelle Orientierung bzw. Geschlechtsidentität.

Viele Personen der LGBTQI+ Community sind an ihrem Arbeitsplatz nicht geoutet. Dabei meint man ein „Coming Out“, also ein Prozess, in dem eine Person sich selbst über sein Geschlecht und/oder sexuelle Orientierung bewusst wird und beginnt, mit anderen darüber zu sprechen 

Gründe dafür können verschiedene Ursprünge haben. Man hat Angst seinen Arbeitsplatz zu gefährden, man möchte die Beziehungen zu Kollegen oder Vorgesetzten nicht riskieren oder man möchte sich damit selbst schützen. Man kann auch nicht von einem einzigen Outing sprechen, da es in verschiedenen Situationen immer wieder zu einem gewollten oder ungewollten Outing kommen kann.

Gesetzliche Grundlage

Fühlen sich betroffene Personen diskriminiert so gibt es verschiedene Anlaufstellen, welche sich um sie kümmern müssen. Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes oder als als LGBTIQ+ Person werden vom Gleichbehandlungsgesetz in Österreich erfasst und geschützt. Weiters nimmt sich das Niederösterreichische Antidiskriminierungsgesetz 2017 zum Ziel die Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung des Antidiskriminierungsgesetz umzusetzen.

Eine Belästigung ist jedes für die betroffene Person unerwünschte Verhalten im Zusammenhang mit einem Diskriminierungsgrund, das bezweckt oder bewirkt, dass seine Würde verletzt wird und für sie eine einschüchternde, feindselige, erniedrigende oder beleidigende Situation geschaffen wird oder nachteilige Folgen dadurch entstehen.  

Was man als betroffene Person tun kann

Die österreichische Gleichbehandlungsanwaltschaft bietet kostenlose und vertrauliche rechtliche Beratung und Unterstützung. Es kann auch wichtig sein Beweise und Unterlagen zu sammeln, dazu gibt die Gleichbehandlungsanwaltschaft folgende Tipps: Wenn es Zeugen oder Zeuginnen der Diskriminierung gibt, bitten Sie diese um Namen, Adresse und Telefonnummer. Sie können später helfen, die Diskriminierung zu beweisen.

Machen Sie sich auch selbst Notizen. Schreiben Sie sich auf, wo und wann die Diskriminierung geschehen ist, solange es noch frisch im Gedächtnis ist. Wenn sich eine diskriminierende Situation über längere Zeit hinzieht, zum Beispiel bei fortgesetzter Belästigung am Arbeitsplatz, kann es sinnvoll sein, ein eigenes Tagebuch darüber zu führen.

Danach können Sie die Diskriminierung melden und falls gewünscht auch eine Klage einbringen.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.