Natürliche Frischhaltefolie aus Bienenwachs. Dem Neudörfler Bio-Imker Wolfgang Scheitz ist Nachhaltigkeit in seiner Arbeit mindestens genauso wichtig wie Kundenzufriedenheit.

Von Christian Artner. Erstellt am 26. Juli 2020 (04:18)
Der Neudörfler Bio-Imker Wolfgang Scheitz ist hinter seiner Arbeitsmontur kaum zu erkennen. Seit Neuestem hat er auch umweltfreundliche Bienenwachstücher im Angebot, die unter anderem Brot länger frisch halten.
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Dass Bienen auch Haustiere haben können, war bisher eher unbekannt. Beim Neudörfler Bio-Imker Wolfgang Scheitz lässt sich das hingegen beobachten. Scheitz verwaltet dreißig Bienenstöcke, verstreut auf die Gemeinden Neudörfl, Bad Sauerbrunn und St. Margarethen. Quasi Tür an Tür leben am Standort in Margarethen seine Bienen mit Smaragdeidechsen. „Unterhalb der Bienenstöcke wohnen die Eidechsen und oben die Bienen. Sie sind die Schutztiere für die Bienen oder deren Haustiere“, lacht Scheitz. Und somit war es auch naheliegend, den Honig, der von den Bienen dort gewonnen wird, nach den knallig grünen Echsen Smaragdhonig zu taufen.

Scheitz, gelernter Biochemiker und beruflich im Qualitätsmanagement tätig, führt seit fünf Jahren im Nebenerwerb seine Bio-Imkerei. Bio heißt bei ihm unter anderem: „Meine Bienenstöcke stehen nur an ausgewählten Stellen, ohne Monokulturen und Agrarchemie in der Umgebung und mit einer hohen Biodiversität.“ Jeder Standort ist von einer speziellen Flora und Fauna geprägt, zu der eben auch die Smaragdeidechsen zählen und aus der verschiedenartiger Honig gewonnen werden kann. „In St. Margarethen gibt es etwa sehr viel Weißdorn, in Neudörfl in der Nähe des Tenniscenters viel Linde und auch Akazie.“

Honig ist aber nicht das einzige Produkt, das gemeinsam mit den fleißigen Tierchen erzeugt werden kann, „sondern es lässt sich tatsächlich sehr vieles gewinnen. Oft denkt man nur an normalen Honig.“

Blütenpollen, die sehr eiweißreich sind, Propolis gegen Entzündungen, zum Beispiel im Rachenbereich, „das ist fast wie ein Antibiotika“, Bienenbrot, Honigwein, „der sogenannte Met, den ich bei mir auch noch zu einem Himbeer-Honigwein-Frizzante veredle“, und auch Bienenwachs sind einige Sachen, die Scheitz im Sortiment hat.

Seit Neuesten wird Bienenwachs auch für Bienenwachstücher verwendet. Scheitz, seine Frau Estella und die beiden Kinder haben einen eineinhalbjährigen Selbstversuch hinter sich, ehe die Tücher seit Muttertag auch offiziell zu erwerben sind. „Wir möchten dem Kunden nichts verkaufen, was wir nicht selbst probiert haben und selbst leben.“ Das Fazit: „Wir sind überzeugt und begeistert.“

Regionalität der Produkte ist mir wichtig

Das Bienenwachstuch besteht aus Biobaumwolle und ist mit Bienenwachs, Baumharz, Sonnenblumenöl und Propolis versetzt. Verwendet wird es als Frischhaltefolieersatz oder als Brottuch. „Die Inhaltsstoffe schützen gegen Schimmel, das Brot wird nicht so schnell hart und eingewickelte Lebensmittel bleiben generell länger haltbar.“

Bei all seiner Arbeit steht neben der Kundenzufriedenheit der Nachhaltigkeitsgedanke an oberster Stelle. „Ich benutzte deshalb nicht irgendein Baumwolltuch, sondern nur solche mit GOTS-Zertifikat“, sagt Scheitz.

GOTS steht für einen weltweiten Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. „Aber nicht nur die biologische Nachhaltigkeit ist mir wichtig, auch die soziale Verträglichkeit. Baumwolle kommt oft aus Ländern, in denen sozialen Richtlinien nicht eingehalten werden.“ Gleichzeitig setzt er, wo möglich, auf Regionalität. „Das Harz beziehe ich aus Piesting, das Sonnenblumenöl ist aus Mattersburg, Propolis und Bienenwachs kommen von mir.“

Für Regionalität steht auch sein Trüffelhonig, der noch unbedingt erwähnt werden muss, da es ansonsten Ärger mit seiner Frau gibt, die für Marketing, Social-Media und kreative Inputs zuständig ist, während er die Rolle des Visionärs einnimmt, wie er scherzend die familiäre Arbeitsteilung umschreibt – der Trüffelhonig also, an sich schon eine Seltenheit, ist eine Kooperation mit den Pöttschinger Trüffelbauern Robert und Martina Preisegger. „Die Seltenheit wird dadurch noch gesteigert, dass das gesamte Produkt aus dem Bezirk kommt, nicht nur der Honig, sondern auch die Trüffel.“

Scheitz‘ Bioprodukte können bei ihm Ab Hof, auf www.imkerei-scheitz.at oder bei seinen Eltern erworben werden. Ebenso gibt es ausgewählte Produkte bei Adeg in Bad Sauerbrunn und beim Heurigen Piribauer sowie im Bioladen Velikay.