Glück im Unglück: Eichelhäher aus Kamin befreit. Die von "Vier Pfoten" geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) hat einen ausgehungerten Eichelhäher zur Pflege bekommen.

Von Redaktion NÖN.at und Redaktion BVZ.at. Erstellt am 08. Oktober 2020 (09:22)
Neuer Patient in der EGS Haringsee
VIER PFOTEN

Der Vogel konnte aus einem neu aufgestellten Kamin in einem Haus in Wien geborgen werden. Zuvor hörte der Hausbesitzer ein Scharren und schaute deshalb im Kamin nach. Dort fand er den Vogel, dessen Beinchen mit Fäden umwickelt waren. Nach der Bergung konnte der Eichelhäher nicht fliegen und war so schwach, dass er nach einigen Hüpfern zur Seite umfiel. Er wurde vom Finder in die EGS Haringsee gebracht.

Auf Geräusche im Kamin achten

„Glücklicherweise konnten wir außer einer starken Abmagerung keine weiteren Verletzungen feststellen. Bei uns in der EGS wird der hübsche Eichelhäher jetzt aufgepäppelt und anschließend – wenn er kräftig genug ist – wieder in die Freiheit entlassen,“ sagt "Vier Pfoten" Expertin Brigitte Kopetzky. „

Der Vogel hatte noch Glück im Unglück. Hätte der Hausbesitzer das leise Scharren ignoriert, wäre die Situation für ihn nicht so glimpflich ausgegangen.“ Besonders vor dem ersten Einheizen im Herbst sollte man hellhörig auf Geräusche im Kamin achten und auf keinen Fall einheizen, bevor man den Kamin kontrolliert hat. Oft können Vögel durch den engen Kaminquerschnitt nicht mehr hochfliegen und würden bei Befeuerung unweigerlich verbrennen oder ersticken.

Aber auch ohne Feuer sind Vögel am Kaminboden der Gefahr des Verhungerns oder Verdurstens ausgesetzt. Um solche Unfälle zu verhindern, können, in Absprache mit dem Rauchfangkehrer, Schutzgitter, Kaminhüte oder andere vogelsichere Aufsätze angebracht werden.

Der Eichelhäher zeigt sein prächtiges Gefieder
VIER PFOTEN

„Eichelhäher sind sehr intelligente Vögel. Sie sitzen gerne auf Schornsteinen und Kaminen, um aus der erhöhten Position die umliegende Landschaft zu betrachten. Unser neuer Patient hat sich zudem gerne in der Spiegelung der Blechumrandung des Schornsteins betrachtet. Durch die Kunststoffschnüre, die sich um seine Beinchen gewickelt hatten, dürfte er in den Kamin gestürzt sein,“ so Kopetzky.

Gummibänder, Fäden und Schnüre aus nicht verrottendem Material gelangen oft durch Unachtsamkeit in die Umwelt und stellen eine große Gefahr für heimische Wildtiere dar. Vögel sind häufig Opfer von Fäden, die sich um ihre Beinchen wickeln. „Bei ihren Befreiungsversuchen ziehen sich die Fäden immer enger zusammen und schneiden tief in das Gewebe ein. Durch Entzündungen schwillt der Fuß an und die Zehen der Tiere werden in einer unangenehmen Position eingeklemmt. Jeder Schritt ist für die Vögel äußerst schmerzhaft und häufig verlieren sie sogar ein Bein,“ erklärt Kopetzky. "Vier Pfoten" ruft dazu auf achtsam mit der heimischen Tierwelt umzugehen und nicht verrottendes Material entsprechend zu entsorgen.