Franz Ludwig: "Die Hunde haben Vertrauen zu mir“

Franz Ludwig, ein flotter Mitsiebziger, ist nach wie vor im unermüdlichen Einsatz für den Tierschutz. Er organisiert Flohmärkte, informiert die Spenden und hilft vor Ort.

Erstellt am 20. November 2021 | 04:36
Franz Ludwig, Karin Ludwig
Franz Ludwig (links) vom Tierschutz Franziskus mit Tommy, der von ihm vermittelt wurde. Ihre Liebe zu Hunden begleitet Karin Ludwig (rechts), Obmann-Stellvertreterin vom Tierschutz Franziskus, ihr ganzes Leben lang.
Foto: Bettina Kreuter, zVg

Nein, Franz Ludwig spricht nicht gerne über seine eigenen Befindlichkeiten und nicht darüber, dass er auch manchmal müde ist. Vor allem dann, wenn er sich ohne Pause für den Tierschutz einsetzt – und das macht er eigentlich täglich. Viel lieber erzählt der 76-Jährige über seine Begegnungen mit Hunden: „Es gibt kaum einen Hund, der einen Menschen ablehnt. Wenn sie sehen, dass ein Mensch gut zu ihnen ist, fassen sie schnell Vertrauen“, weiß Franz Ludwig.

Ruhig und ohne fahrige Bewegungen, wie es seine Art ist, geht er auf die Vierbeiner zu. Wendet sich ab, wartet, bis die Hunde zu ihm kommen, lässt sie schnuppern und verwöhnt sie mit Leckerlis, die er immer eingesteckt hat. „Menschen dürfen Hunde nicht wie ein Stofftier behandeln. Hunde brauchen eine entsprechende Erziehung, sonst erleidet die Partnerschaft Mensch- Hund Schiffbruch“, lautet sein Appell. Am liebsten würde er mehr Hunde aufnehmen, doch der Regierungsrat in Ruhestand ist realistisch genug, dass er weiß: Das geht nicht. Vier Hunde leben bei ihm und seiner Frau Hannelore.

Alles begann mit „Lumpi“

„Auf den Hund gekommen“ ist das Ehepaar vor rund 40 Jahren, als Tochter Karin zuerst mit dem Tier der Nachbarin Gassi ging und dann „Lumpi“ als Pflegehund aufnahm, der letztendlich blieb. Wenn Franz Ludwig von den Anfängen erzählt, dann strahlt er. So wie immer, wenn er von den unzähligen schönen Momenten mit den Tieren berichtet. 1999 begann er dann, ehrenamtlich im Tierschutz aktiv zu werden. 2007 gründete er seinen eigenen Verein, den „Tierschutz Franziskus e. V.“, dem er auch heute noch als Obmann vorsteht. Seine Tochter Karin unterstützt ihn tatkräftig, gründete eine eigene Facebook-Gruppe (Tierhilfe Griechenland Xanthi angels garden) für das von ihnen geförderte private Tierheim in der nordgriechischen Stadt Xanthi und packt an, wo sie kann.

Beiden ist bewusst, dass es dem Tierschutz Franziskus an Nachwuchs fehlt. „Ja, ich kann noch, aber ich weiß nicht, wie lange noch“, so Franz Ludwig. Viel Einsatz kosten ihn die Flohmärkte, die unerlässlich für die Einnahme der Spenden sind. „Die Fahrt von 1.500 Kilometern nach Griechenland sind für mich weniger anstrengend“, gesteht er. Die meisten Helfer sind in seinem Alter und können auch nicht mehr so, wie sie gerne würden. Dennoch gestalten sie gemeinsam die Flohmärkte mit viel Engagement und Liebe. Nach einer langen Durststrecke, bedingt durch die Corona-Pandemie, gab es Mitte September wieder eine Veranstaltung in Günselsdorf im Bezirk Baden. Und am 5. und 6. November ist dort wieder ein Flohmarkt geplant.

Mehrere Flohmärkte pro Jahr bringen, wie schon gesagt, einen wesentlichen Teil der Hilfsgelder ein. Gesucht werden dafür immer wieder helfende Hände, ob beim Aufbau, beim Verkaufen oder beim Zusammenräumen.

Flohmärkte für das Wohl der Tiere

„Wir Alten aus der Stammbesetzung arbeiten gerne ehrenamtlich, sind aber manchmal ziemlich geschafft. Wir machen es alle aus Liebe zu den Tieren“, hofft der aktive Tierschützer auf Unterstützung. Die Vorarbeiten für den Flohmarkt beginnen für den Felixdorfer bereits mehrere Wochen vor der Veranstaltung. Er holt Sachen ab, lagert sie inzwischen und stellt Ankündigungstafeln auf. Einen Tag vorher wird der Saal eingeräumt, am Freitag geht es dann ab 9 Uhr mit dem Verkauf los. Bei einem gemütlichen Buffet wird bewirtet. Am Samstag wird bis 16 Uhr verkauft, ehe es danach wieder ans Aufräumen geht. Manche Dinge kommen zurück ins Lager, manche werden an andere gemeinnützige Vereine weitergegeben, weniges wird am Sonntag zum Sperrmüll geführt. Am Ende ist man erschöpft, aber zufrieden. Glücklich, dass man gemeinsam wieder einen Beitrag zum Wohl der Tiere leisten konnte.

Das ehrenamtliche Team rund um Obmann Franz Ludwig unterstützt Tierstationen in der Slowakei, in Ungarn und Griechenland. Alle kennt Franz Ludwig persönlich, alle besucht er, so oft es ihm möglich ist. Innerhalb der vergangenen 14 Jahre kurbelte er so mit seinem Transporter mehr als 200.000 Kilometer runter. Nach Nitra (Slowakei) fährt er rund alle fünf Wochen, nach Szentes (Ungarn) bis zu drei Mal im Jahr und nach Xanthi (Griechenland) etwa zwei Mal jährlich.

Auch diese Fahrten wurden durch die Corona-Maßnahmen erschwert oder waren nicht möglich. Franz Ludwig gelang es dank seines unermüdlichen Einsatzes dennoch, allen Tierstationen mit Spenden unter die Arme zu greifen.

Und so meisterte der Tierschutz Franziskus dank seiner treuen Unterstützer und Förderer auch die Zeit der Pandemie. Vier Mal im Jahr gibt der Obmann auch die Tierschutznachrichten des Vereins heraus. Hier finden sich Berichte über das Geleistete und es wird ein Überblick über das, was noch zu tun ist, gegeben. Wenn notwendig, informiert Franz Ludwig gerne zwischendurch telefonisch, vieles schreibt er auch auf Facebook. „Es ist wichtig, mit den Spendern regelmäßig in Kontakt zu bleiben und zu berichten, was mit den Spendengeldern passiert“, so Ludwig. Der Tierschutzverein hilft bei Tierarztkosten, bei Kastrationen, beim Futter, mit Decken und vielem mehr in allen drei Tierstationen. Vor Ort wird auch gearbeitet, in Xanthi halfen die Tierschützer aus Niederösterreich zum Beispiel bei der Aufstellung von neuen Hütten für die Hunde oder der Errichtung eines höheren Zauns.

Mit viel Einfühlungsvermögen werden die Hunde auch nach Österreich vermittelt. Das neue Tierschutzgesetz mache es ihm schwerer, so Franz Ludwig. Dabei sind alle Hunde bei der Einreise geimpft, gechipped und haben gültige Transportpapiere sowie einen EU-Heimtierpass. Vergeben werden sie nur nach Vorkontrolle und mit Schutzvertrag sowie Schutzgebühr.

„Die Betreiber der Tierstationen sehen täglich viel Leid, das sehr zermürbend ist, daher empfinde ich meinen Tierschutzalltag im Vergleich als viel leichter“, sagt Franz Ludwig zum Abschluss des NÖN-Gesprächs, ehe er den von ihm vermittelten Hund mit einem Leckerli verwöhnt.

 

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