Der Hund als Partner in der Natur. Sport betreiben, Beziehung zum Tier fördern – und das in netter Gesellschaft bieten „Dogtrekking“ und „Doghiking“.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 22. April 2019 (10:51)

Wenn du laufen willst, laufe eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann absolviere ein Dogtrekking.“ Mit diesen Worten macht die „Dogtrekking & more Sportunion“, der Verein für Tourensport mit Hunden, Tierliebhaber neugierig auf eine noch nicht so bekannte, aber absolut attraktive sportliche Freizeitbeschäftigung mit dem Vierbeiner.

„Dieser Sport hat seine Wurzeln in den Schlittenhunderennen, nur dass bei uns kein Schlitten gezogen wird, sondern der Hund direkt mit dem Körper durch eine Leine, die am Hundeführer befestigt wird, verbunden ist“, erklärt Birgitt Vancl, Vorstandsmitglied im Verein, der seinen Sitz in Mödling hat, aber national wie international vernetzt ist. Sie selbst nimmt mit ihrem Eurasierhund mit Begeisterung an „Dogtrekking“-Veranstaltungen teil.

Doch was ist eigentlich „Dogtrekking“? Dogtrekking leitet sich vom englischen Wort für Hund (dog) und Weitwandern (trekking) ab. „Entwickelt hat sich diese Sportart in einer Runde von tschechischen Schlittenhundesportlern, um die Zeit im Sommer sinnvoll verbringen zu können. Eine zweite Ursprungsregion ist Frankreich, wo Veterinärmedizinstudenten mit ihren Hunden vergleichbare Aktivitäten und Bewerbe durchzuführen begannen, auch wenn hier die Entwicklung später in Richtung ,Canicross‘, also Laufen mit Hund, über deutlich kürzere Strecken ging“, erklärt sie.

Mit der Wanderkarte und Kompass als Pflichtausrüstung kann somit in das gemeinsame Abenteuer von Mensch und Tier gestartet werden, wobei zwischen „Dogtrekking“ und „Doghiking“ unterschieden wird.

Dogtrekking: Das Team „Mensch-Hund“ ist während der gesamten Geh- oder Laufzeit mit einer maximal drei Meter langen Zugleine inklusive ausgezogenem Ruckdämpfer verbunden. „Der Hund trägt ein Zuggeschirr, der Mensch einen Hüftgurt. Dies entlastet die Halswirbelsäule des Ziehenden wie die Rückenwirbelsäule des Gezogenen. „Diese Art, sich mit Hunden in Wald und Flur zu bewegen, ist wildtierfreundlich und vermeidet Konflikte mit der Jägerschaft, Landwirten sowie Grundbesitzern“, sagt Vancl.

Diese Form, sich mit Hunden in Wald und Flur zu bewegen, ist wildtierfreundlich und vermeidet Konflikte mit der Jägerschaft.“ Birgitt Vancl, Dogtrekkerin)

Das heimische Dogtrekkingreglement hält sich eng an das tschechische Vorbild, das vom ehemaligen Bergsteiger und nunmehrigen Schriftsteller Jaroslav „Monte“ Kvasnica und vom Schlittenhundesportler und Journalisten Vladimír Páral entwickelt wurde. Bei diesem Ausdauersport ist eine Distanz von mindestens 80 Kilometern bei einer Dauer von zwei oder mehr Tagen zu bewältigen. Im offiziellen Sportkatalog Österreichs heißt diese Sportart für hundelose Menschen übrigens „Sportwandern“.
Mittlerweile sind unter Dogtrekker-Mensch-Tier-Teams fast alle Hunderassen vertreten, vom Zwergpinscher bis zur Deutschen Dogge. Es gilt lediglich das Mindestalter von 18 Monaten für den Vierbeiner zu beachten. Ein guter Gesundheitszustand von Vier- und Zweibeiner ist Grundvoraussetzung – und schon kann das Training losgehen!

m Doghiking: Darunter versteht man ein zumeist eintägiges Weitwandern mit Hund über eine Strecke von 40 bis 50 Kilometern. „Doghiking ist ein guter Test für die Teilnahme an einem Dogtrekking“, stellt Vancl fest. Doch nicht so Durchtrainierte müssen keine Sorge tragen: „Für Einsteiger und Hobbysportler werden kürzere Strecken mit 15 oder 20 Kilometern pro Tag angeboten, um diese Faszination erschnuppern zu können. „Dort sind dann ältere oder junge Hunde zu finden, Teams im Trainingsaufbau und auch Menschen, die sich das einfach einmal anschauen wollen“, führt sie weiter aus. Egal, ob man sich einfach unter Gleichgesinnten in freier Natur bewegen möchte oder sogar Marathon-Läufer ist: Mitmachen kann jeder!

„Nicht der Leistungsgedanke, sondern das gesellige Miteinander und die Partnerschaft zum Hund stehen stets im Vordergrund“, betont Vancl, die auch Tierschutzbeauftragte des Vereins ist. Daher gibt es hier keine Siegerehrung mit Wertung. Gewonnen hat jeder. „Das ist uns wichtig, denn wenn der Leistungsgedanke zu sehr in den Vordergrund rückt, besteht mitunter die Gefahr, dass der Erfolg über das Wohl des Tieres gestellt wird“, gibt Vancl zu bedenken. Es gibt kein kompliziertes Regelwerk, das zu beachten ist – nur ein kompaktes Reglement mit Überlegungen, welche der Sicherheit und dem Wohlergehen des Mensch-Hunde-Teams dienen.

„Dieser Sport intensiviert durch das lange gemeinsame Marschieren die Beziehung zum Hund.“Vanl

„Doghiking“ ist somit für alle geeignet, die sich mit ihren vierbeinigen Freunden gerne und häufig in der Natur bewegen, sei es als ausdauernder Spaziergänger, Wanderer, Läufer, Radfahrer und im Winter auch auf Skiern. „Dieser Sport festigt die Beziehung zum Hund“, ist sie überzeugt. Für alle Hundemenschen ist zu bemerken, dass das gemeinsam intensiv Erlebte oft mit großen Emotionen verbunden ist und einen perfekten Nährboden zum Flechten einer „unsichtbaren Leine“ bietet. „Viele haben dadurch begonnen, ihre pelzigen Freunde anders zu sehen, gelernt, sie besser zu verstehen und auch auf sie zu hören“, weiß Vancl.

Gerne dürfen auch Menschen, die noch keinen Hund haben, mitmarschieren.
Frei nach dem Motto „Keiner spürt es so wie du“ ist Dogtrekking bzw. „Doghiking“, also Tourensport mit Hunden, ein Lebensgefühl, das der Verein in Österreichs schönsten Gegenden an alle naturbegeisterten und hundebegleiteten Menschen weitergeben möchte, sei es nun im Wienerwald, der Buckligen Welt oder am Dachstein „Es ist einfach eine Faszination. Jene, die einmal von diesem Virus erfasst sind, lassen nur selten wieder los“, resümiert Vancl. Neue Teilnehmer sind jederzeit gerne gesehen.