Knuffig, knuffiger, Teddys. Die Teddys sind eine ebenso gutmütige wie putzige Rasse der Zwergkaninchen. Die langhaarigen Gefährten sind bei Züchtern und Privaten gleichermaßen gefragt. Birgit Rathfuss aus Würflach (Bezirk Neunkirchen) betreibt eine der wenigen registrierten Teddykaninchenzuchten in Österreich. Ein Besuch zu Ostern.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 17. April 2019 (02:19)

„Oh mein Gott sind die süüüüüß.“ Wer Fotos von Birgit Rathfuss’ Teddykaninchen macht und die danach herzeigt, der erntet unter Garantie genau diese Reaktion. Kein Wunder: Die hüpfenden Fellknäuel, die durch die Wiese hoppeln, scheinbar durch das viele Fell auch rund um die Augen kaum etwas sehen und die Blätter der Erdbeerstauden in Rathfuss’ Garten in Würflach (Bezirk Neunkirchen) anknabbern, sind auch wirklich einfach nur putzig. Die 37-jährige Mutter von Lukas (13), Elena (11), Felix (7) und Leo (4) betreibt eine der wenigen registrierten Teddykaninchenzuchten Österreichs.

Mit der Zucht der ruhigen, unter zwei Kilo schweren Zwergkaninchenrasse hat Birgit Rathfuss durch Zufall begonnen. „Wir hatten früher Pferde. Als ich mit dem vierten Kind schwanger war, habe ich gemerkt, dass die Arbeit mit vier Kindern und vier Pferden zu viel wird.“

„Mich interessiert total, wie sich die Farbe der Kaninchen entwickelt.“ Birigt Rathfuss über ihr Interesse an Genetik

Schweren Herzens trennte sich die passionierte Reiterin von den Pferden. Doch ihr zweitältestes Kind, Tochter Elena, war mit der geschrumpften Tierherde, die „nur“ mehr Hund, Katzen und Hühner umfasste, nicht zufrieden. „Da sind wir auf die Teddyzwerge gekommen“, erinnert sich Rathfuss. Zwerg, diese Bezeichnung steht übrigens für die stehenden Ohren, während die Kaninchenwidder Schlappohren haben.

„Wir haben uns vier Teddyzwerge heimgeholt. Ich hab’ damals zu den Kindern gesagt: Einmal dürfen sie Babys haben, dann ist Schluss.“ Das war 2014. Seither haben über 300 Teddykaninchenbabys aus der Rathfuss’schen Zucht das Licht der Welt erblickt. „Die Kinder sind nach wie vor begeistert von den Tieren. Auch das Abgeben der Tiere ist kein Problem“, sagt die 37-jährige Züchterin. „Sie füttern sie auch sehr gern. Nur den Stall, den machen sie nicht ganz so gern. Aber sie helfen mit“, schmunzelt sie. Rathfuss ist vor allem vom Charakter der Tiere angetan: „Sie sind leicht phlegmatisch und gutmütig. Ich würde sagen, sie sind die Golden Retriever unter den Kaninchen.“

Auch die Genetik, die hinter einer jeden Zucht steckt, fasziniert Rathfuss mittlerweile. „Mich interessiert total, wie sich die Farbe der Kaninchen entwickelt.“

Aktuell besitzt die Familie drei Rammler und 15 Häsinnen. Zwei bis fünf kleine Kaninchen gibt es pro Wurf. Pro Jahr entstehen so rund 100 Babys, die gegen eine Gebühr von 50 Euro pro Kaninchen verkauft werden. „Pro Häsin lassen wir nur zwei Mal pro Jahr einen Wurf zu“, erklärt Rathfuss. Die Tragezeit bei Kaninchen beträgt 28 Tage – es würden sich also bedeutend mehr Würfe ausgehen. „Die Häsinnen sollen sich aber erholen.“

"Haben sehr lange Wartelisten auf unsere Kaninchen"

Abgesehen von ihrer eigenen Zucht kennt Birgit Rathfuss nur drei weitere Teddykaninchen-Züchter in Österreich. Kein Wunder, dass ihre Teddys auch über Österreichs Landesgrenzen hinweg begehrt sind: Aus Deutschland und Holland kommen viele Anfragen für ihre Tiere. „In diesen Ländern sitzen die großen Züchter, und die freuen sich immer über frisches Blut für ihre eigene Zucht.“ Einfach bei der Familie in Würflach vorbeischauen, die Kaninchen begutachten und gleich welche mitnehmen, das ist daher so gut wie unmöglich: „Wir haben sehr lange Wartelisten auf unsere Kaninchen. Die meisten sind schon im Vorfeld vergeben“, erklärt die 37-Jährige.

Spontanabgaben an Leute, die zu Ostern Kaninchen haben möchten, werden sowieso nicht gemacht. Birgit Rathfuss möchte verhindern, dass die Kaninchen dann nach dem Fest gleich wieder ausgesetzt oder weitergegeben werden. Grundsätzlich werden die Kaninchen nur zu zweit abgegeben, ideal ist die Abgabe als Paar, also Rammler und Häsin. „Viele wollen zwei Häsinnen, aber das ist keine gute Idee, weil jede für sich sehr dominant ist.“

Neben Züchtern sind natürlich vor allem Familien mit Kindern eine große Interessentengruppe für die süßen Kaninchenbabys. „Wir haben auch Anfragen von Studentinnen aus Wien, die in einer WG wohnen. Die wollen dann für die WG Kaninchen, meistens sucht sich jede ein Tier aus.“

Selten, aber doch werden Interessenten auch abgelehnt, sagt die Züchterin. „Das hängt stark vom Gefühl ab.“

Österlich muten übrigens nicht nur die Kaninchen im Hause Rathfuss an, sondern auch der Beruf von Familienvater Peter Rathfuss: Er arbeitet im Vertrieb beim Schweizer Schokoladenhersteller Lindt.