Engelhartstetten: Ein Ort, auf den die ganze Welt blickte

Erstellt am 13. Juni 2022 | 05:27
Lesezeit: 3 Min
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Die Hauptstraße von Engelhartstetten in der Zwischenkriegszeit.
Foto: Archiv Geringer
Als 1984 Menschen gegen die Errichtung eines Kraftwerks protestierten, sorgte das für großes Echo. Auch sonst hat Engelhartstetten eine bewegte Geschichte.
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„Engl Hartstetten“ wurde 1441 erstmals urkundlich erwähnt. Man vermutet allerdings wesentlich frühere Ansiedlung, bedingt durch eine Schenkung von Heinrich IV. an das Bistum Passau 1067.

Ein „Chressinprunnen“ scheint in den Urkunden 1115 erstmalig auf. Ein Stiftsbrief im Stift Göttweig nennt um 1083 den Ort „Liupmannstorff“. Das „Dorf Disinfurth“ erhielt 1067 das Recht der Überfuhr über die March. Dieser Name hatte allerdings keinen Bestand. Man vermutet, dass bei Hochwasserkatastrophen nur ein Hof überblieb. „Stoutpharrich“ oder „Stöpperich“ wird 1056 dem Bischof von Passau geschenkt. Mit den Gemeindezusammenlegungen 1971 und 1972 entstand die Marktgemeinde Engelhartstetten mit den Katastralgemeinden Groißenbrunn, Loimersdorf, Markthof und Stopfenreuth.

In der Gemeinde stehen mit Schloss Hof und Schloss Niederweiden zwei bekannte Ausflugsziele. Prinz Eugen erwarb die beiden Gebäude im 18. Jahrhundert und nutzte sie als Jagdschlösser. Nach den glanzvollen Zeiten begann der Verfall. Anfang des 20. Jahrhunderts waren Möbel und Kunstgegenstände nach Wien abtransportiert, die Häuser praktisch dem Verfall preisgegeben. In Schloss Hof zogen nach der k.u.k.-Kavallerie das österreichische Bundesheer, dann die Wehrmacht und nach 1945 die Rote Armee ein. 1986 war mit der Landesausstellung „Prinz Eugen und das barocke Österreich“ der Wendepunkt. Heute erstrahlen beide Schlösser in neuem Glanz und sind Anziehungspunkt für tausende von Besuchern.

Ein top-modernes Gebäude ist das 2015 neu errichtete Gemeindezentrum mit Veranstaltungssaal. Die Eröffnung erfolgte schon 2016. Im selben Jahr zog die Rösserwallfahrt durch Groißenbrunn. Dort befindet sich auch das Marienbründl. Die Wallfahrten dorthin haben eine lange Tradition und finden noch immer jeweils am 1. Sonntag im September statt.

Stopfenreuth ist seit der Aubesetzung 1984 international bekannt. Um Weihnachten verhinderten Demonstranten schlussendlich den Bau des geplanten Donaukraftwerkes. Es folgten ein Baustopp und wissenschaftliche Untersuchungen. 1996 erfolgte die Gründung des Nationalparks Donau-Auen. Weit weniger bekannt ist die Rollfähre über die Donau, welche seit 1922 in Betrieb war und nach Errichtung der Donaubrücke 1973 eingestellt wurde.

Grabensystem wurde 1922 fertiggestellt

Ebenfalls 1922 wurde das Grabensystem in Loimersdorf fertiggestellt. Damals noch händisch gegraben, dienen dieses auf einer Länge von rund 22 Kilometern der Entwässerung und dem Hochwasserschutz. Zwei Haupt- und fünf Seitengräben verbesserten die Nutzung der Hutweiden.

Heute sind dort Pumpanlagen im Einsatz. Keller werden wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht gebaut. In Markthof erinnert die Florianikapelle an die Errichtung des Marchfeld-Schutzdammes. Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Marchmündung. 1985 erfolgte die Verleihung des Marktwappens, das das Stammwappen von Pranckh als älteste nachgewiesene Besitzer mit den Ähren für die Agrarwirtschaft vereint.

Übrigens: Schauspieler Felix Dvorak und auch Sänger Harald Serafin hatten einige Jahren ihren Wohnsitz in Markthof.

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