Haringsee: Seit 1975 ein Hort verwaister Tiere

Erstellt am 03. Juli 2022 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
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Die Pflügerweltmeisterschaft in Fuchsenbigl 1964.
Foto: Gemeinde
Egal, ob Eulen- und Greifvogelstation, Hubertus-Kapelle oder die Weltmeisterschaft im Pflügen: Straudorf, Fuchsenbigl und Haringsee haben viel zu bieten.
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Im Klosterneuburger Saalbuch wurde Horgwense erstmalig genannt. Strawhendorf kann seinen Namen auf das Jahr 1396 zurückführen und ein Fuxenphil schließlich kann, vermutlich als Flurname, auf das Jahr 1689 zurückgeführt werden. Der Ort selbst entstand laut Pfarrchronik 1783. Seit der Gemeindezusammenlegung 1971 sind Haringsee, Straudorf und Fuchsenbigl in der Großgemeinde Haringsee zusammengefasst.

Eine Privatinitiative des renommierten Veterinärmediziners Hans Frey legte 1975 den Grundstock zur Eulen- und Greifvogelstation Haringsee, welche damals die erste kompetente Auffang- und Pflegestation für die Tierarten in Österreich darstellte. Ursprünglich war sie rund 6.000 Quadratmeter groß, heute werden auf der doppelten Fläche verletzte Wildtiere gesund gepflegt, um wieder in die Freiheit entlassen werden zu können. Flugunfähige Vögel finden in der Station, die 1982 von Prinz Phillip besucht wurde, einen Dauerplatz.

Seit 1990 ist die Gemeinde als Trappenschutzgebiet ausgewiesen, weswegen es auch keine Windräder gibt. Der Marchfeldkanalradweg verläuft zum Schutz der Tiere in diesem Areal durch die Ortschaften. Ein kulturelles Kleinod ist die noch von Clemens Holzmeister geplante Hubertus-Kapelle, die 1991 durch die Jagdgesellschaft errichtet wurde.

Hubertus-Kapelle als kulturelles Schmuckstück

Der in der Gemeinde wohnhafte Kammersänger Georg Schnapka erhielt die Pläne als Geschenk von dem bekannten Architekten und stellte sie zur Verfügung. Immer wieder werden dort Jagdmessen abgehalten. Kunst anderen Ursprungs hielt 2005 mit dem Bau der ersten Lagerhallen für die „ART for ART“-Theaterservice GmbH, einer Tochter der österreichischen Bundestheater, Einzug.

Die 2013 installierte Photovoltaikanlage war zu diesem Zeitpunkt die größte Aufdachanlage Österreichs. Von April bis August 2021 fungierte eine der Hallen als Impfzentrum gegen Covid-19. Fuchsenbigl war 1964 der Austragungsort der Weltmeisterschaft im Pflügen. Seither erinnert ein Denkmal an die Veranstaltung. Der Traum einer Wiederholung wurde leider nicht real. Just am Kirtagssonntag am 15. August 1925 gab es Brandalarm. Eine Strohtriste im Haus Nr. 1 stand in Flammen, der Brand war sogar bis nach Wien zu sehen.

Die Wiener Berufsfeuerwehr rückte an und brauchte für den Weg damals rund 2,5 Stunden. Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen Wassermangel schwierig. Fuchsenbigl ist auch Standort der AGES-Versuchsstation, wo Landwirtschaft im pannonischen Klimabereich erforscht wird. Der agrarische Schwerpunkt liegt im Getreideanbau, Kartoffel, Zuckerrübe, Ölkürbis sowie Sonnenblume.

Der Sportplatz in Haringsee mutiert schon seit einigen Jahren am ersten Juli-Wochenende zum Zentrum des Kabaretts im Bezirk. Was 2006 mit einer Aufführung auf einem Gummiwagen begann, ist zwischenzeitlich zu einem Riesenfest mit etwa 800 Besuchern angewachsen. Veranstalter ist der Sportverein samt Obmann Pepi Hopf, der selbst erfolgreich in diesem Genre tätig ist. Heuer werden am 1. und 2. Juli Flo und Wish, Gery Seidl, Klaus Eckel sowie Fredi Jirkal die Lachmuskeln strapazieren.

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