Jedenspeigen: Hier wurde Geschichte geschrieben

Erstellt am 09. Mai 2022 | 05:59
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8346191_mar18sw_1mittelalterfest.jpg
Das Mittelalterfest ist ein Fixpunkt im Veranstaltungskalender.
Foto: Gemeinde
Die Schlacht zwischen Kaiser Rudolf I. von Habsburg und Ottokar II. Přemysl hatte Auswirkungen auf ganz Europa. Heute prägen viele Weinbauern die Gemeinde Jedenspeigen.
Werbung

Die Marktgemeinde Jedenspeigen begeht gleichzeitig mit dem 100-Jahr-Jubiläum von NÖ auch das 50 Jahr Jubiläum seit der Zusammenlegung der Katastralgemeinde Jedenspeigen mit der Katastralgemeinde Sierndorf.

Die beiden Orte hatten eine bewegte Geschichte. Die erste urkundliche Erwähnung unter den Namen „Hiedungispuigun“ stammt aus dem Jahre 1113, später entstand der Name „Ydungsespiuge“, was so viel bedeutet wie „die Beuge (Flussschlinge) der March“.

Mittelalterfest im August

Das wohl bedeutendste historische Ereignis auf Jedenspeigner Boden mit Auswirkung für ganz Mitteleuropa war die große Ritterschlacht zwischen den römisch-deutschen Kaiser Rudolf I. von Habsburg und Ottokar II. Přemysl von Böhmen im Jahre 1278. Bis heute prägt diese Schlacht, die mit dem Sieg Rudolfs die Herrschaft der Habsburger in Österreich begründete, das kulturelle Leben in der Gemeinde. Das große Mittelalterfest, das heuer wieder am 13. und 14. August bereits zum zehnten Mal stattfinden wird, bestätigt das.

Sierndorf dürfte fast gleich alt sein, wobei die erste urkundliche Erwähnung als „Dorf des Siro“ aus dem Jahre 1260 stammt. Sierndorf war im 17. Jahrhundert ein beliebter Marienwallfahrtsort. Zahlreiche Pilger kamen zur Marienkapelle am Bründl, die über einer Quelle errichtet wurde, deren Wasser Heilung bei Augenkrankheiten bringen sollte.

Am Weg von der Pfarrkirche zum Bründl gab es noch weitere Kapellen, die später, als in der Zeit von Kaiser Josef II. Wallfahrten abgeschafft wurde, abgetragen und an anderen Orten wiedererrichtet wurden, wie die Kapelle des hl. Nepomuk, die nun vor dem Schloss Jedenspeigen steht und restauriert werden soll.

Für beide Orte waren die Kämpfe zu Kriegsende und die Besatzungszeit die wohl bitterste Zeit. Jedenspeigen war einer der am schwersten zerstörten Orte an der March. Insgesamt brannten 35 Häuser ab und sogar der Kirchturm war halb weggeschossen.

Auch Sierndorf hatte schwere Schäden erlitten, die sich unter anderem am Schulgebäude zeigten, das zu 75 Prozent zerschossen war. Es wurde nach dem Krieg wieder renoviert. Als die Volksschule 1967 mit Jedenspeigen zusammengelegt wurde, begann der letzte Schulleiter Alfred Schultes seine urgeschichtliche Sammlung in einer Klasse einzurichten. So entstand das Urgeschichts- und Heimatmuseum Sierndorf. Heute beansprucht das von Kustos Martin Stohl geleitete Museum das gesamte Gebäude sowie den Hof.

Vor 50 Jahren kam es zur Zusammenlegung

Im Jahre 1972 kam es zur Zusammenlegung von Sierndorf mit Jedenspeigen zur heutigen Marktgemeinde Jedenspeigen. Vor allem bei den Vereinen wäre eine derart erfolgreiche Entwicklung sonst nicht möglich gewesen. Vor 50 Jahren wurde der Musikverein Jedenspeigen mit der Ortskapelle Sierndorf fusioniert und es entstand unter den Kapellmeistern Ferdinand und Gerhard Seebauer eine sehr erfolgreiche Musikkapelle mit starken Zulauf der Jugend.

1975 wurde das neue Amtshaus in Jedenspeigen eröffnet und das neue Marktwappen verliehen, 1978 fanden anlässlich des 700-jährigen Gedenkjahrs der Schlacht von 1278 große Festlichkeiten statt. Bekannt wurde Jedenspeigen auch dank seiner Winzer.

Werbung