Matzen: Einst ein Ort für wahre Cineasten

Erstellt am 30. Mai 2022 | 05:23
Lesezeit: 3 Min
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Das Waldbad, im Hintergrund mit dem Schloss.
Foto: Archiv Matzen
Bis in die 2010er-Jahre war die Gemeinde Treffpunkt für Filmliebhaber. Das 1928 eröffnete Bad gibt es aber heute noch.
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Mit der ersten urkundlichen Erwähnung in einer Urkunde von König Heinrich IV. aus dem Jahr 1067 ist Matzen, damals „Modzidala“ genannt, wohl einer der ältesten Orte im Bezirk. Schon 1615 wurde von Kaiser Matthias das Marktrecht verliehen. Die Verleihung des Marktwappens erfolgte dann 1961. In diesem Jahr wurde auch der Bärenbrunnen eröffnet. 1970 erfolgte die Gemeindezusammenlegung mit Raggendorf und Klein-Harras.

In die Zeit der Kinskys von 1706 bis 1931 fielen zahlreiche Errungenschaften. So gehen der Ernestinenhof – heute Betriebsgebiet in Prottes – das herrschaftliche Presshaus sowie die Schlosskeller, die sogar mit Fuhrwerken befahrbar und heute im Bezirk der Winzergenossenschaft sind, darauf zurück. Ebenso wie das Bürgerspital im ehemaligen Meierhof, der in den 1960er-Jahren abgerissen wurde. Heute befindet sich an der Stelle unter anderem das Gemeindeamt. An der Hauptstraße entstand die Volksschule, die jedoch in den letzten Kriegstagen zerstört wurde und das Bezirksgericht, das bis 1945 Gerichtsstandort war. Beide Gebäude wichen später dem Landesjugendheim, dass bis 2016 Bestand hatte.

Dem Wunsch der Piaristen, am Gelände der ehemaligen Ziegelfabrik ein Gymnasium zu errichten, kam der Gemeinderat 1926 nicht nach. Stattdessen wurde für die Bürgerschule votiert, die noch heute Standort der Volksschule ist. 1972 wurde der Standort durch die Errichtung einer Hauptschule aufgewertet, der jüngste Zubau datiert aus 2017. Es folgten 1965 das Sonderpädagogische Zentrum und später das Wohnheim, beides heute von der Lebenshilfe betrieben.

Seit fast 100 Jahren gibt’s ein Bad

Bereits 1928 eröffnete das idyllische Waldbad. Skurril mutet die damalige Verordnung an, dass Kinder an Sonn- und Feiertagen erst nachmittags Einlass fanden, um den Kirchgang nicht zu stören. Aus dieser Zeit datiert auch das Kino. Erst in den 2010er-Jahren dieses Jahreshundert war endgültig Schluss. Das Gebäude wurde abgerissen, der Kinosaal blieb bestehen und soll in eine geplante Wohnungsanlage integriert werden.

Das bereits mitgenommene Schloss wurde in den 1960er-Jahren durch den neuen Besitzer renoviert und war schon 1966 für die erste Ausstellung des Völkerkundemuseums geöffnet, die über 8.000 Besucher verzeichnete. Von 1969 bis Ende der 1980er-Jahre gab es jährliche Aufführungen des Theatervereins Schlossspiele, die später als Sommerspiele in die Schule übersiedelten. Europaweit erfolgreich war der von Anton Hofer gegründete Singkreis. „Matzen International“ bringt seit 1966 Musik, Gesang und Tanz aus fernen Ländern in die Gemeinde. 1997 wurde die Gemeinde für ihre Aktivitäten als Kulturgemeinde ausgezeichnet.

Der von Wirtschaftsbund 1989 ins Leben gerufene Adventsparziergang wird abwechselnd mit Prottes durchgeführt und lockt am ersten Adventwochenende zahlreiche Besucher an. Seit einigen Jahren zeichnet die Dorferneuerung für die Durchführung verantwortlich. 1977 wurde die Kunsteisbahn eröffnet, bis heute die einzige im Bezirk. Hauptsächlich für die Schule, aber auch für Besucher steht das Hallenbad zur Verfügung und 1994 wurde das Optimum als Veranstaltungsort und die Turnhalle für die Schule eröffnet.

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