Stillfried: Der Ort, an dem Geschichte lebendig wird

Erstellt am 05. Juni 2022 | 05:05
Lesezeit: 3 Min
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Grabungsleiter Fritz Felgenhauer mit seinen damaligen Studenten Otto H. Urban, Sigrid von Osten und Walpurga Antl im Jahr 1976.
Foto: Antl
„Zentrum der Urzeit“ ist das einzige von einem privaten Verein geführte Museum im Bezirk Gänserndorf mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel.
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Aus einer Ausstellung in den Gängen der Stillfrieder Volksschule wuchs mit den Jahrzehnten das Museum „Stillfried – Zentrum der Urzeit“ heran. Gegründet am 8. März 1914, nur wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, ist es heute das einzige von einem privaten Verein geführte Museum im Bezirk Gänserndorf, das mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel über die höchste Qualitätsauszeichnung verfügt. Alle Schaustücke stammen aus Grabungen vor Ort und aus der näheren Umgebung.

Die Gemeinde Stillfried stellte einen Baugrund am Kirchenberg zur Verfügung, doch die Spenden reichten nicht für den Bau eines eigenen Gebäudes. So mussten die Gänge der Volksschule für die Ausstellung aus den Sammlungen des ersten Obmannes Richard Böhmker und des Schuldirektors Engelbert Neuner genügen. Aus 1922, dem Gründungsjahr Niederösterreichs, datiert das erste Inventar des Museums.

Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs 1938 zeigt ein Brief des Kurzzeitunterrichtsministers Oswald Menghin den Versuch, den Ausbau Stillfrieds als Museums- und Forschungsplatz voranzutreiben. Als mit Kriegsbeginn 1939 das Geld ausging, schliefen diese Vorhaben wieder ein. Um 1945 waren viele Vitrinen und Fundgegenstände zerstört. Tierknochen lagen lange Zeit am Dachboden der Volksschule.

Hetzers Bemühungen lohnten sich

Nach dem Krieg ist es Kurt Hetzer zu verdanken, dass die Museumsbestände nicht an Zentralmuseen gingen. Er betrieb die Neuaufstellung mithilfe des Bundesdenkmalamtes in Wien, erlebte aber leider die Eröffnung im Jahre 1955 nicht mehr. 1963 erhielt das Museum den Namen „Museum für Ur- und Frühgeschichte“. Der damalige Obmann Engelbert Krenn verstarb schon drei Jahre später und hinterließ ein Vakuum. Als 1969 Leo Nowak diese Funktion übernahm und gleichzeitig Fritz Felgenhauer mit systematischen Ausgrabungen begann, erwachte das Museum zu neuem Leben.

Nowak unterstützte die Ausgrabungen organisatorisch, im Museum gab es erstmals reguläre Öffnungszeiten. 1978 wurde die erste Sonderausstellung „Die Jagd in der Urzeit“ gezeigt und der heutige Obmann Gerhard Antl, damals noch Student, wurde in den Vorstand kooptiert. 1979 konnte die umgebaute Schausammlung feierlich eröffnet werden. Mit einer Videoanlage gelang der Einstieg in das aufkommende Multimedia-Zeitalter.

Im Rahmen eines ecoplus- Projektes und mit Unterstützung der Gemeinde Angern erfolgte 1995 der Ausbau des großen Dachbodens und damit die Verdoppelung der Schaufläche. Neue Vitrinen sorgten für zeitgemäße Präsentation. Die wissenschaftliche Gestaltung obliegt seither der Museumsleiterin Walpurga Antl.

Heute vereint das Museum 30.000 Jahre Siedlungsgeschichte mit moderner Präsentation. Es ist barrierefrei zu besichtigen. Im mit Unterstützung der Gemeinde Angern neu gestaltete Eingangsbereich befindet sich der Shop, wo ein nach römischem Rezept hergestellter Gewürzwein oder Mammut- und Bernsteinschmuck erworben werden kann. Einer der Höhepunkte sind die Sonderführungen in die um 850 v. Chr. errichtete Wallanlage. Nächster Termin: 21. August beim 21. Bernsteinstraßenfest.

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