Patient kam zu spät: Klinik half nicht. Weil er wenige Minuten nach Annahmeschluss das Medizinische Zentrum betreten hatte, wurde Mann mit Fußverletzung nicht mehr behandelt. Klinik erklärt den Grund.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 19. September 2018 (04:06)
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Die Gänserndorfer Tagesklinik, eine „Zweigstelle“ des Landesklinikums Mistelbach, steht im Visier eines Patienten-Angehörigen.
Schindler

Beatrix B. ist sauer. Weil sie mit ihrem verletzten Ehemann nur wenige Minuten nach Annahmeschluss die Gänserndorfer Tagesklinik betreten hatte, wurde der Verunfallte nicht mehr behandelt und wieder heimgeschickt: „Das ist Frechheit pur und gehört unbedingt öffentlich gemacht.“

Es war an einem Sonntag kurz nach 18.30 Uhr: Beatrix B. und ihr Gatte, der sich am Fuß verletzt hatte, standen im Empfangsbereich des Medizinischen Zentrums Gänserndorf. „Dort sagte man uns, dass Patienten nur bis 18.30 Uhr aufgenommen werden.“ Beatrix B. konterte, dass es erst 18.35 Uhr sei: „Daraufhin meinte die Dame am Schalter, das stimme nicht, es sei sieben Minuten nach halb.“

„Schwerere Verletzungen werden natürlich vorrangig behandelt. Da kann es zu Wartezeiten kommen.“ Leitung des Medizinischen Zentrums Gänserndorf

Der Patienten-Gattin platzte der Kragen: „Ich sagte zur Krankenschwester, dass ich nicht wusste, dass Ärzte nach der Stempeluhr ihre Arbeit niederlegen.“ Darauf habe das Gegenüber erklärt, dass der Arzt gerade jemanden nähe und dass niemand mehr aufgenommen werde, weil der Mediziner um 19 Uhr heimgehe.

„Wir waren nicht die Einzigen, die weggeschickt wurden, obwohl offiziell bis 19 Uhr geöffnet war – auch eine Mutter mit einem Kleinkind, das eine Platzwunde am Kopf hatte“, erinnert sich Beatrix B. Die aufgebrachte Frau abschließend: „Ich verstehe nicht, warum wir als Steuerzahler diese Klinik unterstützen müssen.“ Übrigens: Beatrix B. und ihr Ehemann suchten in der Folge das Krankenhaus Mistelbach auf, wo der Patient behandelt wurde.

Was sagt die Klinikleitung zu den Vorwürfen? „Die unfallchirurgische Ambulanz im Medizinischen Zentrum Gänserndorf ist täglich, auch sonn- und feiertags, von 7 bis 19 Uhr in Betrieb. In diesen Zeiten ist auch ein Facharzt für Unfallchirurgie anwesend. Bei akuten, länger dauernden Behandlungen, wie dem Nähen einer Wunde, Einrichten von Knochenbrüchen oder Ähnlichem, kann es zu Wartezeiten kommen, da schwerere Verletzung zuerst behandelt werden.“

Problem: Arzt muss Dienstschluss einhalten

Der Dienstschluss um 19 Uhr sei vom Facharzt aufgrund des strikten Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes genau einzuhalten.

Wenn eine Behandlung im Laufen sei, werde diese natürlich zu Ende geführt: „Daher werden Akut-Patienten ab 19 Uhr oder wie im besagten Fall schon vorher bei bereits absehbarer längerer Behandlungszeit zur Begutachtung an die Unfallchirurgische Abteilung im Landesklinikum Mistelbach weitergeschickt.“ Je nach Schwere der Verletzung und Dringlichkeit des Begutachtungsbedarfs geschieht dies per Rettung oder mit den anwesenden, begleitenden Angehörigen.

Warum wurde auch das Kleinkind mit der Platzwunde nicht aufgenommen? „Hier ist zu sagen, dass solche Fälle generell ins Klinikum nach Mistelbach weitergeschickt werden, weil dort zur kindgerechten Behandlung der Einsatz einer Narkose möglich sein muss – was für Kinder nur in der Spezialabteilung im Schwerpunkthaus in Mistelbach gegeben ist.“

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