Telefone der Weinviertler Friseure laufen heiß. Frisöre freuen sich über die große Nachfrage.

Von Edith Mauritsch, Franz Enzmann, Michaela Höberth und Barbara Witzany. Erstellt am 29. April 2020 (10:43)
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Sabine Hengstberger – hier in ihrem Sitzendorfer Salon – wird künftig bei der Arbeit eine Schutzmaske tragen. Außerdem wird nur jeder zweite Stuhl im Frisörsalon besetzt werden, um den Abstandsregeln gerecht zu werden.
Franz Enzmann

Am Samstag (2. Mai) ist es endlich wieder so weit: Die Frisöre dürfen ihre Salons öffnen und die Schere schwingen.

„Die Telefone laufen heiß, die Nachfrage ist enorm“, sagt Bianca Kowar, die ein Haarstudio in Ebenthal (Bezirk Gänserndorf) betreibt: Die Sessel im Salon hat Kowar umgestellt, sodass Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Ob sie sich vorstellen kann, mit Schutzkleidung und Handschuhen zu arbeiten? „Wenn es nur mit Handschuhen erlaubt ist, wird es wohl gehen müssen.“ Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Masken besorgte sich Kowar im Vorfeld.

„Auf ein Plauscherl unter den Mitarbeiterinnen oder mit den Kunden müssen wir jetzt aus Vernunft verzichten.“Frisörmeisterin Sylvia Fürhauser

Marion Anger aus Obersulz (Bezirk Gänserndorf) deckte sich ebenfalls mit Desinfektionsmittel und Masken ein. Sie arbeitet in ihrem Damen- und Herrensalon mit drei Mitarbeitern. „Einen Ein-Meter-Abstand kann ich einhalten, glücklicherweise ist mein Salon groß genug.“

Sylvia Fürhauser, Vertrauensperson im Bezirk Korneuburg, und ihr Team können die Wiedereröffnung der „Frisurenstube“ in Leobendorf am 2. Mai kaum erwarten – auch wenn vieles anders sein wird: „Am wichtigsten ist es, den Hausverstand einzuschalten.“ Das gelte für Fürhausers Team genauso wie für die Kunden.

Es wird nur jeder zweite Stuhl besetzt, die Mitarbeiterinnen halten sich hinter den Kunden auf, sie werden mit Handschuhen, Einwegmänteln und Masken ausgestattet. Gesichtsvisiere sind angeschafft. Für die Kunden gilt Maskenpflicht.

Die Frisörmeisterin hat ihre Mitarbeiterinnen auf die neue Situation gut vorbereitet und machte klar, dass einiges vorerst nicht mehr geht: „Auf ein Plauscherl unter den Mitarbeiterinnen oder mit den Kunden müssen wir jetzt aus Vernunft verzichten.“ Dass sie ihren Salon wieder aufsperren kann, „ist überlebensnotwendig“.

„Derzeit fehlen noch die Hygienerichtlinien“

Das Handy der Schmidataler Frisörmeisterin Sabine Hengstberger läutet pausenlos, viele Kunden wollen so schnell wie möglich einen Termin. Aufgrund der strengen Schutzbestimmungen können nicht alle Plätze in ihren – bezirksübergreifenden – Salons in Horn, Eggenburg, Großweikersdorf und Sitzendorf in Anspruch genommen werden.

Die Chefin von 24 Beschäftigten löste deren Arbeitsverhältnis nach Beginn der Coronakrise einvernehmlich – jeweils mit Vereinbarung einer Wiedereinstellungszusage. „Da ich in zwei Pflegeheimen meine Geschäfte nicht aufsperren kann, können ab 2. Mai nicht alle, aber 17 Beschäftigte wieder arbeiten“, sagt Hengstberger.

Allerdings: „Derzeit fehlen noch die Hygienerichtlinien“, seufzt die Ziersdorferin (Bezirk Hollabrunn), dass sie bei der Wirtschaftskammer diesbezüglich noch keine Infos bekam. Die Nachfrage nach einem Haarschnitt ist auch bei ihr groß. „Oberste Priorität hat die Gesundheit meiner Kunden.“

Landesinnungsmeisterin Silvia Rupp bringt Licht ins Dunkel: „Unsere Branche hat schon jetzt hohe Hygienestandards. Da ist nicht so viel dazugekommen.“ Seitens der Wirtschaftskammer wurde ein Maßnahmenpaket für die Frisör-Wiederöffnung der Bundesregierung vorgeschlagen.