Schloss Hof ringt um Bau-Juwel. Wichtiger Grabungsfund ermöglicht Rekonstruktion der „Großen Kaskade“ nur teilweise.

Von Erwin Nußbaum. Erstellt am 01. Oktober 2016 (08:52)
NOEN, Nußbaum
Wo gehobelt wird, fallen Späne: Die Rekonstruktion der „Großen Kaskade“ in Schloss Hof läuft auf Hochtouren.

Das berühmte Schloss Hof ist vielleicht bald um eine Attraktion reicher: Die „Große Kaskade“, jenes vor langer Zeit abgerissene Juwel der Gartenalage, dessen Position an der Stützmauer der vorletzten Gartenterrasse bisher nur mit viel Fantasie zu erahnen war, wird nun von Grund auf rekonstruiert.

Bei archäologischen Grabungen im Jahr 2014 hatten Experten des Schlosses Schönbrunn in der vorher genannten Stützmauer bauliche Überreste, sogenannte „Spolien“, der „Großen Kaskade“ entdeckt. Diese waren beim Abbruch der ursprünglichen Brunnenanlage einfach miteingemauert worden. Im Jahr 1860 war das Schloss in den Besitz des K.u.k.-Militärs übergegangen, das den Garten in einen Übungsplatz umwandelte. Nach weiterer Begutachtung war klar, dass tatsächlich ein Großteil der ursprünglichen Baumasse in der Stützmauer „versteckt“ worden war.

Rekonstruktion der „Großen Kaskade“ mit Bildquellen

Die gefundenen Fragmente, in Verbindung mit Bildquellen aus der Zeit vor dem Abbruch, ermöglichen nun eine fast vollständige Rekonstruktion der „Großen Kaskade“. Dieses archäologische „Zuckerl“ hat aber einen bitteren Beigeschmack: Von den großen Reliefsteinen, die die Rückwand der Brunnenanlage zierten, sind zwar etwa 40 Prozent wiedentdeckt worden, doch diese wurden teilweise abgeschlagen.

Sie passen laut Hermann Fuchsberger, dem Abteilungsleiter des Bundesdenkmalamts NÖ, außerdem nur bedingt zu den Darstellungen auf den zeitgenössischen Bildquellen. Nun beginnt das große wissenschaftliche Puzzle-Spiel: Laut Schloss-Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker könnte es in Italien noch Quellenmaterial zum ursprünglichen Aussehen der „Großen Kaskade“ geben. Diese sollen gemeinsam mit akribischer Forschungsarbeit bis November 2017 eine vollständige Eröffnung der Anlage ermöglichen – ohne störende Lücken.