Corona: Ein langer Weg zurück für „Generation 60+“. Seniorenbund-Teilbezirksobmann Ferdinand Fürhacker über das Leben seiner Altersgruppe in Zeiten von Corona. Bis alles ist, wie gewohnt, werde es noch dauern.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 24. Mai 2020 (05:36)
Seniorenbund-Teilbezirksobmann an seinem Schreibtisch.
E.M.

Seniorenbund-Teilbezirksobmann Ferdinand Fürhacker ist ein rühriger Mann. In seinem „Unruhestand“ als pensionierter Lehrer kümmert er sich tatkräftig um die Senioren seiner Heimatgemeinde und darüber hinaus. Corona hat die Arbeit nicht weniger gemacht, aber anders. Die NÖN sprach mit Fürhacker, was sich für die „Generation 60+“ – und ihn persönlich – alles geändert hat.

Nicht einmal die täglichen Besorgungen sollten die Senioren selbst erledigen, zu ihrem eigenen Schutz. „Kinder und Enkelkinder haben gut auf uns aufgepasst. Wir wurden mit allem versorgt, der Wirt bot einen Lieferservice und über die Gemeinde wurde ein Einkaufsdienst organisiert“, ist Fürhacker über den Zusammenhalt im Ort begeistert. Und dennoch: „Es war ein schönes Gefühl, wieder etwas kaufen zu können, was man sieht, und nicht nur das zu bekommen, was auf der Einkaufsliste steht“, resümiert Fürhacker.

Die monatlichen Treffen im Gasthaus zum Kartenspielen, Theaterfahrten und Tagesausflüge sowie das Seniorenturnen jeden Donnerstag – alles war von Corona lahmgelegt. Wie haben sich die älteren Menschen dabei gefühlt? „Die meisten waren sehr gefasst und diszipliniert. Gänzlich vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten zu sein, ist aber hart, besonders für Menschen, die keinen Partner mehr haben.“ Die Nähe zur Familie fehlte besonders. „Der heurige Muttertag war besonders, im negativen Sinn. Wir hoffen, dass es bald vorbei ist“, teilt Fürhacker hier wohl die Meinung vieler. In der „kontaktlosen“ Zeit hielt der Seniorenbund-Obmann mit den Mitgliedern telefonischen Kontakt.

Ältere Generation ist auch Wirtschaftsfaktor

Die älteren Menschen wurden seit Corona oft als Risikogruppe bezeichnet – was wenig schmeichelhaft klingt, auch wenn es gut gemeint ist. Die „Generation 60+“ ist aber auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, was ein Blick auf das „normale“ Programm des Seniorenbundes auf Orts- und Landesebene deutlich zeigt. Busreisen, Theaterbesuche, Wandertage oder Ausklang beim Heurigen – Aktivitäten, mit denen die Wirtschaft belebt wird. Wenn auch das Land wieder „hochgefahren“ wird, bis die Senioren wieder voll dabei sind, wird es wohl noch dauern. Damit fehlen den aber Betrieben Einnahmequellen.

Ob der beliebte Seniorenkirtag im August stattfinden wird, ist noch unklar. „Ich plane, mit unseren regelmäßigen Zusammenkünften im September wieder zu starten“, hofft Fürhacker auf einen ersten Schritt.

„Die letzten Monate zeigten, dass nicht alles selbstverständlich ist, und dass man wertschätzen sollte, was man hat“, schließt Fürhacker.