„Ich will, dass hier alle zufrieden sind“. Nach den Mobbing-Vorwürfen machte sich die NÖN vor Ort ein Bild und führte mit Direktorin Streicher ein großes Interview.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 14. Mai 2015 (06:00)
NOEN, Schindler
Heimdirektorin Ursula Streicher (4.v.l. stehend) und ihr Stellvertreter Norbert Baran (3.v.l. stehend) mit einigen Mitarbeitern des Gänserndorfer Barbaraheimes, das Platz für 141 Bewohner bietet.

Wie berichtet, beschwerten sich einige Mitarbeiter des Landespflegeheims über das Arbeitsklima im Haus. Von physischer bzw. psychischer Überlastung, Burn-out-Fällen und sogar Mobbing war die Rede. Direktorin Ursula Streicher, die seit eineinhalb Jahren im Amt ist, zeigt sich im NÖN-Gespräch betroffen.

NÖN: Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Streicher: Seitdem ich das Barbaraheim leite, gab es natürlich auch Veränderungen – unter Einbeziehung der Kollegenschaft. Veränderungen, die von den Bewohnern und Mitarbeitern vorgeschlagen wurden. Leider können wir es gleichzeitig nicht allen 110 Kollegen des Hauses recht machen. Es wird immer welche geben, die sagen, dass früher alles besser war.

Von welchen Veränderungen sprechen Sie?

Streicher: Der Küchenleiter zum Beispiel entscheidet jetzt selbst, ohne Vorgaben der Heimleitung, was er kocht. Er und sein Team sind begeistert. Sie haben zum Beispiel kulinarische Spezialwochen eingeführt. Ein weiteres Beispiel: Manche Mitarbeiter hatten sich beschwert, dass die Internet-Verbindung immer wieder zusammenbrach, während sie ihre Protokolle schrieben. Wir ließen das Problem von einer Computer-Firma beheben. Die Kollegen sind nun großteils zufrieden.

Gibt es eigentlich Befragungen zur Mitarbeiter-Zufriedenheit?

Streicher: Ja, die werden sogar mehrmals pro Jahr durchgeführt. Bewertet wird mittels Schulnotensystem. Die Werte liegen immer zwischen 1,75 und 1,85 und sind somit top. Übrigens: Nach den jüngsten NÖN-Berichten führte die Volksanwaltschaft eine unangemeldete Prüfung unseres Hauses durch. Da wurden die Mitarbeiter und die Bewohner befragt sowie die Infrastruktur unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Prüfung: Die Volksanwaltschaft lobte unser Heim und kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Kann es sein, dass manche Mitarbeiter überlastet sind, wenn sie einen Demenz-Kranken, der zehn Mal am Tag aus dem Haus spaziert, wieder zurückbegleiten müssen?

Streicher: Das ist sicherlich manchmal mühsam, aber unsere Aufgabe. Dafür sind wir da. Unser Haus ist kein Gefängnis und keine geschlossene psychiatrische Anstalt. Die Eingangstüre ist untertags immer geöffnet. Das ist gesetzlich auch so vorgeschrieben.

Zuletzt gab es den Vorwurf, dass die ehrenamtliche Unterstützung durch freiwillige Helfer fast zum Erliegen gekommen sei.

Streicher: Ich habe mir die Zahlen genau angesehen. Von 2007 bis 2014 wurden immer zwischen 459 und 555 Stunden geleistet. Da gibt es keine Kurve nach unten. Und wir sind froh, dass uns die Ehrenamtlichen so oft helfen. Ohne sie hätten wir viele Vorhaben gar nicht umsetzen können.