Ärger wegen dritter Piste in Groß Enzersdorf. Politik und Wirtschaft zufrieden, Umweltorganisationen beklagen Bescheid des Verwaltungsgerichtshofs. Bau ist im Zehnjahresplan des Flughafens noch nicht vorgesehen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 29. März 2019 (04:50)
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Symbolbild Flugzeug fliegen
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Der Verwaltungsgerichtshof hat es nun entschieden: Die dritte Piste darf gebaut werden. Das freut vom Verkehrsminister abwärts die meisten Politiker und Institutionen wie die Wirtschaftskammer. Ein Aufschrei kommt einmal mehr von heimischen NGOs.

Die Umweltorganisation VIRUS fordert etwa eine Klimaoffensive im Verkehrsbereich. Sprecher Wolfgang Rehm: „Eine politische Offensive im Verkehrssektor braucht es, um bei der Treibhausgasreduktion endlich erfolgreich zu sein, ohne dass der Verkehr immer wieder alles zunichte macht. Wie sich nun erneut gezeigt hat, bietet die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht ausreichend Möglichkeiten für den Klimaschutz.“

Für den WWF ist das Projekt schlicht ein teurer Irrweg: „Wer in klimaschädliche Infrastruktur investiert, landet in einer fossilen Sackgasse. Mehr Flugverkehr wird Österreichs CO 2 -Bilanz weiter verschlechtern. Aufwand und Kosten zur Bekämpfung der Klimakrise werden steigen“, so der WWF-Klima- und -Energiesprecher Karl Schellmann.

Warnung vor Ausbau der dritten Piste

Die Groß-Enzersdorfer Bürgerinitiativen hatten stets vor dem Ausbau der dritten Piste gewarnt. „Diese wird uns schmackhaft gemacht, indem man sagt, dass wir nur wenige Landungen haben werden“, erklärt Manfred Schweighart von der Bürgerinitiative „Viel zu laut“. Er führt aus: „Eine der beiden Parallel-Pisten wird aber um 19 Uhr gesperrt. Und ab dann gibt es Landungen wie bisher, vermutlich noch mehr, weil einfach mehr Flugverkehr da sein wird.“

Ganz anders klingen die Reaktionen von weiter oben: „Durch die dritte Piste entstehen 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze direkt am Airport und 20.000 weitere indirekt in der Region Wien und NÖ“, freut sich etwa FP-Minister Norbert Hofer. Auch für Sonja Zwazl, Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer, war die Entscheidung „höchst erfreulich“, stärke sie doch den gesamten Wirtschaftsstandort.

Flughafen-Vorstandsdirektor Günther Ofner zeigte sich zufrieden, „weil damit ein sehr langes Verfahren zu einem guten Ende gekommen“ sei. Ob der Flughafen aber tatsächlich die dritte Piste baut, steht derzeit noch in den Sternen. Vorerst sind Investitionen in einen Officepark für Start-ups und weitere Hangars geplant. In der Zehnjahresplanung, die 2,6 Mrd. Euro an Investitionen vorsieht, ist der Bau der Piste noch nicht enthalten.