Der Schock nach der Gasexplosion sitzt tief. Toter war aus Stockerau, Explosion dürfte von neu installiertem Filterseperator in der Gasstation ausgelöst worden sein.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 20. Dezember 2017 (05:21)
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Eine Woche ist es nun her, dass die kleine Katastralgemeinde von Weiden die verheerendste Katastrophe ihrer Geschichte erleben musste: Die Explosion in der Gasstation samt Flammen-Inferno, die ein Todesopfer und 21 Verletzte forderte. Noch immer steht Baumgarten unter Schock. Die Bewohner fragen sich nach wie vor, wie das alles passieren konnte.

Nach der Explosion in der Erdgasstation ermittelt die Staatsanwaltschaft Korneuburg wegen fahrlässiger Gemeingefährdung. Zudem sei ein Sachverständiger bestellt worden. Für ein Gutachten sei eine Frist von acht Wochen gesetzt worden. Ermittelt werde vorerst gegen unbekannte Täter, teilte Christian Pawle, Sprecher der Anklagebehörde, mit. In dem Fall warte die Staatsanwaltschaft auf erste Berichterstattung und Ergebnisse der Erhebungen des Landeskriminalamtes NÖ.

Laut Gas Connect Austria GmbH (GCA) dürfte der Unfall von einem neu installierten Filterseparator ausgegangen sein. Diesbezügliche Hinweise hätten sich im Rahmen der Untersuchungen verdichtet.

Mutmaßlicher Hergang ist nun bekannt

Die ermittelnden Behörden gehen laut dem Unternehmen davon aus, „dass die Verschlusskappe des Filterseparators das Unglück verursacht hat. Diese hatte sich gelöst und schlug mit großer Wucht gegen einen anderen Anlagenteil und hat auch diesen beschädigt. In weiterer Folge hat sich das dabei ausströmende Gas entzündet, wodurch es an den zwei Austrittsstellen zu einem Gasbrand gekommen ist“, beschrieb GCA den mutmaßlichen Hergang.

Die beschädigten Teile der Anlage waren nach dem Unglück außer Betrieb. Nach Kontrolle durch Feuerwehr und Landeskriminalamt konnten die Systeme der Trans-Austria-Gasleitung in Richtung Italien, der West-Austria Gasleitung nach Deutschland und der Hungaria-Austria Gasleitung nach Ungarn noch am Unglückstag vor Mitternacht wieder in Betrieb genommen werden.

„Die nationale Erdgasversorgung war zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, heißt es von der OMV – die GCA ist ein 51-prozentiges Tochterunternehmen des österreichischen Mineralöl-Giganten. Das Unternehmen drückte auch seine Betroffenheit über den Tod eines 32-jährigen TÜV-Mitarbeiters (Technischer Überwachungsverein) bei dem Unfall aus: „Unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen.“

TÜV-Mitarbeiter aus Stockerau Todesopfer

Derweilen wurde bekannt, dass das Todesopfer aus Stockerau stammt. Mathias S., Mitarbeiter des TÜV Austria, beschäftigte sich mit einem neuen Anlagenteil im Bereich der Filterseparation, als es zur Explosion mit Temperaturen um die 1.000 Grad Celsius kam. Der 32-Jährige war durch seine vielen sportlichen Aktivitäten – vor allem dem Mountainbiken – bekannt.

In Baumgarten kehrt ganz langsam wieder Normalität ein, wie Vizebürgermeister und Ortsvorsteher Markus Lang berichtet: „Es wird schon noch über das Unglück geredet, aber für den Großteil ist das abgehakt. Die Anlage ist nun einmal da, aber wir wissen, dass das Unglück nur durch einen blöden Zufall passieren konnte und dort immer unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet wird. Angst hat sicher niemand.“

Das war am Tag des Unglücks anders: „Zum Zeitpunkt des Unfalls war ich am Gemeindeamt. Als ich dann am Weg zum Baumgartner Feuerwehrhaus, wo ich hinfuhr, um mich umzuziehen, die Flammen gesehen habe, habe ich mir schon Sorgen gemacht, was da bei so einem enormen Brand alles passieren kann.“

Schlussendlich habe aber alles reibungslos funktioniert und der Feuerwehreinsatz sei bestmöglich durchgeführt worden – dafür gab es auch schon Lob von Bezirks- und Landeskommando. Lang übernahm übrigens am Tag des Unglücks die Evakuierung der Lebenshilfe Baumgarten, an die 50 Personen wurden sicher in die alte Schule gebracht. „Die Klienten haben die Situation aber schon verdaut, bei den Betreuern hat es etwas länger gedauert“, schließt Lang ab.