Ein Jahr nach dem Mauerfall in Groß-Enzersdorf. Seitdem ein Bus in die Steinwand krachte, ist diese eine Baustelle. Ein Plan für die Wiedererrichtung wurde eingereicht.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 19. Februar 2021 (03:56)
Bisher wurde das unansehnliche Mauerloch mit Gewebe verhängt.
Kremsmayer

Kulturstadtrat Sommerlechner betätigt sich als Radioreporter. Nicht als Kulturstadtrat, nein als Radioreporter für den neuen „Regiopodcast 2301“ der Gemeinde ging Martin Sommerlechner den Hintergründen für die ewige Baustelle am Wiener Tor der Stadtmauer nach. Vor gut einem Jahr krachte der 26A, ein Bus der Wiener Linien, in den Pfeiler dieser Stadtmauer und brachte sie zu Fall. Dann war allerdings keine Bewegung der Steine mehr sichtbar.

Zur Weihnachtszeit wurde das unansehnliche Mauerloch noch mit Gewebe verhängt und mit einem Balken versehen worden, um doch noch die Weihnachtsbeleuchtung befestigen zu können. So mauserte sich das demolierte Stadtmauerstück zum Dauerprovisorium. „Der gelernte Österreicher ahnt – das könnte länger dauern“, so Sommerlechner. Also noch immer kein Happy End für die die unselige Geschichte in Sicht? Hat die Gemeinde gar nichts gemacht?

„Doch, es ist eine Menge passiert“, protestiert Stadtamtsdirektor Mitterer, von Nichtstun könne keine Rede sein. Man habe das Denkmalamt eingeschaltet und sei mit den Besitzern in Kontakt getreten. Moment! Die Stadtmauer gehört nicht der Stadt? Nein. Wie von der NÖN bereits mehrfach berichtet, gehört sie der Familie Hodo, die auch nicht gewillt ist, die Mauer abzutreten. Es wäre ihr damit zwar Verantwortung abgenommen, aber wohl auch neue Auflagen aufgebrummt worden, wie etwa das Abrücken der an der Mauer stehenden Gebäude. „Es fühlt sich auch für uns nicht toll an, dauernd neben dem Loch zu leben, wir wollen die Mauer aber trotzdem nicht hergeben“, heißt es.

Die Familie hatte sich nach dem Unfall lange nicht mit der Versicherung einigen können, die von einem demolierten Schuppen ausging. Doch der vermeintliche Schuppen war das ehemalige Wohnhaus, das die Hodos gerade wieder herrichten wollten. Also ließen sie die Angelegenheit von ihrem Anwalt regeln.

Wird Mauer gar durch Betonwand ersetzt?

In der Zwischenzeit wurden schon böse Gerüchte kolportiert. Könnte die Mauer, weil in Privatbesitz, durch eine billigere Fertigteilmauer oder gar durch eine Betonwand ersetzt werden? Noch dazu, da publik wurde, dass die Mauer just in diesem Abschnitt nicht ganz so alt ist. Archäologin Doris Schön, die die Stadtmauer erst vor zwei Jahren neuerlich befundet hatte: „Die Stadtmauer ist in ihren ältesten Teilen schon um 1350 als Marktmauer entstanden und um 1400, nach der Stadterhebung, aufgestockt worden.“ Im Bereich des heutigen Wienertores sei die Mauer aber erst um 1800, aus Furcht vor den napoleonischen Angriffen, neu befestigt worden. Sie steht damit nicht unter Denkmalschutz.

Allerdings müsse das Denkmalamt mit dem Wiederaufbau befasst werden und würde einer Betonmauer nicht zustimmen. Doch offenbar gibt es Licht am Horizont. Mittlerweile wurde von Familie Hodo ein Plan für die Wiedererrichtung eingereicht. Nach ersten Vorerkundungen Sommerlechners sieht der Plan für das Denkmalamt ohnedies gut aus.