Baxter baut 100 Stellen ab. Pharma-Konzern plant zahlreiche Mitarbeiter vom Standort Orth abzuziehen, versucht aber, möglichst viele davon in anderen Bereichen zu beschäftigen.

Erstellt am 28. November 2013 (23:59)
NOEN, APA
Von Stefan Havranek

ORTH / Wie nun bekannt wurde, plant der Baxter-Konzern, einer der größten Arbeitgeber der Region, am Standort Orth etwa 100 Stellen abzubauen. Auch nach diesen „strukturellen Maßnahmen“ wird laut Baxter-Sprecher Michael Heinrich der Personalstand in Orth bei „rund 1.000“ liegen.

Orths VP-Bürgermeister Johann Mayer ist naturgemäß nicht erfreut:„Es ist natürlich bedauerlich, wenn auf einen Schlag 100 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Es soll ja die Abteilung der Forschung für Vakzine (bestimmte Impfstoffe, Anm.) komplett geschlossen werden, auch der Leiter ist betroffen.“ Seinen Informationen zufolge verlieren nicht nur 100 Angestellte ihren Job, sondern auch 40 zusätzliche, die aber in anderen Abteilungen weiter beschäftigt werden sollen.

100 Stellen werden abgebaut

„Natürlich schmerzt der Stellenabbau auch hinsichtlich des Verlusts an Kommunalsteuer. Ich bin aber froh, dass der Standort Orth erhalten bleibt und auf längere Sicht gesichert scheint – aber das kann man leider nie wissen“, so der Ortschef. Er hofft aber, dass „vielleicht im Gegenzug andere Bereiche weiter ausgebaut werden“.

Baxter-Sprecher Heinrich erklärt auf NÖN-Anfrage den Schritt aus Konzern-Sicht: „Für den Bereich der in Österreich entwickelten VeroCell-Technologie, die in der Impfstoff-Technologie neue Maßstäbe setzte, und mit der Baxter Influenza-Vakzine entwickelte, wird ein strategischer Partner gesucht, der diese Geschäftsbereiche in Zukunft weiter betreibt. Das gilt auch für die klinische Entwicklung eines neuen Borreliose-Impfstoffes, der sich zuletzt in klinischen Studien als ausgesprochen vielversprechend erwiesen hat. Für die derzeit am Markt befindlichen Impfstoffe gegen FSME und C-Meningokokken sind keine Veränderungen geplant.“

Für Baxter ist 2013 ein sehr ereignisreiches und erfolgreiches Jahr

In Österreich hat der Konzern kräftig investiert und 180 neue Mitarbeiter eingestellt. So wurden an den Standorten Wien und Orth allein etwa 100 Millionen Euro in Produktionsanlagen gesteckt. Damit sichere Baxter seinen Standort in Österreich nachhaltig ab.

Neu hinzugekommen ist eine Entscheidung bezüglich des Standorts Krems, an dem in Zukunft ein Präparat gegen Hämophilie („Bluterkrankheit“) produziert werden wird: In Krems werden in den kommenden Jahren rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen und 138 Millionen Euro investiert. Seit Baxter 1997 die Immuno AG übernommen hat, schuf man in Österreich an die 2.200 neue Arbeitsplätze. Heute sind sogar 4.400 Mitarbeiter bundesweit für das Unternehmen tätig.

Baxter habe eine sehr gut gefüllte „Pipeline“ mit mehr als 40 Entwicklungsprojekten, so Heinrich weiter: „ Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Fokussierung, um mehr Kapazitäten als bisher in die Weiterentwicklung dieser Projekte zu marktreifen Produkten zu konzentrieren. Schließlich ist es von zentraler Bedeutung, dass die Ergebnisse der zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen auch möglichst rasch Patienten zugänglich gemacht werden.“

Strukturelle Anpassungen wurden beschlossen

Aufgrund dieser „vielfältigen und sehr positiven Entwicklungen“ bei Baxter hat das Unternehmen auch strukturelle Anpassungen beschlossen. Heinrich: „Am Orther Standort sind rund 100 Mitarbeiter von diesen Entscheidungen betroffen. Baxter wird sich bemühen, möglichst viele von ihnen in anderen Bereichen weiter zu beschäftigen.“ Außerdem soll sich eine geringe Anzahl von Angestellten weiterhin um die Bereitstellung der VeroCell-Technologieplattform und des Borreliose-Entwicklungsprogramms kümmern.